ImmobilienWohngebäudeversicherung: Vorsicht vor dem Rauswurf

Um das Eigenheim richtig abzusichern, ist es ratsam auf den entsprechenden Versicherungsschutz zu setzen
Um das Eigenheim richtig abzusichern, ist es ratsam auf den entsprechenden Versicherungsschutz zu setzenimago images / Panthermedia

Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel: Entstehen durch solche Ereignisse Schäden an einem Wohnhaus, springt die Wohngebäudeversicherung ein. Das passiert nicht gerade selten. Im vergangenen Jahr regulierten Versicherer in Deutschland nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mehr als 2,1 Mio. solcher Schäden und zahlten insgesamt 5,2 Mrd. Euro an Betroffene.

Experten zufolge ist eine Wohngebäudepolice ein Muss für Immobilienbesitzer. Wenn ein Feuer ausbricht oder ein Sturm das Dach abdeckt, entstehen nämlich rasch Schäden, die so hoch sind, dass der durchschnittliche Hauseigentümer sie nicht selbst tragen kann. Umso unangenehmer ist es, wenn der Versicherer die Wohngebäudeversicherung kündigt. Das kann schneller passieren als gedacht: Viele Anbieter haben in den vergangenen Jahren ihre Bestände bereinigt, wie es im Branchenjargon heißt. Im Klartext bedeutet das: Sie haben Kunden mit zu vielen gemeldeten Schadensfällen rausgeworfen.

Inzwischen hat sich die Lage zwar etwas beruhigt. „Aber das Risiko, gekündigt zu werden, ist immer da“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Faustregel, ab wie vielen gemeldeten Schäden die Kündigung droht, gibt es nicht. Es hänge immer vom Vertrag und von der Art der Schadensmeldungen ab, sagt Weidenbach. Meldet ein Hausbesitzer zum Beispiel binnen kurzer Zeit zwei, drei oder mehr Schäden durch Leitungswasser, gehen viele Versicherer davon aus, dass die Wasserleitungen im Haus marode sind und weitere Lecke drohen. Die Folge: Kündigung.

Laufen Hausbesitzer Gefahr, ihre Gebäudeversicherung zu verlieren, sollten sie als erstes das Gespräch mit ihrem Versicherer suchen, rät die Verbraucherschützerin. „Man kann etwa fragen, ob er den Vertrag mit einer Selbstbeteiligung weiterführen würde“, sagt sie. Unter Umständen sieht der Versicherer auch dann von einer Kündigung ab, wenn man eine höhere Prämie vereinbart.

Selbstkündigung nicht immer möglich

Lässt sich der Versicherer nicht umstimmen, sollten Kunden versuchen, den Vertrag selbst zu beenden. Denn wer gekündigt wurde, hat es schwer, einen neuen Versicherer zu finden. „Eine Kündigung ist für andere Versicherer ein Zeichen dafür, dass über den alten Vertrag viele Schäden abgerechnet wurden“, sagt Weidenbach.

Nicht alle Hauseigentümer haben die Möglichkeit, ihre Gebäudeversicherung selbst zu kündigen. Haben sie eine Hypothek auf ihr Haus aufgenommen und steht die Bank als Gläubiger mit im Grundbuch, muss sie der Kündigung zustimmen – und das tut sie in der Regel nicht, sagt Weidenbach. Ein Ausweg kann sein, den bisherigen Versicherer davon zu überzeugen, den Vertrag zumindest ein weiteres Jahr laufen zu lassen, gegebenenfalls mit Selbstbeteiligung und höherer Prämie. Betroffene können dann ungekündigt einen neuen Anbieter suchen und sich mit dessen Deckungszusage die Kündigungserlaubnis der Bank für den bestehenden Vertrag holen.

Wer eine neue Wohngebäudepolice abschließt, sollte darauf achten, sie mit einer Elementarschadenversicherung zu kombinieren. „Eine reine Gebäudeversicherung genügt heute nicht mehr“, sagt Weidenbach. Sie greift nämlich nicht bei Schäden durch Starkregen, Überschwemmungen, Lawinen oder Erdbeben – Naturereignisse, die durch den Klimawandel auch mitten in Europa immer häufiger zu beobachten sind.

In Einzelfällen kann es geschehen, dass Hausbesitzer mit einer Kündigung im Gepäck überhaupt keine neue Gebäudeversicherung bekommen, warnt die Verbraucherschützerin. Oft komme das allerdings nicht vor. Irgendein Versicherer findet sich in der Regel doch. Es ist allerdings sehr gut möglich, dass der neue Vertrag deutlich teurer ist als der alte. Oder dass einzelne Schäden ausgeschlossen sind und das Haus beispielsweise gegen Feuer und Hagel, nicht aber gegen Leitungswasserschäden versichert ist.