Die Höhle der LöwenWie zwei Gründer aus Malkursen ein Start-up machten

Art Night in Berlin
Art Night in BerlinMaximilian Virgili

„Mein Mädchen hat Donald-Trump-Haare“, bemerkt die Frau neben mir, nachdem sie ihr Werk eine halbe Minute aus einigem Abstand betrachtet hat. Eine andere pinselt routiniert und sagt: „Ich habe gerade meinen Bob-Ross-Moment.“ Bob Ross! Hatte ich fast vergessen, den Maler mit dem Afro, der in den Achtzigern im TV Landschaftsbilder malte. Ich selber fühle mich auch ein bisschen in jene Zeit zurückversetzt: Erinnert mich an die Schule, Tuschen im Kunstunterricht.

Obwohl, eigentlich ist heute alles anders: Alle sind freiwillig hier, wir sitzen in einer historischen Brauerei statt im Klassenzimmer, und angeschickert war damals auch niemand. Wir sind bei der Art Night, einer Veranstaltung des Startups von Aimie-Sarah Carstensen-Henze und David Neisinger. Den Teilnehmern ihrer Kunstkurse versprechen sie gut ausgebildete Lehrer, schöne Locations und das eine oder andere Glas Wein.

Klingt nach einem Geschäftsmodell. „Volkshochschulen in Deutschland machen mit Kunstkursen einen Jahresumsatz von 140 Mio. Euro“, sagt Neisinger, als ich die beiden Gründer am Tag zuvor treffe. Der Markt ist also beträchtlich. Co-Gründerin Carstensen-Henze sagt, dass das Konzept bereits in 34 deutschen Städten sowie Wien funktioniere; demnächst folgt die Expansion nach Frankreich, Großbritannien, in die Beneluxländer und die Schweiz.

Spaß soll an erster, Perfektion an zweiter Stelle stehen

Das hat Georg Kofler überzeugt, der 150.000 Euro für einen Zehn-Prozent-Anteil investierte. Art Night verspricht ein modernes Event mit einem Fokus aufs Miteinander. Schön! Da freue ich mich auf den Abend am Pinsel. „Aber du musst auch ein bisschen Alkohol trinken“, sagt Neisinger. Okay, versprochen.

Ab nach Lankwitz, dem Ortsteil im Berliner Süden, wo fast jeden Abend die Art Night auf dem Areal von Stone Brewing stattfindet. Der Plan ist, dass alle Teilnehmer ein Motiv der Street-Art-Ikone Banksy malen. Es zeigt ein Mädchen, das einen Ballon in Herzform fliegen lässt. Wieder einmal ist der Kurs ausgebucht, rund 30 Leute sind gekommen.

Auf dem Tisch vor mir stehen eine Staffelei samt Leinwand, Pinsel, eine Palette mit Farben und ein Wassernapf. Lehrerin Tijana hat in Serbien studiert und an der Berliner Universität der Künste ihr Meisterstudium abgeschlossen. Malen sei wie eine kleine Meditation, erklärt sie lächelnd. Spaß solle an erster, Perfektion an zweiter Stelle stehen. Die hat leicht reden. Ich sitze erst mal zehn Minuten vor der Leinwand und mache: nichts. Gar nichts. Die Angst, mit dem ersten Pinselstrich gleich alles zu ruinieren, ist enorm. Katastrophe.