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Aktien Drohende Rezession: Warum Goldman Sachs und Blackrock zu Aktienskeptikern werden

Ein Händler arbeitet an der New Yorker Börse
Händler an der New Yorker Börse: Zwei große Investoren halten derzeit nichts von Aktien
© IMAGO / UPI Photo
Wann ist der Tiefpunkt am Aktienmarkt erreicht? Das fragen sich viele Anleger. Die Finanzschwergewichte Goldman Sachs und Blackrock sehen noch kein Ende des Bärenmarktes: Von Aktien lassen sie derzeit die Finger

Zwei Elite-Institutionen der globalen Finanzwelt kommen in Sachen Aktien derzeit zum selben, pessimistischen Schluss: Sowohl Goldman Sachs als auch Blackrock sagen Hände weg. Der Grund: Trotz der Kursverluste hätten die Märkte die globale Rezession noch nicht eingepreist.

Entsprechende Sorgen um die Konjunktur, die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen sowie die augenscheinlich unsichere Lage der europäischen Energienetze ließen am Mittwoch auch den deutschen Leitindex Dax zum ersten Mal seit November 2020 unter die Marke von 12.000 Punkten fallen.

Die Goldman-Strategen weisen auf die steigenden Realrenditen als maßgeblichen Negativfaktor hin und stufen Aktien in ihrer globalen Allokation für die nächsten drei Monate mit Untergewichten ein. Investoren empfehlen sie, stärker in Bargeld zu gehen. Blackrock rät, „die meisten Aktien zu meiden“, vor allem jene aus entwickelten Ländern, und kurzfristig Unternehmensanleihen zu bevorzugen.

„Das derzeitige Niveau der Aktienbewertungen spiegelt die damit verbundenen Risiken möglicherweise nicht vollständig wider und muss möglicherweise weiter sinken, um einen Tiefpunkt des Marktes zu erreichen“, schrieben die Goldman-Strategen um Christian Mueller-Glissmann am Montag. Die Rezessionswahrscheinlichkeit sei nach dem jüngsten Ausverkauf von Anleihen auf über 40 Prozent gestiegen, „was historisch gesehen auf ein erhöhtes Risiko für einen Aktienrückgang hindeutet“, schrieben sie.

Aktien: Drohende Rezession: Warum Goldman Sachs und Blackrock zu Aktienskeptikern werden

Morgan Stanley und JP Morgan Asset Management äußerten ähnliche Bedenken. Auslöser für den weltweiten freien Fall der Aktienkurse in den letzten Tagen war die demonstrative Entschlossenheit der Notenbanken in den USA und Europa, den Kampf gegen die Inflation in den Vordergrund zu stellen. Eine Atempause scheint kaum in Sicht, obwohl der MSCI World Index seit Mitte September schon mehr als 8 Billionen Dollar (8,3 Billionen Euro) Börsenwert verloren hat.

„Wir sehen keine 'weiche Landung', bei der die Inflation schnell auf das Zielniveau zurückkehrt, ohne die Wirtschaft zu erdrücken“, schrieben die Strategen des Blackrock Investment Institute, darunter Jean Boivin und Wei Li, in einer Mitteilung vom Montag. „Das bedeutet mehr Volatilität und Druck auf Risikoanlagen.“

Von Tina zu Tara

Das von der Ned Davis Research entwickelte Modell zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession spuckte jüngst einen Wert von über 98 Prozent aus. So hoch lag der Wert bisher nur in den Jahren 2020 und 2008-2009, so Ned Davis.

Goldman hält die Ära des „Tina“-Mantras – kurz für „There Is No Alternative“ – im Hinblick auf Aktien für abgelaufen. Nun „sind die Investoren mit ‚Tara‘ konfrontiert (‚There Are Reasonable Alternatives“), wobei Anleihen attraktiver erscheinen”, schrieben sie.

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Die US-Strategen von Goldman hatten letzte Woche ihr Jahresendziel für den S&P 500 Index auf 3600 von 4300 Punkten zurückgenommen. Nun senkten die Europa-Strategen die Ziele für die hiesigen Indizes sowie ihre Prognose für das Gewinnwachstum für den Stoxx Europe 600 Index: Es soll im nächsten Jahr negativ ausfallen, statt nur unverändert zu bleiben. „Dieser Bärenmarkt hat noch keinen Tiefpunkt erreicht“, schrieben Sharon Bell und ihre Goldman-Kollegen am Montag zu den europäischen Aktien.

©2022 Bloomberg L.P.

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