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Immobilien Wer von der neuen Wohneigentumsförderung profitieren kann

Viele Familien träumen von einem Eigenheim nach ihren eigenen Vorstellungen. Das bisherige Baukindergeld unterstützte zehntausenden Familien hierbei. Jetzt läuft die Förderung aus – es gibt aber einen Nachfolger
Viele Familien träumen von einem Eigenheim nach ihren eigenen Vorstellungen. Das bisherige Baukindergeld unterstützte zehntausenden Familien hierbei. Jetzt läuft die Förderung aus – es gibt aber einen Nachfolger
© IMAGO/Rene Traut
Das Baukindergeld ist zum Jahresende ausgelaufen. Eine Alternative kommt im Frühjahr 2023. Sie will gezielt Familien mit niedrigem Einkommen unter die Arme greifen

1.200 Euro pro Kind und Jahr über einen Zeitraum von zehn Jahren – das bot das Baukindergeld Familien, die zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. März 2021 entweder eine Baugenehmigung erhalten oder einen Kaufvertrag über eine Immobilie unterzeichnet hatten. Einer Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von maximal 90.000 Euro brutto plus 15.000 Euro pro Kind standen somit über den gesamten Zeitraum gesehen eine Förderung in Höhe von insgesamt 24.000 Euro zu. Bei vier Kindern war der Betrag mit 48.000 Euro gleich doppelt so hoch – und zugleich eine Hausnummer.

Anders als so manche der staatlichen Entlastungen für Familien, wie etwa die Einmalzahlungen während der Coronapandemie, versandeten diese Beträge nicht, sondern halfen Familien tatsächlich auch finanziell weiter. Kein Wunder also, dass seither rund 350.000 Familien die staatlichen Fördermittel über das KfW-Zuschussportal beantragt haben.

Insbesondere Familien mit niedrigem bis mittlerem Einkommen von bis zu 60.000 Euro konnten dank Baukindergeld ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen, das zeigte bereits im vergangenen Jahr eine Studie des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) auf. Trotz des Erfolgs des Baukindergeldes ist damit nun Schluss. Nur noch bis zum 31. Dezember wurden Anträge auf Baukindergeld bearbeitet. Seit dem 1. Januar 2023 stehen keine Fördermittel mehr zur Verfügung.

Das sind trübe Aussichten in Zeiten von massiv steigenden Bauzinsen, Mieten, Nebenkosten und Immobilien- und Verbraucherpreisen. Denn immer mehr Familien, die den Kauf oder Neubau einer Immobilie anstrebten, bleibt dieser Traum ohne finanzielle Unterstützung verwehrt. Stattdessen wohnen sie weiterhin zu Miete. Aktuelle Zahlen belegen das: Das Neugeschäft mit Immobiliendarlehen ist im September 2022 um 28 Prozent eingebrochen. Darüber hinaus stornierten einige Bauherren bereits geplante Projekte. Ein Trend, den Experten mit Sorge beobachten, schließlich ist das Eigenheim eine wichtige Säule der Vermögensbildung sowie der Altersvorsorge.

Fördertopf von 350 Mio. Euro

Die Bundesregierung ist sich dieses Problems bewusst und will dem entgegenwirken. So plant sie ein Nachfolgeprogramm des Baukindergeldes, die sogenannte Wohneigentumsförderung, in deren Genuss Haushalte mit minderjährigen Kindern kommen sollen. Laut Medienberichten sollen die Fördermittel pro Jahr 350 Mio. Euro betragen, an klimafreundliche Baustandards geknüpft sein und ab April 2023 in Form von zinsgünstigen KfW-Krediten zur Verfügung gestellt werden. Konkret geht es um Zinsvergünstigungen von 2 bis 4 Prozentpunkten. Anders als beim Baukindergeld ist die Einkommensgrenze diesmal jedoch deutlich niedriger: Lediglich Familien mit einem Einkommen von 60.000 Euro pro Jahr plus 10.000 Euro je Kind sind antragsberechtigt.

Die vergünstigten Darlehen, deren Höhe bestimmt wird von der Anzahl der Kinder und des Baustandards, können Familien als Eigenkapitalersatz nutzen. Denn tatsächlich ist die Voraussetzung ‚Eigenkapital‘ für viele eine große Hürde auf dem Weg zum Eigenheim. Meist arbeitet mindestens ein Elternteil über mehrere Jahre in Teilzeit und verfügt entsprechend über weniger Einkommen. Größere Rücklagen können sie somit häufig nicht bilden und fehlen den Eltern dann, um Kaufnebenkosten aus eigener Kraft zu stemmen.

Durchschnittlich betragen diese Nebenkosten 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro wären also mindestens 40.000 Euro auf einen Schlag zu zahlen. Für viele Familien ist das eine Nummer zu groß. Auch die Alternative, ein Baudarlehen ohne Eigenkapital aufzunehmen, ist für viele Menschen keine Option. Denn im Gegenzug verlangen Banken als Sicherheit dann deutlich höhere Zinsen, was die finanzielle Belastung von Familien zusätzlich in die Höhe treibt. Fördermittel in Form von vergünstigten Darlehen als Kapitalersatz könnten diese Hürde gezielt abbauen und somit den Weg zum Eigenheim ebnen.

Privatpersonen und Familien, die über ein höheres Einkommen als 60.000 Euro pro Jahr verfügen und neu bauen wollen, sollen ebenfalls nicht leer ausgehen. Auch sie werden vom Staat bedacht. Ab diesem Jahr soll für diese Gruppe ein Fördertopf gefüllt mit 650 Milliarden Euro bereitstehen. Details zu den Anforderungen für diese Fördermittel sind zwar noch nicht bekannt. Was wir aber bereits wissen: Auch sie sollen sich an einem Qualitätssiegel für nachhaltiges Bauen orientieren. Wer also über ein höheres Einkommen verfügt, dafür aber umweltfreundliche Baustoffe wählt, Schadstoffe vermeidet oder etwa barrierefrei baut, erhöht seine Chance auf die Fördermittel.

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