StudieDeutsche mögen keine Weiterbildung

Weiterbildung, aber wie? Oft ist das Angebot für neue Aufgaben groß – diese Fragen und Antworten schaffen Überblick
Weiterbilden, aber wie? Oft ist das Angebot für neue Aufgaben groß – diese Fragen und Antworten schaffen ÜberblickPixabay

Es ist Arbeit, mit dem modernen Jobmarkt Schritt zu halten. Stellenprofile ändern sich, neue Technologien verschieben in Branchen die Schwerpunkte. Weiterbildung sollte da schon aus purem Eigennutz einen hohen Stellenwert besitzen, um nicht mit den Jahren den Anschluss zu verlieren. Doch die Deutschen scheinen beim lebenslangen Lernen lieber zu schwänzen. Sie landen in einer internationalen Arbeitsmarktstudie bei der beruflichen Fortbildung auf dem letzten Platz.

Deutsche sparen sich Weiterbildung

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group und die Jobplattform „The Network“ haben für die Analyse „Decoding Global Trends in Upskilling and Reskilling“ nach eigenen Angaben rund 366.000 Berufstätige in 197 Ländern befragt. In Deutschland beteiligten sich laut StepStone etwa 17.000 Menschen. Nur 38 Prozent von ihnen gaben an, sich pro Jahr wenigstens einige Wochen lang weiterzubilden, wie BCG mitteilte. Damit belegten die Deutschen den letzten Platz.  Der weltweite Durchschnittswert betrug 65 Prozent.

Als globale Spitzenreiter in Sachen beruflicher Fortbildung erwiesen sich die Menschen in Myanmar (87 Prozent), Nigeria (84 Prozent) und China (81 Prozent). Da könnte allerdings der Schluss nahe liegen, dass Länder mit einem generell hohen (Aus-)Bildungsniveau in dieser Statistik generell schlechter abschneiden. Trotzdem sind Beschäftigte in vielen führenden Industrie- und Dienstleistungsnationen offenbar sehr viel engagierter, in ihrem Beruf auf dem aktuellen Stand zu bleiben oder sich neue Kompetenzen anzueignen. So schnitten die USA (58 Prozent) und das Vereinigte Königreich (50 Prozent) deutlich besser ab als die Bundesrepublik. Die bildete die Schlussgruppe mit diesen Ländern: Schweiz (44 Prozent), Österreich (43 Prozent), Belgien (43 Prozent) und Frankreich (42 Prozent).

Deutsche wollen nicht umschulen

Diese Trägheit beim lebenslangen Lernen schlägt sich offenbar auch in einem anderen Bereich nieder, der laut den Arbeitsmarktexperten immer größere Bedeutung gewinnt. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie im Ernstfall bereit wären, einen völlig neuen Beruf zu ergreifen. In allen Ländern bejahten dies im Durchschnitt 67 Prozent. In Deutschland war es gerade einmal jeder Zweite (53 Prozent). Damit lag die Bundesrepublik im Vergleich der 197 Länder mit Polen auf dem viertletzten Platz. Schlechter schnitten nur Lettland und Bulgarien (jeweils 52 Prozent) sowie der Iran (46 Prozent) ab.