GeldanlageWarum Gold seinem Ruf nicht gerecht wird

Goldbarren
Gold gilt als sicherer Hafen für Anleger, aber stimmt das auch? Getty Images

Liegt es an der Erfahrung zweier Hyperinflationen in den letzten 100 Jahren? Dem Misstrauen gegenüber den Notenbanken? Oder ist es schlicht ein Zeichen des notorischen Angst- und Vorsorgesparens, dass die Deutschen mehr Gold kaufen als alle anderen Bürger Europas? Gut 110 Tonnen erwarben sie alleine 2017. Die Deutschen machten bei Barren und Münzen zehn Prozent der weltweiten Nachfrage aus.

Vermutlich ist es eine Mischung aus allem – verbunden mit einer oft mythischen Überhöhung des Goldes: Gold lässt sich nicht beliebig vermehren, Gold kauft seinen Besitzern seit Tausenden Jahren stabil eine Mahlzeit, Gold schützt in allen denkbaren Krisen – das sind die typischen Argumente der Goldfans.

Der Beitrag ist im Capital-Sonderheft zum Vermögensaufbau erschienen

Aber ist Gold wirklich so zuverlässig? Langfriststudien machen wenig Mut: Seit 1900 hat der Goldpreis real lediglich um 0,7 Prozent pro Jahr zugelegt, wie das „Credit Suisse Yearbook of Investment Returns“ zeigt. Über viele Jahrzehnte hinweg, etwa zwischen 1900 und 1930 und dann wieder zwischen den 40er- und 70er-Jahren, warf Gold überhaupt keine Rendite ab. Auch um die Jahrtausendwende gab es Einbußen. Und wer 2011 oder 2012 kaufte, auf dem Höhepunkt der Eurokrise – der hat zwischenzeitlich Verluste von bis zu 30 Prozent gemacht.

„Gold ist den Gesetzen von Angebot und Nachfrage genauso unterworfen wie alle anderen Finanzwerte. Es ist auch nur ein Spekulationsobjekt“, sagt Andreas Görler vom Berliner Vermögensverwalter Pruschke & Kalm.

Dass Gold dabei eine durchaus riskante Anlage ist, zeigt die Schwankungsbreite (oder: Volatilität). Die Kennzahl hält fest, wie stark sich in einem bestimmten Zeitraum der Wert einer Anlage von ihrem Durchschnittswert im selben Zeitraum entfernt – nach oben wie nach unten. Bei Gold betrug sie zwischen 1900 und 2017 durchschnittlich 16,7 Prozent pro Jahr. Gold schwankt damit ähnlich stark wie ein Index mit Aktien aus der ganzen Welt, hier beträgt die Abweichung 17,4 Prozent. Der Unterschied aber: Der globale Aktienindex erzielte pro Jahr eine Durchschnittsrendite von 5,2 Prozent. Bei ähnlichem Risiko hätten Aktien also einen viel höheren Ertrag gebracht.

Im Zusammenhang mit Aktien heißt es außerdem, dass der Goldpreis entgegengesetzt zu den Aktienkursen laufe: Brächen die Börsen ein, steige der Goldpreis. Bloß stimmt auch das nicht immer. Zwar gab es regelmäßig Phasen, in denen Aktienkurse sanken und Gold an Wert gewann, etwa im Zuge der Finanzkrise 2008. In den 80er-Jahren aber war es anders: Aktien fielen, der Goldpreis auch.

Was aber ist mit Gold als Absicherung gegen einen Inflationsschock, den viele Goldfans befürchten, etwa wegen Nullzinsen und der stark gestiegenen Geldmengen? Auch hier gibt es eine eher ernüchternde Antwort. Historisch betrug die reale Rendite von Gold – also die Preisveränderung abzüglich der Inflation – in den Jahren mit der stärksten Inflation weltweit im Schnitt: null Prozent. Anders als in der öffentlichen Wahrnehmung hat Gold wiederum seine stärksten Zuwächse in deflationären Umfeldern erzielt.

Heißt: In Phasen starker Inflation geht der Goldpreis nicht durch die Decke. Er schützt lediglich die Kaufkraft seiner Halter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für sehr pessimistische Sparer – die etwa davon ausgehen, dass der Euro bald zerbricht – kann ein Goldinvestment also trotzdem Sinn ergeben. Als Anlage empfehlen sich dann übrigens Goldmünzen, weil sie praktischer gestückelt und leichter zu handhaben sind als Barren. Und eine emotionale Rendite zahlen beide: Es ist ein Wert, den man gern in die Hand nimmt.