LeserfrageWie sicher sind Aktienanleihen?

Münzstapel
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Nein. Aktienanleihen sind Zertifikate und damit Finanzwetten. Mit einer Aktienanleihe erhält ein Investor eine fixe Zinszahlung, muss aber die Kursrisiken der zugrunde liegenden Aktie tragen – und das bis hin zum Totalverlust.

Wie eine Aktienanleihe im Detail funktioniert, zeigt das Beispiel eines Papieres, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Ende Oktober herausgegeben hat. Die zugrunde liegende Aktie, der sogenannte Basiswert, ist das Papier des Chemiekonzerns BASF.

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Anleger können die Aktienanleihe zu 1000 Euro je Stück zeichnen und erhalten in jedem Fall zwei Zinszahlungen von 4,5 Prozent, bis das Papier im Oktober 2019 ausläuft. Ob ein Investor auch die 1000 Euro Anlagebetrag wiederbekommt, ist dagegen unsicher.

Entscheidend dafür ist, ob die BASF-Aktie, die Anfang November gut 96 Euro kostete, am Ende der Laufzeit unter den sogenannten Basispreis von 86 Euro gerutscht ist. In diesem Fall erhält der Anleger nicht die 1000 Euro, sondern BASF-Aktien.

Bedeutet: Notiert die BASF-Aktie in zwei Jahren zehn Prozent niedriger als Anfang November, macht ein Anleger mit der Aktienanleihe Verlust. Die zehn Prozent klingen nach einem unüblich starken Kurssturz, sind aber typisch für den Chemiekonzern. Seit 2007 verlor dessen Aktie in fünf Fällen mehr als zehn Prozent, nachdem sie zuvor jeweils ein Rekordhoch markiert hatte.

Doppeltes Insolvenzrisiko

Aktienanleihen haben also ein starkes Ungleichgewicht: Ein Anleger akzeptiert die hohen Risiken einer Aktienanlage; sollte BASF insolvent gehen (was unwahrscheinlich ist) und die Aktie auf null Euro fallen, erleidet er einen Totalverlust. Gleichzeitig ist die Rendite auf die Zinszahlungen beschränkt, ein Sparer kann nicht von Kurssteigerungen der Aktie profitieren. Hält ein Anleger also BASF für einen zukunftsträchtigen Konzern, ist es besser, gleich die Aktie zu kaufen.

Aktienanleihen lohnen daher nur für Investoren, die mittelfristig an einen stagnierenden Kurs glauben, aber dennoch eine recht hohe Rendite in Form der Zinsen erzielen möchten. Die Frage ist nur, wer vorhersagen kann, dass die BASF-Aktie in zwei Jahren immer noch oder wieder bei ungefähr 96 Euro steht.


9,9 Mrd. Euro beträgt das Volumen des hiesigen Aktienanleihemarktes. Gegenüber 2007 stieg die Zahl um 1050 Prozent. Damals lag das Volumen bei 860 Mio. Euro.


Zertifikate wie Aktienanleihen unterscheiden sich in einem weiteren Punkt von Aktien und Anleihen: durch das Emittentenrisiko. Anleger werden nicht Eigner oder Gläubiger von BASF, sondern machen ein Geschäft mit einer Bank wie der LBBW, die solche Produkte herausgibt. Investoren unterliegen daher gleich zweimal dem Insolvenzrisiko.

Läuft es bei BASF blendend, geht aber das Geldhaus pleite, droht ebenfalls der Totalverlust. Das passierte Sparern während der Finanzkrise. Sie hatten Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers gezeichnet, die insolvent ging. Das sollte eine Mahnung sein.