FondsWorauf Anleger bei US-Immobilienfonds achten müssen

Skyline von Las Vegas
Skyline von Las VegasPixabay

Der Bürokoloss „The Gramercy“ im Südwesten von Las Vegas erinnert abends an einen leuchtenden Halbmond. Das Anwesen besteht aus zwei langen, geschwungenen Gebäuden mit hellen Fensterfronten, die zusammen einen Halbkreis bilden. 18 Bürokomplexe und neun Einzelhändler finden dort auf rund 17.400 Quadratmetern Platz. Wer in „The Gramercy“ Räume anmietet, bekommt nicht nur einen Arbeitsplatz im Herzen der Stadt. Er macht zugleich auch deutsche Anleger glücklich: Im September hat das auf US-Immobilien spezialisierte Investmenthaus US Treuhand einen geschlossenen Fonds aufgelegt, mit dem Anleger in den Bürokomplex in Nevada investieren können. Das Versprechen des Anbieters: eine jährliche Rendite von fünf Prozent ab 2019. Im Jahr 2026 will der Eigentümer die Immobilie verkaufen. Dann sollen Anleger zusätzlich eine Sonderausschüttung in Höhe von 128,5 Prozent des investierten Kapitals erhalten.

Solche Renditeversprechen sind bei geschlossenen US-Immobilienfonds keine Seltenheit. Das Geschäft mit US-Immobilien boomt, zeigt unter anderem der aktuelle „Deka Immobilien Monitor“: Während die Mietrendite in München oder Berlin gerade einmal drei Prozent beträgt, liegt sie in den elf wichtigsten Bürostandorten in den USA im Schnitt bei 4,5 Prozent. Die US Treuhand stützt sich bei ihrem Renditeversprechen auf eine Analyse des Immobilienbewerters JLL. Demnach liegt die Ankaufsrendite für sogenannte Class-A-Büroimmobilien, zu denen auch das „Gramercy“ zählt, derzeit bei 6,75 Prozent. „Der US-Immobilienmarkt zeichnet sich durch eine große Heterogenität aus“, sagt Volker Arndt, Leiter des Privatkundengeschäfts bei der US Treuhand. Deshalb ließen sich an vielen Standorten noch immer gute Kaufgelegenheiten finden.

Großes Interesse von Investoren

Hinzu kommt: Die US-Wirtschaft läuft, beflügelt von Präsident Donald Trumps Steuererleichterungen, wie geschmiert. Zwischen Juli und September dieses Jahres wuchs sie um rund 3,5 Prozent. US-Unternehmen expandieren und stellen neue Mitarbeiter ein. Das treibt die Nachfrage nach Büroflächen. Auch bei Wohnimmobilien ist die Nachfrage ungebrochen hoch, zeigt eine Analyse der Deutschen Bank. Das spiegelt sich in den Preisen für Häuser und Wohnungen wider: Im kommenden Jahr dürften sie den Analysten zufolge um 6,8 Prozent und im Jahr 2020 noch einmal um 5,5 Prozent steigen.

Produkte wie der neue Fonds der US Treuhand sehen derzeit einen enormen Zuspruch von Investoren. Das gilt sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatanleger. An dem Fonds „Jamestown 30“ des gleichnamigen Kölner Anbieters beteiligten sich zuletzt rund 10.000 Privatanleger, die dem Fonds insgesamt rund 570 Millionen US-Dollar anvertrauten.

Der „Jamestown 30“ ist als sogenannter Blind Pool konzipiert. Das heißt: In der Zeichnungsphase wissen Anleger nicht, in welche Objekte der Fonds einmal investieren wird. Investoren müssen also buchstäblich blind auf die Kompetenz des Anbieters vertrauen und können die Rentabilität des Investments nicht vorab einschätzen. Immerhin: Der Vorgänger des „Jamestown 30“ bescherte Privatanlegern während seiner dreijährigen Laufzeit eine jährliche Rendite von rund zehn Prozent – fast doppelt so viel, wie der Anbieter in Aussicht gestellt hatte. Inzwischen haben alle Anleger auch ihr Anfangsinvestment komplett zurückbekommen. Jamestown hat den Fonds im September 2017 aufgelöst.

Verbraucherschützer warnen vor Risiken

Geschlossenen US-Immobilienfonds richten sich meist an eine vermögende Klientel. Beteiligungen an Jamestown-Fonds waren in der Vergangenheit ab 10.000 Euro möglich, bei der US Treuhand müssen Anleger mindestens 30.000 Euro auf den Tisch legen. Investoren sollten sich der Risiken bewusst sein, die ein solches Investment mit sich bringt, mahnen Verbraucherschützer immer wieder. Denn eine Kündigung ist bei geschlossenen Immobilienfonds in der Regel nicht möglich, Fondsanteile können allenfalls mit Abschlägen am sogenannten Sekundärmarkt verkauft werden.

Geschlossene US-Immobilienfonds bergen ein weiteres Risiko: Sie werden in der Regel in US-Dollar gehandelt. Wer zu einem niedrigeren Dollar-Kurs einsteigt als verkauft, nimmt zwar Währungsgewinne mit. Wer zum falschen Zeitpunkt einsteigt, verliert aber Geld. Für Anleger empfiehlt es sich deshalb, Ausschüttungen und Rückzahlungen nicht in Euro umzutauschen, sondern sich in US-Dollar auszahlen zu lassen, um das Währungsrisiko zu minimieren.