AktieWirecard - unter Börsianern längst eine Legende

Wirecard: Anleger brauchen starke Nerven
Wirecard: Anleger brauchen starke Nerven dpa

Wirecard hat im Dax ungefähr eine Gewichtung von 1,5 Prozent. Würde man die Aufmerksamkeit messen, die den Münchenern in den letzten Jahren zuteil wurde, käme man deutlich über die zehn Prozent, die eine Aktie maximal an Gewicht in den Index bringen darf. Die Aktie ist in aller Munde und den schönsten Vergleich brachte in dieser Woche Capital-Kollege Christian Kirchner bei Twitter.

Unser Wirecard-Moment ist zwei Jahre jünger. 1991 kassierte der 1.FC Kaiserslautern in der Nachspielzeit gegen Barcelona das entscheidende 3:1 und verpasste die Sensation im Europapokal der Landesmeister hauchdünn. Spiele, die eine Generation prägten.

Aber zurück zu Wirecard: Die Aktie hat den Aufstieg in die erste Börsenliga geschafft und dürfte dem Dax noch einige Zeit erhalten bleiben. Die jüngsten Kursturbulenzen nach einem Bericht der „Financial Times“ waren nur von kurzer Dauer. Für Sekunden notierte die Aktie unter 100 Euro, mittlerweile wieder rund 30 Prozent höher.

Wirecard räumt Zweifel aus

Die jüngste Einbruch war auf Recherchen der „Financial Times“ zurückzuführen. Die Zeitung positionierte sich deutlich gegen Wirecard. Demnach sollen Tochterfirmen in Hongkong und Singapur ihre Umsätze mittels fingierter Verträge geschönt haben. Rund 37 Mio. US-Dollar an verdächtigen Transaktionen sollen dabei aufgelaufen sein.

Die Wirecard-Aktie erholte sich am Montag deutlich. Sowohl eine interne Überprüfung, als auch eine unabhängige Untersuchung der Anwaltskanzlei Rajah & Tann habe kein strafbares Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern der Niederlassung in Singapur gefunden. Unternehmenschef Markus Braun konnte die Aktionäre am Montag in einer Telefonkonferenz beruhigen. Laut Braun liegt alles auf dem Tisch, er rechnet nicht mit weiteren Enthüllungen.

Wirecard Aktie

Wirecard Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Wirecard gehört zu den meistgehandelten Aktien auf Handelsplattformen wie Etoro oder Gettex und ist gleichzeitig bei der Volatilität ganz oben. Wer auf das Unternehmen setzen möchte, setzt bei Hebelprodukten den Hebel daher niedrig, beispielsweise mit dem Turbo WKN MF5J60 von Morgan Stanley (Hebel 4). Anleger nutzen die hohe Volatilität bei Seitwärtsprodukten wie dem Capped-Bonus PZ49W8 der BNP Paribas oder CP4NS6 der Citi. Wer Discounter bevorzugt, greift zur WKN DC07BK.

Wachstumsmarkt „Mobile Payment“

Wirecard profitiert stark vom Trend zum mobilen Bezahlen. Ob mit kontaktlosen Kreditkarten oder Apple Pay – der Anteil wächst in Deutschland stark. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Finanzdienstleister einen Umsatz von 2,1 Mrd. Euro. Der Gewinn lag bei 568 Mio. Euro. Für das laufende Jahr hat Vorstandschef Braun einen kräftigen Sprung beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 740 bis 800 Mio. Euro in Aussicht gestellt

In den vergangenen elf Jahren hat es wiederholt Vorwürfe gegen Wirecard gegeben, allerdings ist dem Konzern nie ein Fehlverhalten nachgewiesen worden. Dennoch reagierten die Aktionäre zuletzt sehr sensibel. 2016 hatte eine Studie von Zatarra Research dem Zahlungsabwickler Geldwäsche, sowie Betrug der US-Kreditkartenfirma Mastercard und Visa vorgeworfen. Gegen den Herausgeber einer unter dem Firmennamen Zatarra veröffentlichten Publikation ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig.

Den ersten Angriff auf Wirecard hatte es im Sommer 2008 gegeben, als die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und ihr damaliger Vizechef Markus Straub Wirecard falsche beziehungsweise irreführende Bilanzierung vorgeworfen hatten. Später war bekannt geworden, dass Mitglieder der SdK auf fallende Kurse bei Wirecard gesetzt hatten.

Nach den neuen Vorwürfen haben die Investoren panikartig verkauft und stellen erst später Fragen. Wer einen kühlen Kopf bewahrt, kann nun den über einen vergünstigten Einstieg bei Wirecard nachdenken.