MieterstromWarum Mieterstrom hinter den Erwartungen zurückbleibt

Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach
Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dachimago images / U. J. Alexander

An sonnigen Tagen, zur Mittagszeit, produzieren deutsche Solaranlagen fast genügend Strom, um das gesamte Land mit Elektrizität zu versorgen. Allein auf den Dächern von Privathäusern befinden sich rund 1,7 Mio. Solaranlagen, die im Schnitt knapp neun Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms erzeugen. Geht es nach der Bundesregierung, soll der Anteil weiter steigen. Dafür hat die Politik vor drei Jahren das sogenannte Mieterstromgesetz erlassen. Es soll private Vermieter dazu ermuntern, die Dächer ihrer Häuser mit Solaranlagen zu bestücken und den grünen Strom günstig an die Mieter zu verkaufen.

Fast schon euphorisch versprach die damalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), „mit der Förderung von Mieterstrom die Energiewende in die Städte zu bringen und die Mieter an ihr zu beteiligen.“ Doch die Ergebnisse bleiben weit hinter den Erwartungen zurück, zeigt eine Bestandsaufnahme: Demnach waren im vergangenen Jahr deutschlandweit Mieterstromanlagen mit einer Gesamtleistung von gerade einmal 13,9 Megawatt installiert. Die Fördermittel hätten für 500 Megawatt gereicht – pro Jahr.

Das geringe Interesse an Mieterstrom-Modellen überrascht wenig, denn die bürokratischen und finanziellen Hürden sind hoch. Um eine Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu bekommen, müssten Vermieter gleichzeitig auch alle Pflichten eines Stromversorgers übernehmen. Dazu zählen zum Beispiel die Abrechnung gegenüber den Mietern und die jährliche Meldung beim Netzbetreiber. „Das Modell ist zu bürokratisch und rechnet sich einfach nicht“, kritisiert Thomas Engelke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Dringenden Handlungsbedarf sieht auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW). Vermieter müssen damit rechnen, die branchenübliche Gewerbesteuerbefreiung zu verlieren, wenn sie als Nebengeschäft Strom verkaufen. „Solange die Stromerzeugung vor Ort und der direkte Verbrauch durch die Mieter für die Wohnungsunternehmen den Verlust der Gewerbesteuerbefreiung bedeutet, bleibt die Energiewende in den Städten aus“, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Er fordert, dass der Betrieb von Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern steuerlich genauso behandelt wird wie der von Heizungsanlagen.

Mittlerweile hat sich eine Notlösung etabliert: Externe Dienstleister wie Stromversorger pachten gegen eine Gebühr die Dächer von Mietshäusern. Dort betreiben sie dann selbst eine Photovoltaik-Anlage und kümmern sich sowohl um die Abrechnung als auch um den den Verkauf des überschüssigen Stroms. Doch auch dieses Modell gilt in der Branche als zu kompliziert – und der Gewinn als zu gering, um für Vermieter interessant zu sein. Laut Gesetz darf Mieterstrom maximal 90 Prozent des Standardtarifs des örtlichen Energieversorgers kosten. Weil es aber für die Abrechnung von Mieterstrom teure Messtechnik braucht, lohnt sich das in der Regel kaum.

Dabei bewertet Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), die Mieterstrom-Idee grundsätzlich positiv. „Insbesondere Dachflächen in städtischen Gebieten bieten ein riesiges Potenzial für die Erzeugung erneuerbarer Energie, die wir nicht ungenutzt lassen dürfen“, sagt Mattner. Aus seiner Sicht ist Mieterstrom ein wichtiger Bestandteil der Energiewende.

Mittlerweile hat auch die Bundesregierung die Probleme erkannt und versucht, mit einer Novelle des EEGs nachzubessern. Demnach sollen Mieterstromanlagen ab dem Jahr 2021 stärker finanziell gefördert werden. Der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland erwartet jedoch, dass das Konzept Mieterstrom weiterhin hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. „Für vermietende Privatpersonen wird es nach derzeitigem Stand auch in Zukunft viel zu kompliziert sein, im, auf oder am Haus produzierten Ökostrom den Mietern zur Verfügung zu stellen“, sagt Verbandspräsident Kai Warnecke. Für private Vermieter, die zwei Drittel der Mietwohnungen in Deutschland stellen, brauche es ein deutlich einfacheres Verfahren, damit Mieterstrom rentabel wird.


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden