Gastbeitrag7 Stolpersteine auf dem Weg zur Firmengründung

Symbolbild Firmengründer
Symbolbild FirmengründerPixabay

#1 Unzureichendes Motiv

Ihre Idee klingt gut, der Businessplan liest sich flüssig und ist kohärent. Doch wie sieht die praktische Umsetzung aus? Papier ist ja bekanntlich geduldig und keine noch so perfekt formulierte Unternehmensgründung wird in der Realität einer Überprüfung auf Herz und Nieren standhalten, wenn nicht die Frage nach dem „Warum“ geklärt ist. Wo möchte ich mit meiner Gründung hin, welche Motivation habe ich? Gründer, die schnell reich und berühmt werden möchten mit ihrem Unternehmen, haben in der Praxis keine Chance. Daher will der Sinn und Zweck der Unternehmensgründung wohl durchdacht sein. Gespräche mit Freunden, Mentoren und auch Konkurrenten stellen zwar eine massive zeitliche Investition dar, doch nur so kann die avisierte Dienstleistung oder das geplante Produkt bereits in der Planungsphase verbessert werden. Zeit ist Geld, aber Zeit bedeutet eben auch, Ideen und mögliche Arbeitsprozesse reifen zu lassen. Im Zweifelsfall gilt in diesem Stadium: Es gibt kein zu spät, eher ein zu früh.

#2 Fehlende Vorbereitung

Ein Businessplan ist meist schnell geschrieben, doch wie bereits eingangs erwähnt, ist die Beschäftigung mit der eigenen Motivation ein Grundpfeiler jeder Unternehmensgründung. Neben der Klärung des Warums bedarf es vieler Gespräche aber auch theoretischer Grundlagen, die nicht einfach so im „Vorbeigehen“ erworben werden können. Seminare, Studiengänge „Entrepreneurship“ aber auch das Lesen entsprechender Literatur bringt Gründungswillige und Junggründer nicht nur tiefer in die Materie, sondern bietet durch Praxiseinheiten Möglichkeiten zur Überprüfung seiner Geschäftsidee. Ein Standardwerk für Jungunternehmer ist Simon Simeks Buch „Frag immer erst nach dem Warum!“ Warum sind manche Organisationen profitabler als andere? Warum werden einige Führungskräfte von ihren Mitarbeitern mehr geschätzt und andere weniger? Simek bietet theoretisches Rüstzeug, ein Art Instrumentenkasten, den man vor, während und nach der Unternehmensgründung immer parat haben sollte.

#3 Am Kundenbedarf vorbei planen

Was nutzt das schönste Produkt und die beste Dienstleistung, wenn es nur wenige potenzielle Kunden gibt? Nichts. Genau aus diesem Grund ist die Prüfung des Kundenbedürfnisses von immenser Wichtigkeit. Eine Bedarfsabfrage kann schon im Freundeskreis erste Hinweise geben, auch der potentielle Markt sollte genau unter die Lupe genommen werden. Dazu gehört eine profunde Marktanalyse mit Ausarbeitung des eigenen USP. Fehlt der USP, oder ist die Dienstleistung, die man anbieten möchte, nicht deutlich verbessert als die Dienstleistung der direkten Wettbewerber, sollte man die Vor- und Nachteile einer Unternehmensgründung nochmals auf den Prüfstand stellen.

#4 Finanzen aus den Augen verlieren

Sind alle Fragen nach dem Warum beseitigt und es stehen Business- und Finanzplan geht es für die meisten Gründer auf die Suche nach Kapital. Auch hier gibt es Stolpersteine, die es zu umwandern gilt. Begibt man sich im Internet auf die Suche nach Investoren, bekommt man zwar schnell Anrufe aus den diversen Finanzplätzen Europas, doch auch hier ist Vorsicht angesagt. Nicht jeder Investor hält, was er eingangs verspricht. Auch bei seriösen Investoren ist immer das „Warum“ der entscheidende Faktor. Gute Business- und Finanzpläne werden von professionellen Investoren gesehen und herausgepickt. Allerdings muss man als Gründer das „Funkeln in den Augen“ solcher Investoren hervorrufen, um wirklich eine Finanzierung zu erhalten. Die Persönlichkeit des Gründers und dessen Überzeugung von seiner Idee sind hier entscheidend. Hat man das notwendige Startkapital, ist es wichtig, den Finanzierungsplan im Blick zu behalten. Gerade in der Anfangsphase werden Anschaffungen oftmals zu niedrig kalkuliert und die Liquiditätsreserve ist schneller aufgebraucht als gedacht.

