AktienkurseWarum die Commerzbank die Deutsche Bank abhängt

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt
Commerzbank-Zentrale in FrankfurtGetty Images

Commerzbank-Chef Martin Zielke dürfte in diesen Tagen bester Laune durch die Vorstandsetage im Commerzbank-Tower in Frankfurt wippen. Ebenso leicht vorstellbar ist, dass die stets etwas zu sorgenvolle Miene seines Kollegen John Cryan bei der Deutschen Bank derzeit noch ein bisschen betrübter wirkt als ohnehin schon.

Die Gründe lassen sich recht simpel am Aktienkursverlauf ablesen. Denn die Commerzbank ist – vordergründig – zu einem begehrten Fusionspartner geworden. Der Aktienkurs läuft seit Monaten weit besser als der Gesamtmarkt, um über 50 Prozent ging es seit Jahresbeginn aufwärts. Rund ein halbes Dutzend Banken haben offen oder über gezielt gestreute Gerüchte Interesse an der Bank signalisiert: die französischen Großbanken BNP Paribas und Credit Agricole etwa oder auch die italienische Unicredit. Bereits seit Ende Juli neu an Bord ist der Finanzinvestor Cerberus mit einem Anteil von rund fünf Prozent.

Bei der Deutschen Bank hingegen scheint die durch den Vergleich mit dem US-Justizministerium im Dezember 2016 und der Kapitalerhöhung im März 2017 hart erarbeitete Ruhe schon wieder vorbei zu sein: Der Aktienkurs schlingert – vier Prozent beträgt das Minus seit Jahresbeginn trotz sehr freundlicher Gesamtmärkte. Die ersten Investoren moppern darüber im Hintergrund, denn die übliche halbjährliche Schonfrist nach Kapitalmaßnahmen ist nun abgelaufen. Die Quartalszahlen im August waren allenfalls medioker. Daher muss die Bank rasch belegen, dass die beachtlichen Erfolge von Vorstandschef John Cryan bei den Kosten nicht zu einer Erosion der Erlöse und einer deutlichen Verschlechterung der Marktstellung der Bank geführt haben.

Und dann ist da noch die Sache mit dem chinesischen Großaktionär HNA, dem 9,9 Prozent an der Bank gehören und den die Aufsicht kritisch beäugt. Die Vertreter HNAs schätzt John Cryan offenbar ähnlich wie unangemeldeten Schwiegerelternbesuch an einem Sonntagnachmittag. Kein Wunder: schließlich gibt sich die Bank seit Monaten kommunikativ alle Mühe, die Schwierigkeiten mit Compliance-Regelungen als endlich abgehakte Altlasten zu betrachten.

Commerzbank-Chef Zielke galt als blass

Diese Entwicklungen hätte noch zu Jahresbeginn kaum ein Beobachter für möglich gehalten. Der „Lauf“ der Commerzbank ist dabei noch überraschender als das Tempo, mit dem wieder Unruhe bei der Deutschen Bank eingekehrt ist.

Denn galt der im Sommer 2016 angetretene Commerzbank-Chef Zielke nicht als eher blass? Als einer, der in Interviews und Vorträgen eher in eine Aneinanderreihung von Banalitäten des Bankgeschäfts und den Chancen der Digitalisierung verfällt und in Hintergrundrunden schon mal in den Belehrton wechselt? Dessen teure Kundenakquise der Commerzbank zwar eine halbe Million Neukunden im ersten Halbjahr beschert hat, sich aber bislang nicht nennenswert in der Erlösentwicklung niederschlägt? Liegen die Analysten der Commerzbank mit ihren im- und expliziten Verkaufsempfehlungen für die Aktie wirklich so daneben? Denn kein einziges Kursziel der letzten zwei Monate billigt der Aktie vom aktuellen Niveau von knapp 12 Euro nur noch einen Cent weiteres Kurspotenzial zu.

Und vor allem: Was sehen die Optimisten in einer Bank, die in den letzten zehn Jahren je einmal ihre Kapitalkosten verdient und eine Mini-Dividende ausgeschüttet hat?