Kolumne Zinsen und Inflation rocken 2022 den Markt

Frankfurter Börse
Frankfurter Börse
© Rainer Unkel / IMAGO
Bei den Trefferrekorden der Suchmaschinen könnte man 2022 zwei Begriffe ganz vorne finden: Zinsen und Inflation. Für Anleger hat dies direkte Auswirkungen

Zins und Inflation bestimmen die Musik am Aktienmarkt und in Ihrem Depot 2022. Nicht nur als Basis, sondern auch gespielt über die unterschiedlichen Äußerungen von Notenbankern und den Chancen, die sich gerade für aktive Anleger daraus ergeben. Viel Volatilität am Markt bedeutet auch, dass man sich mit guten Produkten gut positionieren kann. Wenn man Geduld und das nötige Wissen mitbringt.

Denn eines darf man nicht vergessen: Das zurückliegende Jahr war am Aktienmarkt ruhig wie ein Winterspaziergang bei Sonnenschein. Das wird nicht so bleiben. Ein Aktienjahr wie 2021 muss man lange suchen. Der Leitindex S&P 500 legte fast an der Schnur gezogen von 3800 auf 4700 Zähler zu. In Deutschland war der Dax längst nicht so erfolgreich, doch per Saldo steht eine Bewegung von 13.500 auf in der Spitze gut 16.000 Punkte. Verrückt ist aber nicht die Leistung an sich, sondern die Tatsache, dass dies ohne nennenswerte Korrekturen über das gesamte Jahr hinweg ablief.

Die Inflation und der Zins bringen noch eine Erkenntnis mit: Je länger der Dax zwischen 15.000 und 16.000 Punkten seitwärts läuft – was er seit Frühjahr 2021 tut – desto besser. Denn pro Jahr gehen rund 1000 Punkte im Dax gedanklich auf den Mix aus Dividenden von rund drei Prozent und vier Prozent Inflation. Heißt – rund 400 plus 600 Zähler jährlich müssen allein anfallen, um Dividenden und Werterhalt des Geldes zu kompensieren. 17.000 Zähler am Jahresende wäre Pflicht. Theoretisch zumindest. Aber geht das so einfach wie 2021?

„Die goldene Regel 2021 lautete ‚buy the dip‘, also jeden noch so kleinen Kursrückschlag zügig zu kaufen. Diese Strategie funktionierte bestens und sie fing Aktienmärkte in Korrekturen zeitnah wieder auf“, erläutert Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker Robomarkets. Schön und gut. Doch für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts und 2022 darf man sich auf mehr Schwankungen, stärkere Rückschläge bei Dax und S&P 500 sowie mehr unruhige Tage einstellen.

Es ist Zeit, die Sinne ein bisschen dafür zu schärfen, dass vor allem die US-Notenbank ihre Geldpolitik verändern wird und dies nicht ohne volatile Schwankungen vonstatten gehen dürfte. „Die ersten Zinserhöhungen sind in der Regel gut für Aktienmärkte“, argumentiert Gil Shapira vom Broker Etoro mit den Erfahrungen der Vergangenheit. Und in der Tat signalisieren Zinsschritte erst einmal eine Position der Stärke. 2022 kommen die US-Wirtschaft und alle anderen Volkswirtschaften voraussichtlich aber aus der Corona-Pandemie heraus und dies wird Verwerfungen mit sich bringen, die sicher nicht zu 100 Prozent vorherzusagen sind. Arbeitsmarkt, Konsum, Arbeitswelt, Lieferketten, Warenangebot – all dies wird sich nochmals verändern und die Fed muss aufpassen, die Balance in der doppelten Übergangsphase zu halten.

„Nur wenn die US-Notenbank plötzlich massiv umsteuern sollte auf Inflationsbekämpfung, ändert sich die per se positive Aussicht für die Aktien im Jahr 2022“, äußert sich Stefan Riße Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und Buchautor von „Die Inflation kommt“ entspannt. Die Investmentbank Goldman Sachs korrigierte allerdings jüngst die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in den USA für das erste Quartal während bei der Inflation vielfach noch oben bleiben wird. Wenig Wachstum bei hoher Inflation wäre eine Denksportaufgabe für Börsianer, die nicht unbedingt Spaß bringen muss.

Aber wie schon gesagt – Inflation und Zinsen sind die Kernpunkte 2022, die Chancen und Risiken mitbringen.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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