WochenrückblickDie Milliarden-Altlasten der Deutschen Bank

Rekordstrafe im Libor-Skandal

Jürgen Fitschen und Anshu Jain
Die Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen sich immer noch mit Aufräumarbeiten beschäftigen – Foto: dpa

Die Altlasten werden für die Deutsche Bank immer teurer. Im Libor-Skandal um Zinsmanipulationen hat das größte deutsche Kreditinstitut jetzt einen Vergleich mit britischen und amerikanischen Behörden geschlossen, der eine Strafzahlung von 2,5 Mrd. Dollar nach sich zieht. Außerdem muss die Bank nach Angaben der New Yorker Finanzaufsicht DFS sieben Mitarbeiter entlassen.

„Wir bedauern diese Angelegenheit zutiefst, sind jedoch zufrieden, dass wir sie nun gelöst haben. Die Bank akzeptiert die Ergebnisse der Aufsichtsbehörden“, sagten die beiden Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Die Bank stellte zudem fest, dass „kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied“ Kenntnis über die Manipulationen hatte oder daran beteiligt war.

Doch bei näherem Hinsehen spielte die Bank bei der Aufklärung des Falls eine unrühmliche Rolle. Die britische Finanzaufsicht FCA etwa beschwert sich über Irreführungen und Verzögerungen. So habe das Kreditinstitut einen Bericht der deutsche Finanzaufsicht Bafin zurückgehalten und Aufzeichnungen von Telefongesprächen vernichtet. Das habe die Aufklärung der Vorgänge erschwert.

Für den Milliardenvergleich muss die Bank nun weitere Rückstellungen bilden. Nach eigenen Angaben sind das im ersten Quartal 2015 rund 1,5 Mrd. Euro zusätzlich. Mehr als 3 Mrd. Euro hat das Geldhaus für die Kosten der diversen juristischen Auseinandersetzungen bereits zur Seite gelegt.

Trotzdem sei im ersten Quartal noch ein Gewinn angefallen, hieß es. Die genauen Zahlen gibt es in der kommenden Woche. Dann wird die Bank auch ihre künftige Strategie erläutern. Mit Spannung wird erwartet, was mit dem Privatkundengeschäft geschehen soll.

Machtkampf bei VW

Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn
Wieder alles gut? Konzernpatriarch Ferdinand Piëch (l.) bestreitet, dass er an einer Ablösung von Konzernchef Martin Winterkorn arbeitet – Foto: dpa

Der Kampf um die Herrschaft im Volkswagen-Konzern wird immer verworrener. Dabei schien doch alles klar, nachdem das Präsidium des Aufsichtsrates dem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn den Rücken gestärkt und VW-Patriarch Ferdinand Piëch eine empfindliche Niederlage zugefügt hatte. Der Chefaufseher konnte sich mit seinem Vorhaben nicht durchsetzen, Winterkorn abzulösen.

Würde Piëch das so einfach hinnehmen? Zunächst schien es in dieser Woche so, als versuche der Aufsichtsratschef den Vorstandschef immer noch zu stürzen. Es folgte ein Dementi: „Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht“, sagte Piëch. Er habe sich mit ihm ausgesprochen und eine weitere Zusammenarbeit vereinbart.

Viele Experten trauen dem Frieden nicht. Es wäre ungewöhnlich für Piëch, wenn er eine Niederlage einfach so hinnehmen würde. Und so warten nun alle gespannt auf die nächste Aufsichtsratssitzung am 4. Mai und die Hauptversammlung am nächsten Tag. Kommt es dann zum Eklat? Die Unruhe im Konzern wird auf jeden Fall anhalten.

„Flash Crash“

Haus von Navinder Singh Sarao
Doppelhaushälfte in London: Von hier aus soll der Händler Navinder Singh Sarao seine Marktmanipulationen betrieben haben – Foto: Getty Images

Vor fünf Jahren schickte der sogenannte Flash Crash den Dow-Jones-Index innerhalb kürzester Zeit um 1000 Punkte nach unten. Auslöser des Kursrutsches war eine große Zahl von Verkaufsorders, die andere Investoren ebenfalls zu Verkäufen veranlassten. Es entstand eine computergesteuerte Kettenreaktion. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei und die Verluste wieder aufgeholt.

Verantwortlich für den Crash soll der Händler Navinder Singh Sarao sein, der in London lebt und arbeitet. Das US-Justizministerium fordert seine Auslieferung, um ihm in den USA den Prozess machen zu können. Sarao wehrte sich nach seiner Festnahme vor einem Londoner Gericht gegen seine Überstellung. Gegen eine Kaution von 7 Mio. Dollar kann er das Gefängnis verlassen.

Von einer unscheinbaren Doppelhaushälfte in der britischen Hauptstadt aus soll der Trader Aufträge für elektronisch gehandelte Termingeschäfte aufgegeben haben. Er habe jedoch nie die Absicht gehabt zu kaufen, sondern wollte nur den Anschein eines hohen Verkaufsdrucks erwecken, werfen die Behörden Sarao vor. Statt zu kaufen, soll der Händler kurz vor der Ausführung seine Orders zurückgezogen haben. Andere Händler fielen auf die Methode herein und die Kurse gingen auf Talfahrt. Dann konnte sich der Betrüger mit billigen Papieren eindecken und von der anschließenden Kurserholung profitieren.

Gut 880.000 Dollar soll Sarao an dem fraglichen Tag verdient haben, behaupten die US-Behörden. Insgesamt habe er zwischen 2010 und 2014 40 Mio. Dollar mit dieser Methode gemacht.