ManagementSo besiegt man die Aufschieberitis

Nichts mehr auf morgen verschieben.
Nichts mehr auf morgen verschieben.
© Getty Images

Dr. Heinz Peter Wallner ist Doktor der technischen Wissenschaften, Lehrbeauftragter, Organisationsberater und Autor des Ratgebers „Take Five – Die fünf Schlüssel zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke“.


“Verdammt, halb acht! Um acht beginnt das Meeting. Meine Präsentation steht als erster Punkt auf der Agenda. Am besten, ich mache einen kurzen Umweg über die Apotheke und nehme gleich eine Kopfschmerztabelle – meine Stimmungsaufheller sind auch ausgegangen. Irgendetwas wollte ich heute früh noch erledigen, aber was nur? Den Kaffee nehme ich ins Auto mit, das Frühstück entfällt heute, aber was heißt heute? Immer! Selbst wenn die jetzige Präsentation gut ankommt, hören meine Probleme in der Firma nicht auf. Die lähmenden Konflikte mit Hubert und Susanne lassen sich nicht lösen, was ich auch mache. Naja, unternommen habe ich eigentlich noch nicht viel, eher gegrübelt. Davon hat niemand was, ich weiß! Ich kann Konflikte nicht leiden. Sie machen mich unrund. Eigentlich mache ich mir in diesem Wahnsinn hier eine Scheinwelt, in der ich alles im Griff habe, aber eben nur scheinbar. Und irgendwann läuft mir alles aus dem Ruder. Hauptsache, es merkt niemand etwas. Aussteigen müsste man, Lachsfischen in Kanada oder so, manche haben den Mut dazu. Oder die Probleme lösen – aber woher die Energie dazu nehmen? Also bleibt nur eins: weitermachen und sich bloß nichts anmerken lassen!“

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Vielleicht kennen Sie die Probleme, die Menschen überfallen, wenn sie nicht genügend Kraft und Zeit für Selfleadership aufwenden. Was verbirgt sich hinter diesem schicken Modewort?

Selfleadership meint, sich selbst zu führen, also gezielt Einfluss darauf zu nehmen, was wir denken, welche Haltungen wir einnehmen, welches Verhalten wir bewusst an den Tag legen und wie wir aus unseren Erfahrungen lernen.

Dazu gehört es, zu reflektieren, was uns gelungen ist und was nicht. So einfach das auch klingen mag, die Problemlösung kann schnell selbst wieder zu einem Problem werden, wenn wir es nicht schaffen. Sofort kommt Stress auf, weil ich mich nicht selbst führen kann. Die  unvermeidbare Wahrheit hinter allen Lösungsansätzen: Ohne Disziplin und den Willen zur Wiederholung funktioniert gar nichts.

Kein Wunder also, wenn die Wirtschaftswelt – hinter den Hochglanzmagazinen – voller Storys des Scheiterns auf persönlicher Ebene sind. Rückschläge sind ein Teil des Spiels, da hilft auch kein Schönreden. Es gibt aber eine gute Nachricht: „Niemand ist perfekt!“ Und es ergeht allen im Grunde gleich. Alle intelligenten Menschen zweifeln, sie reflektieren und stellen sich immer wieder in Frage.

Fünf Schritte zum sinnerfüllten Leben

Einfache Tipps und faule Zaubertricks aus aktueller Literatur können Ihnen für Ihre ganz persönliche, ganzheitliche Entwicklung nicht weiterhelfen. Leider. Meine Erkenntnis als Mensch, der mit dem Zweifel innig verbunden ist, ist folgende: Erst das Erkennen der großen Zusammenhänge des Selfleaderships und das Beschreiten des Weges der fünf Schritte – der „Take Five“ – wird Ihnen zu einem sinnerfüllten, glücklichen Leben verhelfen.

Es gibt keine magische Abkürzung, die zum Instant-Glück mit High-Performance, bei frischer Gesundheit und ewiger Jugend führt. Gauben Sie mir, an den großen Fragen des Lebens, wie Willenskraft, Spirit, Vergebung, Heilung, Dankbarkeit, Sinn und Erfüllung kommen Sie nicht vorbei. Es ist besser, sich heute den Fragen zu widmen als morgen damit wieder nicht zu beginnen.

Packen Sie es an!

Richtig – packen Sie Ihre Aufschieberitis beim Kragen, kaufen Sie Ihr ein One-Way-Ticket.

Alles beginnt mit der Willenskraft (take one). Denn der Anfang ist schon die halbe Miete.

Erkennen Sie ihre Quellen des Lebens (take two) und lassen Sie sich auf Ihrem Wege unterstützen. Das geht einfacher, als Sie denken.

Dann wird es schwieriger. Es gilt Hemmnisse zu überwinden und Blockaden zu lösen (take three). Das ist eine Lebensaufgabe, aber es tut gut, sich damit einmal zu beschäftigen.

Erst dann folgt die Entfaltung der eigenen Potenziale (take four) und ganz am Ende die Integration in die Entwicklung der Welt (take five).

Was ist Ihr Beitrag zur positiven Entwicklung? Erst die Antwort auf diese Frage wird Ihnen Erfüllung und Sinn schenken. Ganz nebenbei haben Sie die fünf Schlüssel („take five“) zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke eben schon verstanden. Wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, dann vertiefen Sie sich. Ein Wochenende genügt, um einmal einen guten ersten Schritt zu setzen. Sie sind es sich wert!