HauskaufWas das Baukindergeld wirklich bringt

Symbolbild Baukindergeld
Symbolbild Baukindergeld dpa

Wenn die Regierung sich schon mal spendabel zeigt, dann sollte man sich eigentlich darüber freuen. Zum Beispiel darüber, dass es demnächst das Baukindergeld gibt – und zwar bereits rückwirkend zum 1. Januar 2018. Das heißt, dass alle Familien, die in diesem Jahr ein Haus oder eine Eigentumswohnung gekauft haben oder es ab sofort tun, vom Staat bezuschusst werden. Mit immerhin 12.000 Euro pro Kind. Das ist im Prinzip eine gute Nachricht. Denn klagen nicht Marktbeobachter besonders in Großstädten, wie stark die Immobilienpreise gestiegen sind und dass kaum noch ein Normalverdiener diese exorbitanten Wohnungspreise bezahlen könnte? Sie tun es zu Recht. Nun ist aber die Frage, ob das Baukindergeld daran so arg viel ändern wird. Oder ob es nicht die ganze Wohnungsmisere am Ende nur noch schlimmer macht. Wie gut oder wünschenswert ist dieser staatliche Zuschuss für Käufer also? Und was bedeutet er wirklich?

Das Baukindergeld wird zunächst einmal alle Paare mit Kind freuen und Alleinerziehende mit Kindern ebenso. Denn der Zuschuss gilt für jedes Kind unter 18 Jahren, das mit im Haushalt eines Hauskäufers lebt – und das auch in das erworbene Eigenheim mit einzieht. Zumindest, wenn es das erste Wohneigentum ist, dass sich die Familie leistet. Wer bereits ein Haus hat und neu baut oder in ein größeres Heim umzieht, für den gilt das Baukindergeld nämlich nicht. Es will ausdrücklich Erstimmobilienkäufer fördern. Nicht jene, die sich nur noch verändern wollen, weil ihnen eventuell der Platz nicht mehr reicht. Und es will insgesamt die Quote der Eigenheimbesitzer in Deutschland anheben. Hierzulande nämlich leben lediglich 45 Prozent der Bundesbürger in den eigenen vier Wänden. Nirgendwo in Europa sind es so wenige wie hier, außer in der Schweiz und Schweden. Der Hausbesitz aber soll gefördert werden, findet die Bundesregierung und fängt nun bei den Familien an.

Baukindergeld – üppiges Geldgeschenk vom Staat

Grundsätzlich besagen die Baukindergeld-Fördervorschriften: Ein Drei-Personen-Haushalt bekommt 12.000 Euro vom Staat geschenkt, ein Vier-Personen-Haushalt 24.000 Euro. Mit drei Kindern kann man 36.000 Euro einsacken. Vorausgesetzt die Familie kommt auf ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 90.000 Euro – denn die Einkommensgrenze, bis zu der ein Zuschuss gezahlt wird, liegt bei 75.000 Euro plus 15.000 Euro Freibetrag je Kind. Eine vierköpfige Familie darf also maximal 105.000 Euro verdienen, um das Extrageld einzusacken. Was zugegebenermaßen auch nur sehr selten der Fall ist. Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung haben ermittelt, dass 90 Prozent aller Haushalte mit Kindern weniger verdienen als diese Obergrenzen und damit als förderberechtigt gelten.

Soweit klingt das ganz gut, außer dass man bereits hier fragen könnte, wieso der Staat nun eine so breite Masse mit so üppigen Geldgeschenken fördern will. Insgesamt sollen die Ausgaben für das Baukindergeld immerhin rund 4,4 Mrd. Euro langfristig betragen, haben Wirtschaftsforschungsinstitute errechnet. Könnte man also das Geld nicht lieber etwas zielgerichteter jenen zukommen lassen, die es vielleicht nötiger hätten als Haushalte, die ohnehin schon über 90.000 oder 100.000 Euro verfügen? Und haben Letztere das Extrageld für den Hauskauf wirklich nötig? Doch das sind politische Verteilungsfragen.

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Die praktische Verteilungsfrage beim Kinderzuschuss lautet eher: Wie kommt das Geld nun bei den Familien an? Die Summe wird nämlich nicht auf einen Schlag ausbezahlt und zwar zu Anfang des Finanzierungsprozesses. Was aber wiederum günstig wäre, um die Familien von den hohen Kosten und Nebenkosten beim Hauskauf zu entlasten. Denn wer eine Immobilie finanziert, der muss schließlich nicht nur den Hauspreis bezahlen und dafür einen Kredit aufnehmen. Sondern er muss auch die Kosten für Notar, Grundbucheintrag und Grunderwerbsteuer aufbringen, häufig auch noch die Maklercourtage, was in Summe rund 10 Prozent und maximal bis zu 15 Prozent Nebenkosten ausmacht, je nach Bundesland und Steuersätzen. Geld, das die Banken nicht in die Kreditsumme einrechnen. Das sind also rund 30.000 bis 40.000 Euro zusätzlich bei einem Hauspreis von 350.000 Euro. Und maximal 67.000 Euro bei einem Haus für 450.000 Euro, die schon kurz nach dem Kauf beglichen werden müssen. Ließen sich diese Ausgaben durch das Baukindergeld drücken, wäre das für Familien eine enorme Erleichterung.

Der staatliche Zuschuss aber wird zunächst „bloß“ als Eigenkapitalersatz angerechnet. Das heißt, er vergrößert theoretisch das zur Verfügung stehende Eigenkapital und senkt dadurch den Beleihungswert der Immobilie. Das macht bei der Kreditvergabe dann auch den gezahlten Kreditzins um ein paar Zehntelprozentpunkte günstiger. Die Hypothekenzinsen, die fortan gezahlt werden müssen, fallen dadurch um rund 0,25 Prozent niedriger aus, haben Ökonomen ermittelt. Ausgezahlt wird das Geld dann in Häppchen durch die staatliche Förderbank KfW über zehn Jahre. Es gibt also 1200 Euro jährlich pro Kind. Die kann man dann entweder in die Sondertilgung stecken oder damit monatlich die zu zahlende Kreditrate ein klein wenig senken.