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Daniel Saurenz Was ist bloß mit Gold los?

Barren aus Feingold 999,9 von Heraeus
Barren aus Feingold 999,9 von Heraeus
© picture alliance / FotoMedienService | Ulrich Zillmann
Politische Krisen in Europa, Inflation in den USA, Verwerfungen in Asien – Gold könnte als sicherer Hafen 2022 eigentlich ein gutes Jahr haben. Eigentlich. Bisher verhindern die Notenbanken den Erfolg. Aber wie lange noch?

An den Finanzmärkten schaut man sechs bis zwölf Monate in die Zukunft. Für die Freunde von Gold oder auch Silber bedeutet dies, dass sie in einer Welt nicht mehr steigender Zinsen und nachlassender Inflation ankommen könnten. Gepaart wird das Ganze mit vermutlich und leider noch immer großen politischen Unsicherheiten. „Ein solches Umfeld könnte 2023 überraschend zu einem ziemlich guten Mix für Gold mutieren“, sagt Niklas Helmreich, Deutschlandchef des Brokers Trive.

2022 müssen Gold-Anleger dagegen wohl oder übel abhaken. „Seit Jahresbeginn liegt die Feinunze deutlich im Minus, in Euro gerechnet hält sich der Kurs zumindest seit Ende Februar“, sagt Stefan Riße von Acatis. Als Autor des Buchs „Die Inflation kommt“ beschäftigt er sich seit Jahren mit den Interdependenzen inflationärer Phasen und da fällt Gold momentan eben hinten runter. „2022 war ohne Zweifel das Jahr zweier Trades, die Gewinne versprachen. Dies war zum einen die Spekulation auf steigende Zinsen in den USA und später auch in Europa und zum anderen der Kauf von US-Dollars“, so Riße.

Die Berechnungen des Edelmetallhändlers Ophirum unterstreichen, warum Gold zuletzt Gegenwind bekam, der nicht enden wollte. Die US-Notenbank Fed hat die Inflation unterschätzt und „selbst im September hat sich die Lage bei der Teuerung nur unwesentlich beruhigt. So stieg der Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich um 8,2 Prozent, die noch stärker beachtete Kernrate kletterte auf 6,6 Prozent nach einem Zwischentief im Juli von 5,9 Prozent“, so Ophirum.

Investoren schichten in Anleihen um

Angesichts dieser Entwicklung macht die US-Notenbank mit ihren Zinserhöhungen keine Pause. Auf der nächsten Sitzung Anfang November ist eine vierte Zinserhöhung um 75 Basispunkte eingepreist. Und auch für die letzte Sitzung Mitte Dezember sieht der Terminmarkt bereits eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für eine Erhöhung um weitere 75 Punkte auf dann 4,5 bis 4,75 Prozent. Im Februar soll das Zielband auf 4,75 bis fünf Prozent steigen, erst gegen Jahresende 2023 könnten erste Zinssenkungen folgen. Sofern die Fed nicht infolge einer zusammenbrechenden Wirtschaft und einer harten Landung am Häusermarkt ihre Politik wieder über den Haufen wirft.

Nicht nur die Nominal-, sondern auch die Realzinsen sind in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. „In den USA kletterte der entsprechende Realzins (Nominalzins abzüglich der Inflationsrate) im zehnjährigen Bereich von minus ein Prozent im März auf aktuell plus 1,7 Prozent im September. Da Anleihen die wichtigste Konkurrenz-Asset-Klasse zu Gold sind und beide als sicherer Hafen wahrgenommen werden, schichten Investoren seit Monaten verstärkt in Anleihen um“, begründet Funda Sertkaya von Ophirum die Entwicklung.

Goldbestände deutlich abgebaut

Wenig überraschend haben spekulative Marktakteure daher ihre Leerverkaufspositionen in Goldterminkontrakten bis Ende September auf 4,3 Millionen Feinunzen und somit das höchste Niveau seit Ende 2018 ausgebaut. Zugleich wurden auch Positionen in mit physischem Gold hinterlegten Produkten wieder aufgelöst. Ende September lagen die Gesamtbestände mit 3548 Tonnen sogar unter dem Niveau des Jahreswechsels, als die Feinunze mit Kursen um 1800 Dollar noch ihre steigende 200-Tage-Linie behauptete.

Diese Fakten bedeuten für mögliche Anleger aber auch: Bei Gold ist sehr viel negatives eingepreist. Jede Überraschung auf der Zinsseite und bei der Inflation kann einen Schub beim Edelmetall auslösen. Das Chance-Risiko-Verhältnis könnte besser sein als man denkt.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com

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