Immobilien-Kompass Sebastian Krumbiegel über sein Leipzig

Sebastian Krumbiegel
Sebastian Krumbiegel
© Hagen Wolf
Sebastian Krumbiegel ist als Sänger der Prinzen und als Solo­künstler viel unterwegs. Mit Capital sprach er darüber, warum er sich jedes Mal freut, wenn er zurück in Leipzig ist

Sein ganzes Leben hält Sebastian Krumbiegel Leipzig die Treue. Hier wurde der heute 51-Jährige geboren, sang im Thomanerchor, studierte an der Musikhochschule Schlagzeug und Gesang. Anfang der 90er-Jahre gründete er Die Prinzen, eine der erfolgreichsten Bands in Deutschland.

Meine Heimat

Heimat ist für mich ein schwieriger Begriff, weil er heute so negativ oder vielleicht auch nur gestrig besetzt zu sein scheint. Ich fühle mich da zu Hause, wo Leute sind, die ich mag – unabhängig von einem Ort.

Meine erste eigene Wohnung

Die hatte ich 1990 in einem Leipzig, das ganz anders war als heute: grau und schmutzig, verfallen und irgendwie abgerockt. Es war eine kleine Wohnung mit Innentoilette. Von meinem ersten Geld als Musiker habe ich mir damals eine Duschkabine gekauft – das war Luxus!

Mein Wohnstil

Wie es einem Prinzen gebührt, wohne ich im Westflügel eines meiner Schlösser (lacht). Nein, im Ernst, ich wohne in einem Haus, dessen Herzstück ein herrlicher Blüthner-Flügel ist. Das ist auch mein Lieblingsplatz. Ich spiele jeden Tag und singe – um mich zu entertainen.

Meine Stadt

Leipzig ist eine weltoffene, wache und junge Stadt. Das war schon zu DDR-Zeiten so. Rassismus und Antisemitismus haben in Leipzig keine Chance. Wir haben eine blühende Kultur: Gewandhausorchester, Thomanerchor, Oper und Schauspielhaus, aber eben auch eine großartige Subkulturszene mit finsteren Kellern und herrlichen Abgründen. Auch die bildende Kunst, die Neue Leipziger Schule, prägt die Stadt.

Meine Lieblingsorte

Leipzig ist wunderbar mit dem Fahrrad zu erkunden. Wir leben in einer extrem grünen Stadt, und auch das Umland ist landschaftlich sehr attraktiv. All die alten Braunkohletagebau-Löcher haben sich in eine Seenlandschaft verwandelt.

Mein Gastro-Tipp

Das alternative Connewitz ist voll mit Kneipen. Aber auch Plagwitz ist sehr attraktiv geworden. Es entstehen immer noch mehr oder weniger legale Kneipen und Clubs – das belebt das Nachtleben. Zudem gibt es viele herrliche Livemusik-Clubs, wie das Conne Island, das Werk 2, das UT Connewitz oder die naTo. Einer meiner Lieblingsläden ist eine kleine Kellerkneipe im Haus der Demokratie: Ilses Erika – hier spielten schon Bands, die man in einem so kleinen Wohnzimmerclub nicht erwarten würde.

Was müsste sich ändern?

Ich bin kein Mecker-Heini. Für mich ist Leipzig die lebenswerteste Stadt, die ich kenne. Ein herrlicher Mix aus sich selbst überschätzender Großstadt und charmanter Provinz.

In dieser Reihe erzählen Wladimir Kaminer und Udo Walz (beide Berlin), Wolfgang Niedecken (Köln), Sönke Wortmann (Düsseldorf), Andreas Rieke alias AndYpsilon (Stuttgart) Hans Rudolf Wöhrl (Nürnberg), Charles Schumann (München), Corny Littmann und Lotto King Karl (Hamburg) sowie Tobias Rehberger und Friedrich von Metzler (Frankfurt) was sie mit ihrer Stadt verbindet.


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