FondsWarum Mischfonds gerade obenauf sind

Ein New Yorker Börsenhändler mit einer Kappe auf der Dow 23000 steht
Der Dow Jones kletterte in dieser Woche über die Marke von 23.000 PunktenGetty Images

Ganz schön viel Holz: In den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben Mischfonds in Deutschland einmal mehr das meiste Geld unter allen Publikumsfonds eingesammelt, zeigt eine aktuelle Auswertung des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). Mehr als 20 Mrd. Euro haben deutsche Anleger in den ersten sieben Monaten des Jahres per Saldo an Multi-Asset-Fonds überwiesen. Damit haben die Fonds im laufenden Jahr mehr Geld eingesammelt, als Aktien- und Rentenfonds zusammen.

Die Zuneigung der Deutschen zu den Gemischtwarenläden unter den Fonds hat sich zumindest in diesem Jahr ausgezahlt. Die Produkte haben sich bisher gut geschlagen, viele haben ihre Benchmarks übertroffen, zeigt eine Auswertung des Fondsanalyse-Hauses Morningstar. Das ist längst nicht die Regel. Im Gegenteil: „Die Outperformance von Mischfonds auf der Ebene ganzer Kategorien lässt aufhorchen“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. In den vergangenen Jahren waren die Fonds wegen hoher Kosten und schwacher Wertentwicklung noch regelmäßig hinter ihren Vergleichs-Indizes zurückgeblieben. Für die derzeitige Hochform haben die Morningstar-Experten vor allem eine Erfolgsquelle ausgemacht: den starken Euro.

Wie sehr dessen Erstarken den Fonds in die Karten gespielt hat, zeigt ein Blick auf die einzelnen Typen von Multi-Asset-Fonds: Am stärksten haben seit Jahresbeginn europalastige Fonds abgeschnitten. Sie kamen auf 4,86 Prozent Wertsteigerung. Globale Multi-Asset-Fonds haben mit 2,96 Prozent etwas weniger stark zugelegt, aber auch besser als die Benchmark aus Aktien- und Anleiheindizes. Denn die globalen Mischfonds setzen ebenfalls stark auf Europaaktien, mehr als die gängigen weltweiten Börsenindizes, die US-Aktien stets stark gewichten. Deren Kurse sind im laufenden Jahr zwar auch gut gelaufen, zugleich ist aber der US-Dollar abgesackt. Unterm Strich notieren US-Aktien deshalb in Euro in etwa auf dem Stand von Jahresanfang.

„Das Momentum ist stark bei US-Aktien“

Ob eine niedrige Gewichtung von US-Aktien in den kommenden Monaten das Mittel der Wahl zur Outperformance bleiben wird, ist fraglich. Derzeit rücken die US-Titel jedenfalls vermehrt in den Fokus der Mischfondsmanager: „Das Momentum ist stark bei US-Aktien“, sagt Lukas Daalder, Chief Investment Officer und Multi-Asset-Fondsmanager beim niederländischen Fondsanbieter Robeco. Fundamentale Gründe wie eine hohe Bewertung von US-Aktien machen dem Experten zwar Sorgen. Allein: Der US-Aktienmarkt lasse sich von Sorgen derzeit nicht beirren, beobachtet Daalder. Ob Brexit, Nordkorea oder Trumps schwache Führung – während der weitere Kursverlauf des US-Dollars schwer absehbar ist, kennen die US-Aktienmärkte derzeit nur eine Richtung: nach oben. Selbst bei einem Ende der Aktienrallye sieht Daalder die US-Märkte vergleichsweise positiv: „Sollte es eine Korrektur an den Aktienmärkten geben, sind Anleger mit US-Aktien wahrscheinlich besser dran, weil sie bei einer Verkaufswelle in der Regel weniger an Wert verlieren als Aktien aus anderen Regionen.“

Noch ein Argument spricht derzeit für US- und eher gegen Europa-Aktien: Sollte der US-Dollar auf seinem jetzigen schwachen Niveau verharren, könnte das für Unternehmen aus Europa zum Problem werden, weil ihre Produkte im Ausland relativ teuer sind. „Europa-Aktien haben in der Vergangenheit nur dann gut performt, wenn ihre Währung schwach war“, sagt Daalder. Für Mischfonds, die weiterhin vor allem auf Europa und weniger auf die USA setzen, könnte die Luft also schon bald wieder dünn werden.