#5 Schwachstellen missachten

Auch wenn die ersten Hürden genommen sind, das Unternehmen nach kurzer Zeit schwarze Zahlen schreibt, sollten immer wieder die Schwächen in den Fokus des Gründers rücken. Sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren fällt leicht, vor allem wenn man Erfolg hat. Hier hilft eine SWOT Analyse, die meist schon im Businessplan erstellt wurde und oftmals in Vergessenheit gerät. SWOT steht dabei für Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats). Mit diesem Instrument können Risiken vermieden beziehungsweise frühzeitig erkannt werden. Hier ist es hilfreich, im Aufbau des Unternehmens und im Rahmen eines wachsenden Teams gerade auf Mitarbeiter zusetzen, die die Fähigkeiten des Gründers ergänzen und eine „neutrale“ Sicht auf die Unternehmensentwicklung werfen, ohne den „Das-ist-mein-Baby“-Blick des Gründers.

#6 Sand im Personalgetriebe

Ein besonderes Augenmerk sollte auf einer sinnvollen und vor allem nachhaltigen Personalrekrutierung liegen. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor zeichnet gerade für diesen Bereich ein düsteres Szenario: „Gründer, die 2017 ein originär neues Unternehmen starteten, haben knapp 150.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze geschaffen. Die Neugründer wurden dabei aber vom leer gefegten Arbeitsmarkt ausgebremst: Die Hälfte der Neugründer mit Mitarbeitern hatte Probleme bei der Stellenbesetzung – ein beispielloser Rekordwert.“ Die Besetzung ist das Eine. Das Andere ist allerdings, wenn die Leerstelle im Team zwar besetzt ist, jedoch sich die Personalwahl als weniger glücklich herausstellt. Oftmals prallen Gründervorstellungen und Erwartungen neuer Teammitglieder aufeinander – hier heißt es: Keine Scheu davor zu haben, die Probezeit als solche zu nutzen und im Zweifelsfall vorzeitig zu kündigen. Auch Personalführung will gelernt sein, daher macht es Sinn, sich bereits vorab mit dem Instrumentenkasten HR vertraut zu machen und nicht erst dann, wenn die Auftragslage und damit auch das Team wächst.

#7 Eigene Work-Life-Balance missachten

Vom Angestelltenverhältnis in die Eigenorganisation zu springen verlangt vielen Gründern ein enormes Maß an Disziplin und Selbstaufgabe ab. Nicht nur das unternehmerische Risiko lastet auf ihren Schultern, sondern vor allem der eigene Anspruch. 60-Stunden-Wochen können eine Zeit lang von Körper und Geist gemeistert werden, sollten jedoch nicht zur Norm werden. Erste Übermüdungs- und Stresserscheinungen sollten unbedingt ernst genommen werden – denn nichts ist schädlicher für ein junges Unternehmen als der Ausfall des Chefs. Die richtige Work-Life-Balance zu finden und zu wahren ist ebenso wichtig, wie die Erfüllung der unternehmerischen Ziele, die gesteckt wurden. 85 Prozent aller deutschen Gründer sind männlich. Das ist das Ergebnis des KPMG Gründungsmonitors 2018. Gerade Männern fällt es schwer, sich Schwächen einzugestehen und frühzeitig die Bremse zu ziehen. Ein Sparringspartner innerhalb oder – noch besser – außerhalb des eigenen Teams hilft dabei, die Waage wieder zu justieren.