Tourismus Wie Reiseportalaktien das Depot beflügeln

Der US-Konzern Booking Holdings ist mit einem Marktanteil von weit über 50 Prozent Marktführer bei den Reiseplattformen
Der US-Konzern Booking Holdings ist mit einem Marktanteil von weit über 50 Prozent Marktführer bei den Reiseplattformen
© IMAGO / Rüdiger Wölk
Immer mehr Menschen wollen nach Jahren der Pandemie in den Urlaub reisen. Online-Reiseplattformen profitieren besonders vom Fernweh. Mit welchen Titeln Anleger mitverdienen können

Es ist Sommeranfang und die Corona-Pandemie scheint zumindest vorübergehend vergessen. Kein Wunder, dass die Reiselust der Deutschen so groß ist wie lange nicht mehr. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK zufolge wollen fast 70 Prozent der Befragten in diesem Sommer auf jeden Fall wieder in den Urlaub fahren.

Gleichzeitig berichten Reiseunternehmen schon jetzt von deutlich mehr Buchungen. „Der Buchungseingang ist für die gesamte Zeit seit den Osterferien bis in den Herbst gut, und wir übertreffen in begehrten Zielgebieten die Vor-Corona-Zahlen von 2019“, sagt etwa Ralph Schiller, Geschäftsführer des deutschen Reisekonzerns FTI Group.

Neben den klassischen Reiseveranstaltern profitieren insbesondere Online-Reiseportale von der wiedergewonnenen Reiselust. Sie sind bei immer mehr Urlaubern die erste Wahl. Schließlich sind die Buchungsportale besonders bequem: Sie haben ein breites Angebot, machen es Nutzern leicht, Preise zu vergleichen und übernehmen den Bezahlprozess. Wie die Corona-Pandemie gezeigt hat, ist die Tourismusbranche allerdings nicht immer ein Selbstläufer. Anleger sollten sich also der Risiken bewusst sein, bevor sie bei Reiseportal-Aktien zuschlagen – sei es ein neuerlicher Lockdown oder eine weitere militärische Eskalation durch Russland. 

Booking.com hat einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent

Wer im Internet nach einer Reise sucht, landet vermutlich auf der Seite Booking.com. Der US-Konzern Booking Holdings ist mit einem Marktanteil von weit über 50 Prozent Marktführer bei den Reiseplattformen. Rund ein Drittel aller Deutschen hat laut der Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) in den Jahren 2019 und 2020 über Booking.com einen Urlaub gebucht.

Neben Booking.com versammelt die Holding weitere Reiseportale wie Priceline, Kayak oder Agoda sowie den Autovermieter Rentalcars oder den Restaurant-Buchungsdienst Open Table unter ihrem Dach. Das Geschäftsmodell funktioniert offenbar. Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte Booking seinen Umsatz von 1,14 Mrd. auf 2,7 Mrd. Dollar im Jahresvergleich und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die mit lediglich 2,53 Mrd. Dollar gerechnet hatten.

Mit ähnlich weitreichenden Verstrickungen versucht auch das US-Unternehmen Expedia möglichst viele Kunden zu locken. Zu Expedia gehören Webseiten wie Hotels.com, Travelocity, Traveldoo, CarRentals.com und die Hotel-Suchplattform Trivago, an der Expedia mehrheitlich beteiligt ist. Expedia erholt sich rasant von den Folgen der Pandemie. Seinen Umsatz konnte das Reiseportal um mehr als 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Zwar bleibt unterm Strich ein Verlust von 122 Mio. Dollar. Das ist allerdings bereits weitaus weniger als der Vorjahresverlust von 606 Mio. Dollar. Mit Jahresbeginn brachen die Aktien von Expedia im andauernden Bärenmarkt um rund 30 Prozent ein. Analysten der Schweizer Bank Credit Suisse empfehlen den Kauf der Aktie mit einem Kursziel von 225 Dollar – aus den genannten Gründen.  

Airbnb macht Konkurrenz

Die größte Konkurrenz für Reiseportale kommt vonseiten privater Unterkunftsvermittler wie etwa Airbnb. Der Apartment-Vermittler profitiert vom anhaltenden Home-Office-Trend und konnte dadurch seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal um 70 Prozent steigern. „Zum ersten Mal können Millionen Menschen überall wohnen“, twitterte der Mitbegründer Brian Chesky. Das sei eine Folge des Arbeitens von zu Hause aus. 

Auch wenn die Zeichen derzeit gut stehen, haben die vergangenen Jahre gezeigt: Die Reisebranche ist besonders abhängig von politischen Entscheidungen. Das betrifft Reiseplattformen wie Wohnungsvermittler gleichermaßen. Noch ist die Corona-Pandemie nicht vorbei und sie könnte im Herbst dieses Jahres neuerlich an Fahrt aufnehmen. Außerdem sind geopolitische Konflikte wie der Krieg in der Ukraine ein Risiko, meint Antje Monshausen, Referentin für Tourismus und Entwicklung bei Brot für die Welt: „Ob politische Unruhen, Tsunami-Katastrophen oder Waldbrände ‒ der Tourismus ist insgesamt ein sehr krisenanfälliges Geschäft“, sagt sie in einem Interview für die Hilfsorganisation. 

Reiseportal-Aktien können sich also vor allem im laufenden Jahr äußerst positiv entwickeln. Dennoch sind sie langfristig davon abhängig, dass die politische Stimmung gut und stabil bleibt. Mutige Anleger sollten daher selektiv vorgehen und auf aussichtsreiche Einzelwerte setzen.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel