Beste Ausbilder Bergbaukonzern Leag: Nachhilfe für Azubis

Die Leag betreibt unter anderem den Braunkohletagebau Welzow-Süd in der Niederlausitz – für manche Azubis eine Station in der Ausbildung
Die Leag betreibt unter anderem den Braunkohletagebau Welzow-Süd in der Niederlausitz – für manche Azubis eine Station in der Ausbildung
© Stanislav Krupar
Der Bergbau- und Energiekonzern Leag ist einer der größten Ausbilder in Brandenburg – ungeachtet des absehbaren Ausstiegs aus der Kohle. Aber das Unternehmen muss sich mehr um seine Azubis bemühen als früher

Ursprünglich, sagt Norman Kursawe, sei eine Ausbildung als Industriemechaniker überhaupt nicht sein Ding gewesen. Der 21-Jährige kommt aus Spremberg in der Lausitz, wo man „auf der Kohle geboren“ ist, wie er sagt. Doch als Jugendlicher wollte Kursawe eigentlich Mediengestalter werden. Dann brach er das Abitur ab, zwischenzeitlich arbeitete er im Fitnessstudio, wo er sich unter anderem darum kümmerte, Geräte zu reparieren. Einige Mitarbeiter des Bergbau- und Energiekonzerns Leag, die dort trainierten, sagten ihm: „Komm doch zu uns.“ Inzwischen ist Kursawe im vierten Lehrjahr bei der Leag, er engagiert sich auch in der Auszubildendenvertretung.

Mehr als 600 Auszubildende lernen derzeit bei der Leag. Die meisten von ihnen sind angehende Industriemechaniker, Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik, die zuerst in der Ausbildungswerkstatt im Industriepark neben dem Kraftwerk Schwarze Pumpe ihr Handwerk lernen – bevor es hinaus geht in die Betriebswerkstätten oder Tagebaue. Ein kleinerer Teil der Azubis lernt im kaufmännischen Bereich. Zudem bietet die Leag zwei duale Studiengänge an.

Damit ist das Unternehmen, das in Brandenburg und Sachsen mit 8000 Mitarbeitern mehrere Braunkohletagebaue und Kraftwerke betreibt, der mit Abstand größte Ausbilder in der strukturschwachen Region. Und natürlich sind auch die Leag und ihre Mitarbeiter betroffen von den Beschlüssen zum Kohleausstieg, die eine Expertenkommission im Auftrag der Bundesregierung Anfang des Jahres verabschiedet hat.

Im vergangenen Jahr habe man praktisch eine weitere Einheit in die Ausbildung aufgenommen, sagt Leag-Ausbildungsleiter Axel Ziller – „und das ist das Thema Demonstrieren für eine sachliche Diskussion“. Als in Berlin über den Zeitplan für den Ausstieg aus der Braunkohle verhandelt wurde, beteiligten sich viele Leag-Mitarbeiter an Demonstrationen – darunter auch viele Azubis wie Kursawe.

Seit dem Beschluss der Kohlekommission ist klar, dass das Kohlegeschäft spätestens im Jahr 2038 Geschichte sein wird. Spätestens dann muss die Leag ein komplett anderes Unternehmen sein als heute. Dennoch hat Ausbildungschef Ziller, der ein Team von mehr als 40 Ausbildern leitet, in diesem Jahr eine Trendwende festgestellt: Nach einem Jahrzehnt stetig sinkender Bewerberzahlen haben sich in diesem Jahr wieder mehr junge Leute für die Azubistellen beworben als im Vorjahr – mehr als 900 für 150 Plätze.

Doch Ziller weiß auch, dass sich das Unternehmen wie viele andere auch bei der Gewinn und Qualifizierung seines Nachwuchses mehr anstrengen muss als früher. Um die Ausbildung bei der Leag in der Zielgruppe bekannt zu machen, gibt es neuerdings Ausbildungsbotschafter – Azubis, die in die Schulen in der Region gehen und von ihrer Ausbildung erzählen. Die Bewerber, die auf Basis der Unterlagen zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, bekommen nun schon gleich bei diesem Termin eine Zu- oder Absage. In der Vergangenheit hatte die Entscheidung häufiger länger gedauert, sodass einige Bewerber in der Zwischenzeit absprangen – und woanders anfingen, etwa bei der Bundeswehr.

Niedrige Abbrecherquote

Darüber hinaus investiert Ausbildungsleiter Ziller stärker in Förderprogramme, die Defizite bei Azubis beheben sollen. So hat er das Projekt „Lern es“ eingeführt, in dem Lücken in Rechtschreibung oder Prozentrechnen identifiziert und durch ein individuelles Coaching ausgeglichen werden sollen. In dem Azubi-Jahrgang, der im September begonnen hat, ist knapp jeder Zehnte Nicht-Muttersprachler. In der Summe stellten die 615 Azubis bei der Leag einen „Querschnitt unserer Gesellschaft“ dar, sagt Ziller. Auch deshalb hat der Chefausbilder im vergangenen Jahr beim Leag-Vorstand die Einstellung eines Sozialpädagogen durchgeboxt, der sich um die Azubis kümmert – nicht nur bei Konflikten in der Ausbildung, sondern auch bei privaten Problemen.

Dass sich der Zusatzaufwand für das Unternehmen auszahlt, lässt sich an Zahlen ablesen. So brechen bei der Leag nach Zillers Angaben im Schnitt nur drei bis vier Prozent der Azubis ihre Ausbildung ab. In Brandenburg und bundesweit liege die Abbrecherquote bei 20 bis 30 Prozent. Auch nach dem Ende ihrer Ausbildung bleiben die meisten Auszubildenden bei der Leag: Von den insgesamt mehr als 2700 Azubis, die im vergangenen Jahrzehnt ausgebildet wurden, arbeiten noch heute mehr als 1900 im Unternehmen.

Auch Norman Kursawe will nach dem Ende seiner Ausbildung bleiben. Aber natürlich beschäftige er sich mit der Frage, wie es mit der Braunkohle weitergehe und was danach komme, sagt er. Auch sein Chefausbilder Ziller denkt viel darüber nach, wie er die Qualifizierung von Mitarbeitern an die sich ändernden Rahmenbedingungen für die Kohlebranche und sein Unternehmen anpassen muss. Ziller würde gerne in der Lausitz ein neues Aus- und Weiterbildungszentrum aufbauen – für Brandenburg und Sachsen und nicht allein für die Leag, sondern auch für andere Unternehmen. „Wir haben das Knowhow und das Equipment“, sagt er. Für das Projekt hofft er auf einen Teil jener Fördermilliarden, die die Bundesregierung den Kohleländern als Strukturhilfen für die Zeit nach der Kohle bereitstellen will. Ziller sagt: „Wir wollen nach vorne schauen.“

Capital hat Deutschlands beste Ausbilder gekürt: Zum dritten Mal wurden in einer umfangreichen Studie mehr als 600 deutsche Unternehmen ausgezeichnet – erschienen in Capital-Heft 11/2019. Hier geht es zum Kiosk-Shop . Die kompletten Ergebnisse der Studie finden Sie hier.


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