Elektromobilität Zweite Chance für Wasserstoff-Aktien

Messestand GP Joule, Präsentation eines Modells für die Technologie mit grünem Wasserstoff
Messestand von GP Joule: Auch auf der Hannover Messe ist Wasserstoff ein wichtiges Thema
© IMAGO / Rüdiger Wölk
In den vergangenen Jahren schien es, als hätten batteriebetriebene Elektroautos das Rennen gemacht. Doch nun meldet sich Wasserstoff als Antriebstechnologie zurück – eine Neugründung unterstreicht das. Wie Anleger einsteigen können.

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft – nicht nur in der Industrie, auch im Wärmesektor und im Verkehr. Zwar hinkt der Wasserstoffantrieb batterie-elektrischen beim Wirkungsgrad noch hinterher. Ein Wasserstoffauto verbraucht zwei- bis dreimal mehr Strom als ein Batterie-Auto. Doch Wasserstoff bietet auch zahlreiche Vorteile: Solange er aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, sorgt er für eine bessere Klimabilanz, höhere Reichweite und schnellere „Ladegeschwindigkeit“ bei Fahrzeugen – das Betanken eines Wasserstoffautos dauert gerade einmal drei bis fünf Minuten.

Auch der fränkische Autozulieferer Schaeffler und die französische Michelin-Tochter Symbio setzen auf die Vorteile von Wasserstoff-Fahrzeugen. Wie diese Woche bekannt wurde, gründen die beiden ein Joint Venture für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Unter dem Namen „Innoplate“ wird das neue Unternehmen Bipolarplatten herstellen – einen essenziellen Bestandteil von Brennstoffzellen. Solche Platten verbinden die elektrischen Pole, sodass Wasserstoff und Sauerstoff reagieren und dadurch Strom erzeugen, der den Elektromotor antreibt.

Die beiden Firmen wollen gemeinsam rund 100 Mio. Euro in Innoplate investieren, bis das neue Unternehmen dann voraussichtlich 2024 an den Start geht. Zunächst soll Innoplate vier Millionen Platten jährlich produzieren – das entspricht einer Ausstattung von rund 15.000 Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Bis 2030 soll sich die Produktion um mehr als das Zehnfache erhöhen, auf gut 50 Millionen Bipolarplatten pro Jahr.

„Die Firmen aus der Branche stehen sehr gut da“

„Das geplante Joint Venture zeigt deutlich auf, dass Wasserstoff in allen Prozessen eine wichtige Rolle spielen wird“, sagt Thomas Engelmann, Head of Energy Transition beim Investment- und Asset-Manager KGAL Invest. Dieser Auffassung ist auch Sven Jösting, Geldanlage-Coach und Herausgeber des Wasserstoff-Börsenportals Boerse-n: „Die Branche erlebt gerade einen wahnsinnigen Hochlauf.“ Und das nicht zum ersten Mal: Von 2019 bis Anfang 2021 habe es bereits einen „absoluten Run“ auf die Branche gegeben. Damals, sagt Jösting, kam das indes zu früh: „Die Kapazitäten waren noch gar nicht ausgebaut.“ Nun scheint die richtige Zeit gekommen – bald wird es Wasserstoff in immer größeren Mengen und auch immer günstiger geben. Jöstings Einschätzung nach wird sich Wasserstoff als Energieträger unter anderem auf Langstrecken durchsetzen.

Insgesamt bewertet er das Segment Wasserstoff-Aktien als aussichtsreich: „Die Firmen aus der Branche stehen sehr gut da.“ Als Beispiel führt der Experte Ballard Power an, einen kanadischen Brennstoffzellenhersteller. Bislang wurde die kanadische Technik hauptsächlich bei Pilotprojekten und Praxistests eingesetzt. „Nun kann die Großserie starten”, erklärt der Experte. Die Umsätze sind allerdings noch dementsprechend gering: 2021 erzielte Ballard Power einen Gesamtumsatz von 105 Mio. Dollar, verglichen mit 104 Millionen ein Jahr zuvor.

Ballard Powers Kurschart entspricht genau jenem Bild, das Jösting beschreibt: Ein gigantischer Run trieb den Aktienkurs zwischen Anfang 2019 und 2021 um sagenhafte 1000 Prozent in die Höhe. Danach kam der Absturz: Auf Ein-Jahres-Sicht hat die Aktie rund die Hälfte ihres Werts verloren. Allerdings ging es seit Montag wieder um fünf Prozent bergauf, die Aktie notiert heute bei rund 7 Euro. Grund dafür war die Ankündigung von US-Präsident Joe Biden, die heimische Produktion grüner Energien stärker zu fördern. Von dieser grünen Offensive profitiert auch US-Brennstoffzellenkonkurrent Plug Power: Nach einem monatelangen Abwärtstrend legte der Kurs seit Wochenstart um 3,75 Prozent zu. Ein Anteilsschein kostet aktuell 16,80 Euro.

Börsenexperten warnen allerdings auch: Auf einem jungen Markt, der sich derart dynamisch entwickelt, können die Kurse von Einzeltiteln besonders volatil sein. Auch ist unklar, wie sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter verändern. „Welche Aktie mit Technologierisiko in der Zukunft das Rennen macht und sich nachhaltig durchsetzen wird, bleibt abzuwarten“, sagt Engelmann.

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