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Immobilien Gehört dem Haus aus dem 3D-Drucker die Zukunft?

Im nordrhein-westfälischen Beckum steht das erste deutsche Einfamilienhaus aus dem Betondrucker
Im nordrhein-westfälischen Beckum steht das erste deutsche Einfamilienhaus aus dem Betondrucker
© IMAGO / teamwork
Schicht für Schicht druckt der 3D-Drucker Wände aus Betonmörtel. Das beschleunigt den Hausbau – künftig könnten so aber auch Kosten und Material eingespart werden. Doch nicht alles spricht für das Haus aus dem Drucker

Durchschnittlich dauert der Bau eines klassischen Einfamilienhauses neun Monate. Der Hintergrund: Unterschiedlichste Gewerke – vom Maurer bis zum Dachdecker – sind auf der Baustelle eingespannt und müssen koordiniert werden. Die Vielzahl an Baumaterialien, die zum Einsatz kommen, müssen bestellt und geliefert werden. Nach dem Rohbau kommt der Innenausbau, der sich zusätzlich in die Länge ziehen kann, weil gewisse Zeitfenster eingehalten werden müssen, wie etwa für die Zeit, die der Estrich zum Trocknen benötigt. Auch der Ausbau der Außenanlage, ob Auffahrt, Treppeneingang oder Stellplatz, beansprucht Zeit. Störungen der Lieferketten, der massive Fachkräftemangel und die hohe Auslastung bei Handwerksbetrieben können den Hausbau aktuell zusätzlich in die Länge ziehen. Bauherrenfrust bleibt garantiert.

Schneller geht es da mit dem 3D-Drucker: Nach nur wenigen Tagen ist der Rohbau des Hauses fertig. Wie das funktioniert? Die mit Betonmörtel befüllte Maschine druckt die Wände Schicht für Schicht auf eine vorgefertigte Bodenplatte. Gedruckt wird exakt so, wie zuvor vom Architekten geplant. Die Fehlerquote auf der Baustelle wird entsprechend deutlich verringert – was auch dem Zeitplan zugutekommt. Zwar ist die Planung aufwändiger, da auch Details, wie etwa die Schächte für die Wasserleitungen oder die Elektrik, mitgedacht und einberechnet werden müssen. Dennoch soll die Vorarbeit laut Experten nicht länger als bei herkömmlichen Häusern dauern. Entsprechende Softwares – wie etwa der Einsatz von 3D-Brillen – als auch vorgefertigte Musterpläne erleichtern die Planung.

Gedruckt werden können grundsätzlich nur die Wände. Neben der Bodenplatte werden auch die Geschossdecken, das Dach sowie der gesamte Ausbau des Hauses, wie Fenster und Türen, separat eingebaut. Hinsichtlich der Architektur sind alle Formen möglich – abhängig sind diese allerdings von der Art des Druckers. Die Drucker unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Achsen: Verfügt der 3D-Drucker über nur eine Druckachse, dreht sich der Druckkopf immer kreisförmig um diese Achse herum. Häuser, die mit einachsigen 3D-Druckern gebaut werden, sind somit in vielen Fällen kreisförmig.

Der 3D-Drucker baut schneller

Einen größeren Spielraum in puncto Wandverlauf hat der 3D-Drucker, dessen Druckkopf an zwei Achsen befestigt ist. Der Nachteil dieser Druckervariante ist jedoch, dass er sich nur mit deutlich mehr Aufwand aufbauen lässt und somit auch die Kosten treiben kann. Zudem findet eine derartige Konstruktion nicht in jeder Baulücke Platz – eng bebaute Wohnsiedlungen bieten sich für den Druck eines 3D-Hauses eher nicht an. Anbieter bieten Interessenten aber bereits Lösungen: Die einzelnen Wandelemente werden in einer Fabrik gedruckt und auf der Baustelle dann zusammengesetzt.  

Der Kopf des 3D Druckers trägt eine Schicht Beton auf
Der Kopf des 3D Druckers trägt eine Schicht Beton auf
© picture alliance/dpa | Guido Kirchner

Die deutlich verkürzte Bauzeit – laut führender 3D-Druck-Bauunternehmen in den USA und Europa ist der Hausdruck zwei bis dreimal schneller als das herkömmliche Bauverfahren – ist nicht der einzige Vorteil des Hausdrucks. „Die Baustelle ist sicherer, deutlich sauberer und somit auch nachhaltiger“, berichtet Bauunternehmer Georgios Staikos. Da der Hausdruck im Vorfeld exakt geplant wird, ist auch die Menge des Zementmörtels genau berechnet. Überschüssiges Material, das entsorgt werden muss, fällt mit dem 3D-Druck kaum an, erklärt er. Der gelernte Trockenbauer weiß, wovon er spricht. Als Initiator des ersten Betonhauses aus dem 3D-Drucker in Deutschland, das in seiner westfälischen Heimatstadt Beckum steht, hat er den Bauprozess organisiert und mitgemanagt.

Zwar weist Beton eine schlechte Ökobilanz auf: Der Anteil der weltweiten CO2-Emissionen für die Zementherstellung liegt zwischen sechs bis acht Prozent. Doch Staikos hat bereits einen Plan, wie er den Hausdruck trotz der als Klimakiller in Verruf geratenen Druckmasse nachhaltiger machen kann. Gemeinsam mit einem Labor tüftelt er an einer Lösung, um künftig rund 50 Prozent des Betons einzusparen. Auf diese Weise könnte Staikos zudem gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Betonhaus wäre nicht nur nachhaltiger, sondern auch noch günstiger. Infolge von Produktionsverzögerungen und gestörten Lieferketten sind Rohstoffe knapp – das lässt die Preise von Baumaterialien weiter ansteigen. Nach einem historischen Anstieg von durchschnittlich sechs Prozent im Jahr 2021 sind die Preise auch in diesem Jahr weiter hochgeklettert. Experten rechnen mit einer weiteren Preissteigerung von vier Prozent bis Ende 2022.

Gedruckte Häuser sind teurer

Einsparungen beim Material sind somit eine effektive Methode, um auch den Preis für das Betonhaus zu senken. Denn noch liegt der Preis für ein Haus aus dem 3D-Drucker über dem von konventionellen Wohnhäusern. Zum Vergleich: Ein Massivhaus mit einer Fläche von 160 Quadratmeter kostet aktuell durchschnittlich 270.000 bis 360.000 Euro. Die Kosten für das gedruckte Haus in Beckum, ebenfalls 160 Quadratmeter groß, beliefen sich hingegen auf 450.000 Euro. Damit liegt es bei den Kosten mit einem durchschnittlichen Architektenhaus gleichauf. Mit steigender Nachfrage und weiterentwickelter Technik könnten die Preise jedoch sinken.

Unternehmer Staikos prognostiziert: Das Haus aus dem 3D-Drucker wird der neue Trend des Baugewerbes. Anders sieht das Ilona Klein vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Für sie dominieren eher die Nachteile – der teure Beton und seine Ökobilanz, die komplizierte Technik und die Gesamtkosten, die aktuell höher liegen als bei klassischen Wohnhäusern. Staikos dagegen sieht nur einen Nachteil des Hausdrucks: Fachkräfte werden durch den Einsatz des 3D-Druckers ersetzt. Beim aktuellen Fachkräftemangel sei dies aber eher ein Vor- als Nachteil.


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