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Aktien Was der Klimagipfel für Öko-Aktien bedeutet

Windrad von Energiekontor
Windrad von Energiekontor: Die Aktie des Bremer Unternehmens hat seit Jahresbeginn stark zugelegt
© PR
Für Anleger von Ökostrom-Aktien war 2022 ein enttäuschendes Jahr. Die Klimakonferenz COP27 hat ihre Stimmung nicht verbessert. Dennoch sehen Experten erneuerbare Energie langfristig als lohnendes Investment

Großes Bangen bis zum Schluss: Zwei Wochen lang berieten Politiker aus fast 200 Ländern im ägyptischen Scharm el-Scheich über dringend benötigte Maßnahmen für den Klimaschutz. Beinahe sah es so aus, als würde es beim jüngsten UN-Klimagipfel gar keine Einigung geben. In allerletzter Minute und bereits nach dem offiziellen Ende der Konferenz kam sie dann doch noch, die gemeinsame Abschlusserklärung. Einige Beobachter feierten die Ergebnisse als Erfolg – schließlich einigten sich die Teilnehmer erstmals seit 30 Jahren auf einen gemeinsamen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden in ärmeren Ländern. Für viele sind die Ergebnisse aber schlichtweg enttäuschend. Den Entscheidungsträgern ist es nicht gelungen, einen klaren Fokus auf erneuerbare Energien zu legen. In der Erklärung steht nichts über die Abkehr von fossilen Energieträgern. Ein Ende der Energieerzeugung aus Öl und Gas scheint in weiter Ferne.

Die Frustration trifft Klimaschützer und Anleger gleichermaßen. Klare Bekenntnisse der Politik hätten den Aktienkursen der Produzenten von erneuerbaren Energien gutgetan. Die Kurse vieler Branchenunternehmen sind seit Jahresbeginn auf Talfahrt. Der Kursverlust des S&P Global Clean Energy Select Index beträgt seit Anfang Januar mehr als 18 Prozent. Der Index bildet die Kurse der 30 weltweit größten börsennotierten Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energie ab. Alles in allem eine „zuletzt bescheidene Performance“, stellt Lukas Adams fest, Nachhaltigkeitsexperte und Bereichsleiter für institutionelle Kunden bei der Bochumer GLS Bank.

Grund für die schwachen Kurse ist laut Adams vor allem, dass die Hersteller von Windkraft- und Solaranlagen unter steigenden Kosten leiden, die sie nicht an ihre Kunden weitergeben konnten. Dazu kommen immer wieder Lieferkettenprobleme, unter anderem wegen der harten Covid-19-Politik in China. Bei der Produktion von Solarmodulen kommt das Land auf einen dominanten Marktanteil von mehr als 80 Prozent.

Anleger brauchen einen langen Atem

Anlegern, die auf kurzfristige Rendite aus sind, rät Adams deswegen vom Kauf der Ökostrom-Titel ab. „Langfristig ist es aber nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht die richtige Entscheidung, in erneuerbare Energie zu investieren“, sagt Adams. Das liegt schlicht an dem großen und weiterwachsenden Bedarf, den es weltweit an grünem Strom gibt. Hinzu kommen Initiativen einzelner Teilnehmerländer – darunter Deutschland. Bisher stehen dem Ausbau erneuerbarer Energie in Deutschland häufig viel zu langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren im Weg. „Von der ersten Idee, bis die Anlage steht, vergehen häufig fünf Jahre“, kritisiert Adams. Das sogenannte Osterpaket soll das künftig ändern, indem es Verfahren deutlich verkürzt. Ziel der Bundesregierung ist ein Anteil erneuerbarer Energie an der deutschen Stromerzeugung von 80 Prozent bis zum Jahr 2030.

Es ist also klar, dass solch ambitionierte Ziele erfolgreiche Unternehmen benötigen. Ein vielversprechender Titel ist etwa der Wind- und Solarparkbetreiber Energiekontor aus Bremen. Trotz des schwierigen Marktumfeldes kommt die Aktie auf ein beeindruckendes Kursplus seit Jahresbeginn von 26,5 Prozent. Die Analysten von Warburg Research stufen den Titel auf „Buy“ mit einem Kursziel von 127 Euro. Aktuell notiert Energiekontor bei rund 90 Euro. Auch einen Blick wert ist die deutsche Onshore-Windkraft-Firma Nordex. Das Nordex-Papier hat im vergangenen Monat mehr als 40 Prozent zugelegt, notiert aber bei einem Kurs von 12 Euro immer noch deutlich unter seinem Höchstwert von knapp 25 Euro. Das Analysehaus Jefferies hat das Kursziel für Nordex von 13 auf 14 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen.

Zum Investieren in grüne Wirtschaftszweige gehören aber auch immer gute Nerven. Starke kurzfristige Schwankungen aufgrund politischer Entscheidungen und veränderter Marktbedingungen stehen bei den Ökostrom-Titeln an der Tagesordnung. Lukas Adams von der GLS-Bank rät deswegen, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Mithilfe von Öko-Fonds können Anleger ihr Risiko breiter streuen. Leider sind viele der am Markt erhältlichen Fonds nicht so grün, wie ihre Anbieter behaupten. Adams empfiehlt allen Anlegern, vor dem Kauf eines Öko-Fonds einen prüfenden Blick auf die darin enthaltenen Titel zu werfen – etwa mithilfe des Factsheets.

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