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Dani Parthum Weiter investieren, bei den Unsicherheiten? Oder lieber auf Nummer sicher gehen?

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Energiekrise, Krieg, Klimawandel, Lieferprobleme, Inflation und stark schwankende Aktienkurse — bei manchen Blockaden bei der Geldanlage aus oder führen gar zum Absetzen von Altersvorsorge-Plänen. Lassen Sie das nicht zu!

Die Krisenmeldungen reißen seit drei Jahren nicht ab und eine Verschnaufpause scheint nicht in Sicht. Das schlägt an manchen Tagen auf die Zuversicht. Die Unsicherheit nimmt zu und es fühlt sich nach Kontrollverlust an. Sind das wirklich gute Voraussetzungen für die eigene, selbst gemanagte Altersvorsorge zum Beispiel mit Aktien-ETFs

Frauen tendieren durch oft niedrigere Einkommen im Vergleich zu Männern dazu, ihr Geld „sicher“ wissen zu wollen, obwohl es Sicherheit bei der Geldanlage nicht gibt. Männer haben oft finanziell größere Spielräume und agieren riskanter. Und wenn eines derzeit unsicher erscheint, dann sind das die Wirtschaft, der Geldwert und damit freilich auch die Aktienmärkte.

Konsum statt Altersvorsorge? Besser umgekehrt

Die Auswirkungen entwickeln sich seit Monaten. Manche blockiert die aktuelle Gemengelage so sehr, dass die wichtige und richtige Altersvorsorge mit Aktien weggeschoben und Geld auf Konten geparkt wird. Das ist doch alles Zockerei, heißt es aus Angst um die Ersparnisse. Und wer weiß, wie stark Europa in eine Rezession rutscht durch die hohen Energiepreise. Andere haben begonnen, ihre monatlichen Altersvorsorge-Sparpläne zu kürzen oder ganz einzustellen. Wie aus dem Finanzbarometer 2022 von JP Morgan Asset Management hervorgeht, sparen und investieren von den 2000 Befragten 23 Prozent weniger, 11 Prozent setzen sogar lieber auf Konsum, statt auf Vorsorge. 

Allerdings sagten in derselben Umfrage 41 Prozent, sie verzichteten eher auf Konsum zugunsten ihrer Sparrate oder investierten lieber als zu sparen. Zwei gegenläufige Trends. Wo sich bei diesen beiden Polen Männer und Frauen wiederfinden, wurde nicht publik.

Investieren bedeutet, Werte zu schaffen für Generationen

Investieren bedeutet, Konsum in die Zukunft zu verschieben, also an eine Zukunft zu glauben, und diesen Konsumaufschub in Sachwerten wie Aktien als Unternehmensanteile oder Immobilen zu materialisieren, die sich über die Zeit entwickeln. Langfristig, beständig, auf breiter Basis. So, wie es rückblickend in den vergangenen Jahrhunderten gewesen ist. Investieren bedeutet, Werte zu schaffen und Werte zu erhalten. Für sich und andere. Und sie zu gegebener Zeit, wenn wir das Geld wieder für Konsum benötigen, durch Verkauf an andere weiterzugeben. Von einer Generation zur nächsten.

Auch in den nächsten Jahrzehnten werden wir Lebensmittel kaufen, Putzmittel und Kleidung, werden innovative Menschen neue Lösungen für Probleme entdecken, werden Unternehmen gegründet, die an die Börse gehen und Politiker:innen die Rahmenbedingungen setzen, die die Mehrheit für geboten hält. Wir wirtschaften weiter, tauschen weiter. Wir schaffen weiterhin Werte. Krisenzeiten haben die Menschheit immer kreativ gemacht und vorangebracht. Wir stehen vor einem Umbau der Wirtschaft. Gut so. Deshalb bleiben Aktien als Anteile an genau dieser Wirtschaft die Vermögensklasse für den langfristigen Vermögensaufbau — ein unverzichtbarer Grundpfeiler.

Machen wir das Beste aus Krisen

Krisen sind außerdem Teil der Menschheitsgeschichte. Weil wir Menschen gierig sind, egoistisch, narzisstisch, angstgetrieben, teils lernunfähig. Machen wir das Beste daraus. Denn was wäre die Alternative? Das eigene Geld vollständig zu konsumieren und sich später auf den Sozialstaat zu verlassen, also auf die Gemeinschaft? Mit minikleiner Rente und Grundsicherung? Das ist nur die allerallerallerletzte Wahl. Oder das Geld für die Altersvorsorge auf dem Konto liegen zu lassen und zu denken, es wäre dort „sicher“? Dann reduziert die Inflation den Wert des Geldes und wir verpassen im Aufschwung die Wertschöpfung. Auch keine gute Idee.

Widerstehen Sie dem Impuls, Ihre Vorsorgebeträge zu streichen, Sparpläne auszusetzen und das Geld auszugeben. Erfahrungsgemäß, wenn das Geld in der Familie knapp wird, wird zuerst das gekappt. Und aus meinen Coachings weiß ich leider auch: Oft sind es die Mütter, die zugunsten von Familie und der Haushypothek den Aufbau ihrer privaten Altersvorsorge stoppen, nicht die Väter. Widerstehen sie diesem Impuls.

Erwerbsbiografie pflegen für ein höheres Einkommen

Nicht mehr zu sparen und zu investieren oder erst gar nicht damit anzufangen, ist die letzte Entscheidung, um notwendiges Geld für Essen, Wohnen oder Kinderbetreuung freizusetzen. Versuchen Sie vorher wirklich alles andere, um Ausgaben zu senken und Einnahmen zu erhöhen, anstatt die Zukunft anzutasten. Streichen Sie lieber den Urlaub oder den Restaurant- bzw. Friseurbesuch. Für Alleinerziehende, zum überwiegenden Teil Frauen, ist das teils unglaublich schwer, weil sie ohnehin schon jeden Euro umdrehen (müssen). Pflegen Sie in diesen Zeiten umso intensiver deshalb Ihre Erwerbsbiografie, verhandeln Gehalt, bilden sich fort, um mehr Geld zu verdienen.

Eine Anlagestrategie hilft beim Durchhalten 

Was ebenso vor Angriffen auf Spar- und Investitionspläne schützt, ist ein klar umrissenes Anlageziel und eine pragmatische Anlagestrategie, also, womit Sie dieses Ziel erreichen. Sie helfen, einmal getroffene Entscheidungen für den Vermögensaufbau nicht plötzlich über den Haufen zu schmeißen. Die Anlagestrategie diszipliniert uns und gibt damit Halt. Erinnern Sie sich an Ihr Anlageziel oder — noch besser — lesen Sie es in Ihrem Ordner für die Geldanlage nach. Im Idealfall haben Sie Ihre Anlagestrategie, mit der Sie Ihr Vermögensziel erreichen wollen, schriftlich ausgearbeitet. 

Der Vermögensaufbau für eine Zusatzrente ist langfristig ausgelegt, auf Jahrzehnte, nicht auf wenige Jahre. Wir brauchen dazu Regelmäßigkeit und Durchhaltevermögen. Wer in Krisenzeiten weiter investiert, profitiert nach Jahrzehnten besonders. Also: Finger weg von der Altersvorsorge, halten Sie die Unsicherheit aus. 

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Ihre gesammelten Kolumnen für Capital finden sich hier.



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