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Berkshire Hathaway Warum lässt Warren Buffett TSMC fallen?

Warren Buffett
Warren Buffett hat seine Anteile am Chiphersteller TSMC zum größten Teil wieder verkauft
© picture alliance / zz/Dennis Van Tine/STAR MAX/IPx
Investmentlegende Warren Buffett zieht sich nach nur wenigen Monaten beim weltgrößten Chip-Auftragsfertiger zurück. Das dürfte auch politische Gründe haben 

Das schafft wohl nur Warren Buffett: Dem Anlage-Guru ist es gelungen, gegen seine eigenen Regeln zu verstoßen und sie gleichzeitig zu bestätigen. Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway gab am Dienstag bekannt, dass sie sich von einem Großteil ihrer Anteile am taiwanesischen Halbleiter-Hersteller TSMC getrennt hat. Anteile, die das Unternehmen überhaupt erst im November vergangenen Jahres erworben hatte – in einem Wert von satten 4,1 Mrd. Dollar. Das ist der Regel-Verstoß: Normalerweise kauft Buffett, um länger zu halten. Es gibt sogar den berühmten Hinweis von ihm, wer nicht bereit sei, eine Aktie für zehn Jahre zu besitzen, solle auch darauf verzichten, sie nur für zehn Minuten zu kaufen. 

Zugleich aber ist der TSMC-Verkauf auch wieder ein typischer Buffett: Die Investment-Legende hat eine bekannte Scheu gegenüber Tech-Werten und setzt seit langem lieber auf traditionsreiche US-amerikanische Unternehmen – wie Chevron, Coca-Cola oder Kraft Heinz. Der Einstieg bei TSMC vor einigen Monaten hatte daher viele Analysten sogar eher überrascht – einige hatten sich noch bis vor wenigen Tagen mit Deutungsversuchen herumgeschlagen. 

Größter Auftragsfertiger der Welt

Insgesamt hat Berkshire Hathaway rund 86 Prozent seiner Anteile abgestoßen, ein Schritt, der die TSMC-Aktie am Mittwoch auf Talfahrt schickte. Und natürlich fragen sich nun viele Beobachter, ob Buffett etwas weiß, was sie nicht wissen. TSMC, die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, gilt eigentlich als eine Art Goldstandard der Chipbranche. Als größter Auftragsfertiger der Welt arbeitet der Konzern für Apple, AMD, Nvidia oder Sony. Er erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 76 Mrd. Dollar und lag beim Gewinn fast 60 Prozent über Vorjahr.  

Ohnehin schwamm die Halbleiterbranche im Geld, seit die Nachfrage nach Elektronikprodukten in der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegen war und auch die Autoindustrie händeringend nach Chips verlangte. 

Genau hierin allerdings dürfte auch schon eine Antwort auf die Frage liegen, warum sich Buffett ausgerechnet jetzt verabschiedet: Der eklatante Mangel an Halbleitern hat dazu geführt, dass fieberhaft Investitionen in neue Werke und Fertigungslinien angeschoben wurden. In Europa und vor allem den USA tritt die Politik auf den Plan und schießt Milliarden in die Förderung der heimischen Chipfertigung. „Im vergangenen Jahr hat sich der Engpass bei den Chips in eine Schwemme verwandelt“, schreibt Dina Ting, Leiterin des Global Index Portfolio Management beim Investmentfonds Franklin Templeton, in einer aktuellen Analyse. 

Neue Konkurrenz am Markt

Für TSMC könnte das aus zweierlei Gründen problematisch sein: Zum einen entsteht neue Konkurrenz, die auch noch vom Staat gepäppelt wird. Zum anderen steht der Konzern politisch unter Druck, Werke in den USA und Europa aufzubauen – Werke, die rein betriebswirtschaftlich womöglich weniger Sinn ergeben als die seit langem etablierte Produktion im heimischen Taiwan. 

Hinzu kommt, dass US-Präsident Joe Biden seine Förderung der eigenen Chip-Industrie mit einer beinharten Anti-China-Politik flankiert: Seit Monaten ist die US-Regierung bestrebt, China den Zugang zur neuesten Halbleiter-Technologie zu erschweren und das Land von globalen Lieferketten abzuschneiden. Schlüsselunternehmen der Chip-Branche wird nahegelegt, den chinesischen Markt zu verlassen, Exportbeschränkungen aufgelegt und amerikanischen Staatsbürgern die Arbeit in der chinesischen Industrie erschwert. Das geschieht vor allem aus Sicherheitsgründen – China ist ein internationaler Akteur, der Technologie auch oft für Spionage einsetzt. Aber natürlich ist es auch Industriepolitik. 

TSMC aber ist ein Unternehmen, das auf möglichst freie Märkte und geringe Zugangsbeschränkungen angewiesen ist. Und es ist als taiwanesischer Global Player eng mit dem chinesischen Markt verbunden. Der Konzern unterhält mehrere Produktionsstätten in China und wäre wohl eines der größten Opfer, falls es eines Tages zu einem militärischen Konflikt in der Region kommen sollte. Je angespannter also die Stimmung zwischen Taiwan und den USA auf der einen, und China auf der anderen Seite ist, desto schlechter tendenziell für TSMC. 

Natürlich aber könnte der taiwanesische Chip-Gigant am Ende auch profitieren. Immerhin verfügt kein Konzern weltweit über mehr Know-how in der Auftragsfertigung, was Tempo, Menge und technologische Tiefe angeht. Berkshire Hathaway hat seine Anteile ja auch nicht komplett verkauft. Die Investmentfirma behält also einen Fuß in der Tür. Und das ist dann wieder typisch Warren Buffett. 

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