Gedruckte HäuserWie der 3D-Druck den Immobilienmarkt entlastet

Mit 3D-Druck könnten in Zukunft auch Immobilien gedruckt werden
Mit 3D-Druck könnten in Zukunft auch Immobilien gedruckt werdenIMAGO / Michael Gstettenbauer

Im schwäbischen Wallenhausen dürfen bald die ersten Mieter einziehen – in Deutschlands erstes Mehrfamilienhaus aus dem 3D-Drucker. Zweieinhalb Monate lang hat es gedauert, bis der Rohbau des Hauses stand. Der bayrische Bauzulieferer Peri hat ihn Zentimeter um Zentimeter aufgeschichtet: Ein schwerer Druckkopf, der direkt mit dem Drucker verbunden ist, lief dazu von links nach rechts und zurück und druckte so eine Schicht Beton über die andere. Bis aus den einzelnen Schichten Wände wurden und erkennen ließen, was in Wallenhausen gerade entsteht: Ein Wohnhaus mit drei Stockwerken, fünf Wohnungen und 380 Quadratmetern. Es ist das zweite komplett gedruckte Wohnobjekt in Deutschland.

Obwohl das Drucker-Haus ein Pilotprojekt ist, hoffen manche Branchenexperten schon jetzt, dass der 3D-Druck demnächst den angespannten deutschen Immobilienmarkt entlastet. Denn nicht zuletzt die höheren Kosten für Baumaterialien und Handwerker haben die Immobilienpreise zuletzt ordentlich angeheizt.

Einsparpotential um mindestens 25 Prozent

Die Kosten für den Neubau von Wohnimmobilien liegen in diesem Jahr 3,1 Prozent höher als noch im Vorjahr, meldet das Statistische Bundesamt. Durch 3D-Druck könnten sich Einsparpotenziale von mindestens 25 Prozent vor allem bei den Lohnkosten und beim Rohbau ergeben. Das hat eine Studie des Fraunhofer-Informationszentrum für Raum und Bau IRB ermittelt.

3D-Drucker arbeiten mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Sekunde. Für einen Quadratmeter Wand braucht der Drucker der Firma Peri nur fünf Minuten. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Bauten veranschlagen Experten im Schnitt knapp eine halbe Stunde pro Quadratmeter Wand. „Ein 3D-Drucker kann die gesamte Bauzeit reduzieren und damit eben auch die Baukosten“, sagt Niklas Möring vom Bauindustrieverband Nordrhein-Westfalen.

Nicht nur über die Zeit, sondern auch über die Lohnkosten lässt sich durch 3D-Druck sparen. Für die meisten Drucker in der Baubranche braucht es lediglich zwei Personen: Einen, der den Drucker bedient, und einen, der überwacht, ob der Beton richtig fließt. „Das ist nicht unerheblich für die deutsche Baubranche, der seit Jahren der Nachwuchs wegbricht“, sagt Möring.

Aktuell fehlen der deutschen Industrie knapp 65.000 Fachkräfte, hat das Kompetenzzentrum Fachkräfte (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) errechnet. Die meisten davon fehlen in den Bereichen Fertigung, Produktion und am Bau.

3D-Drucker nehmen keinem Maurer den Job weg, betont Möring. „Auch künftig wird der klassische Maurer mit seiner Kelle am Bau nicht wegzudenken sein.“ Drucker sind noch nicht in der Lage, ein Wohnhaus vollständig zu bauen. Bisher liefern sie lediglich das Tragwerk, nicht jedoch das Dach und schon gar nicht Treppen oder Dämmung. „Spätestens hier braucht es dann wieder Maurer, Bauarbeiter und andere Handwerker“, sagt Möring.

Und es gibt noch einen weiteren Haken: „Die 3D-Drucker, die zurzeit auf dem Markt sind, können Häuser nur bis zu einer bestimmten Größe drucken.“ In der Regel ist beim dritten Stockwerk Schluss. Darüber macht die Statik Probleme.

Nordrhein-Westfalens Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) will das ändern. „Stahlbeton ist als Baustoff für herausfordernde Objekte unverzichtbar“, sagt sie. Ihr Ministerium fördert deshalb Forschungsvorhaben an der RWTH Aachen, wo Bauingenieure untersuchen, wie sich Stahl in den 3D-Druck einarbeiten lässt. Gelingt das, könnten 3D-Drucker Gebäudeteile schaffen, die höhere Belastungen aushalten, zum Beispiel Decken oder Träger.

Kaum Anbieter

Es dürfte noch etwas dauern, bis Häuser aus dem 3D-Drucker massentauglich sind. Wer heute Interesse an einem solchen Haus hat, muss erst einmal ein Unternehmen finden, das die Technik überhaupt einsetzt. Während immer mehr Start-ups einzelne Bauteile mit Hilfe eines 3D-Druckers produzieren, ist die Firma Peri nach eigenen Angaben hierzulande bisher der einzige Anbieter, der einen kompletten Rohbau vor Ort drucken lässt.

Zudem lässt sich bis dato der reale wirtschaftliche Nutzen der 3D-Bauweise nur schwer bewerten. Vor allem Fragen, wie teuer gedruckte Immobilien am Markt sein werden und wie langlebig sie sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt weder die Politik noch die Baubranche beantworten. Es fehlen Erfahrungswerte. Selbst Pionier Peri ist in diesem Punkt zurückhaltend. Von dort heißt es auf Anfrage: „Verlässliche Zahlen können wir erst nennen, wenn die Technologie mehrmals und unter verschiedenen Bedingungen zum Einsatz kam.“


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