LNG-Aktien Wie Anleger vom Trend zum Flüssiggas profitieren können

LNG-Tanker vor den Kanarischen Inseln
LNG-Tanker vor den Kanarischen Inseln
© IMAGO / imagebroker
Statt russischem Erdgas kaufen immer mehr Staaten verflüssigtes Gas (LNG) aus anderen Teilen der Welt. Anleger können jetzt auf den fahrenden Zug aufspringen und hohe Gewinne einfahren. Ein Restrisiko bleibt aber, denn flüssiges Erdgas ist klimaschädlich

Die Abhängigkeit ist groß und angesichts Wladimir Putins Krieg gegen die Ukraine zunehmend unerwünscht. Etwa 45 Prozent der europäischen Gasimporte stammten vergangenes Jahr aus Russland. Und auch Deutschland bezog 2021 fast die Hälfte seiner Erdgasimporte von dort. Aktuell suchen Deutschland und die EU neue Wege, um möglichst rasch unabhängig von fossiler Energie aus Russland zu werden. So hat die EU angekündigt, noch im laufenden Jahr zwei Drittel weniger aus Russland importieren zu wollen als geplant.

Neben erneuerbaren Energien soll vor allem Flüssiggas (Abkürzung LNG für englisch: liquified natural gas) das russische Erdgas ersetzen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will insgesamt 1,5 Mrd. Euro im laufenden Jahr ausgeben, um damit LNG einzukaufen. Unternehmen aus der Branche wie die griechische LNG-Reederei Gaslog oder der deutsche Stromkonzern RWE könnten vom wachsenden LNG-Geschäft profitieren. Für Investoren bietet sich jetzt die Chance, frühzeitig einzusteigen, zumal bei vielen Unternehmen der Branche in diesem Jahr Gewinne in Milliardenhöhe winken. Allerdings sollten Anleger langfristige Klimabedenken bei LNG-Aktien nicht vernachlässigen.

Gefragt ist flüssiges Erdgas nicht erst seit der Ukraine-Krise. Anfang des Jahres hatte die EU beschlossen, dass Erdgas gemeinsam mit Atomenergie den Übergang zu einer klimaneutralen Energieversorgung ermöglichen soll. Einigen Experten gilt LNG unter den fossilen Brennstoffen als nachhaltigste Energiequelle. Wenn es verbrennt, verursacht Erdgas in etwa halb so viele CO2-Emissionen wie zum Beispiel Braunkohle. Wird es verflüssigt, ist es darüber hinaus praktisch zu transportieren: Anders als klassisches Erdgas wird LNG auf etwa minus 162 Grad tiefgekühlt, per Schiff transportiert, im Zielhafen wieder erwärmt und in die Netze eingespeist. Eine Pipeline wie Nord Stream braucht es also nicht.

LNG dürfte nur eine Zwischenlösung sein

Noch ist der Weltmarkt für LNG überschaubar. Die größten LNG-Exporteure sind die USA, Katar und Australien. Morningstar-Aktienanalyst Stephen Ellis erwartet, dass insbesondere der US-amerikanische Markt in der jetzigen Situation wichtiger wird. „Wir halten das für realistisch, weil es sich um eine Hauptbezugsquelle handelt, die relativ schnell reagieren und globale Ströme umlenken kann, um die Nachfrage zu decken“, sagt Ellis. Für Anleger könnte sich eine Investition in US-amerikanische Unternehmen auszahlen, die am LNG-Geschäft partizipieren. Eine Option ist etwa der derzeit weltgrößte LNG-Exporteuer Cheniere Energy. Der texanische Produzent dürfte in diesem Jahr einen Mehrgewinn von bis zu 1,8 Mrd. US-Dollar einfahren, meint Aktienanalyst Ellis.

Wer nicht auf die großen LNG-Produzenten setzen möchte, kann auch über Reedereien am Flüssiggas-Boom partizipieren. In Griechenland sind viele dieser Reedereien ansässig, die sich schon früh auf LNG-Tankschiffe spezialisiert haben und den Seetransport übernehmen. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Reedereien Gaslog oder Dynagas. Für etwas risikoscheue Anleger bieten sich auch breitere LNG-Investments wie etwa in Energieversorger an, die LNG aufkaufen und weiter vertreiben. Eine Option hierfür ist der deutsche Energieversorger RWE, der außerdem zu zehn Prozent am geplanten LNG-Terminal in Brunsbüttel beteiligt ist. Oder der italienische Mineralölkonzern Enel, der ebenfalls zwei Flüssiggas-Terminals in der Pipeline hat.

Bei den Gewinnaussichten sollten Anleger allerdings eines nicht vergessen: LNG ist aller Voraussicht nach kein langfristiger Trend, sondern bloß eine Zwischenlösung. Denn auch Gaskraftwerke stoßen erhebliche Mengen an Klimagasen aus. So entsteht etwa bei der Gewinnung von LNG jede Menga Methan – welches laut Klimaexperten einen stärkeren Treibhauseffekt hat als CO2. „Wir sollten weg von fossilem Gas kommen und vermeiden, dass seine Nutzung durch den Bau neuer Gaskraftwerke gesteigert wird“, forderten mehr als 100 Europaabgeordnete vor wenigen Tagen in einem offenen Brief an die EU-Kommission. Mit einem gewissen Risiko sollten Investoren also leben können.


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