KolumneWarum der FAANG-Motor ins Stottern gerät

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die aktuelle Quartalsberichtssaison der börsennotierten Unternehmen hat für die seit Jahren hochbeliebten FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google) nicht den Rückenwind erzeugt, den diese Titel gewohnt sind. Es waren vor allem die FAANG-Aktien, die den Gesamtmarkt und insbesondere den Nasdaq-Index seit Jahren befeuerten.

Erst wenige Wochen ist es her, dass mit Bewunderung das Übersteigen einer Marktkapitalisierung von 1000 Mrd. US-Dollar jeweils bei Amazon, der Google-Mutter Alphabet und Apple registriert wurde. Jedes einzelne der genannten Unternehmen ist damit an der Börse ungefähr so viel wert wie alle im Dax zusammengefassten 30 deutschen Großunternehmen. Wer dies bedenkt, der wird sich nicht weiter darüber wundern, dass die Börsenkultur weltweit von der US-amerikanischen Geisteshaltung dominiert wird.

Jüngste Quartalszahlen der FAANGs enttäuschen Anleger

Gleichwohl ist zuletzt etwas Sand in das FAANG-Getriebe geraten, denn die Zahlen zum dritten Quartal 2018 konnten die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer nicht erfüllen. Während aber bei Amazon und Apple enttäuschende Wachstumszahlen beziehungsweise Erwartungen zu Verdruss führten, zeigten sich bei Google Kostenprobleme.

Apple Aktie

Apple Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Im Fall von Amazon kommt den Marktteilnehmern zunehmend zu Bewusstsein, dass der reine Onlinehandel zwar enorme Umsätze und Daten, nicht aber üppige Gewinne produziert. Die größten Vorteile des Onlinehandels fallen möglicherweise bei den Logistikern an. Für diese Hypothese spricht auch der Versuch Amazons, seinerseits eine Auslieferungslogistik aufzubauen. Die Ertragsperlen im Amazon-Konzern befinden sich unterdessen im Daten-Cloud-Geschäft und bei den Web-Diensten. Ähnliches gilt auch für den deutschen Onlinehändler Zalando und dessen Aktie – hier ist ebenfalls ein hohes Umsatzwachstum gepaart mit einer schwachen Profitabilität zu beobachten. Ob dreistellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse hier angemessen sind, darf bezweifelt werden.

Was passiert, wenn FAANG-Aktien als Motor des Marktes ausfallen?

Völlig anders liegt der Fall bei Google beziehungsweise dem Mutterkonzern Alphabet. Zwar ist das Werbegeschäft von Google eine zauberhafte Gelddruckmaschine, aber außer der Google-Suchmaschine verblassen die anderen Geschäfte des Hauses. Insofern liegt man nicht völlig falsch, wenn man die Abhängigkeit Alphabets von der Suchmaschine als potentielles Problem ansieht. Immerhin verfügt die Muttergesellschaft über ein hohes Nettofinanzvermögen, so dass die Bewertung nicht so anspruchsvoll wie bei Amazon ausfällt.

Alphabet A Aktie

Alphabet A Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Dieses Argument gilt noch viel mehr für Apple. Das iPhone-Unternehmen aus Cupertino in Kalifornien sitzt geradezu auf einem Geldberg, zumal inzwischen ein großer Teil des in Europa geparkten Geldes repatriiert wurde. Apple verwendet die starke Bilanz des Unternehmens, um eigene Aktien an der Börse zu kaufen. Auf diese Weise gelingt die Steigerung der Gewinne pro Aktie. Demgegenüber geht es mit den Verkaufszahlen der Produkte nicht weiter voran und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Apple nahezu ein Ein-Produkt-Unternehmen rund um das iPhone geworden ist und der Markt mittlerweile weitgehend gesättigt ist. Jedenfalls spricht die nicht allzu hohe Bewertung der Apple-Aktie für diese Interpretation durch die Börsianer.

Der Gesamtmarkt wurde in den letzten Jahren zu einem nicht geringen Teil von den genannten Aktien gezogen. Die Entwicklung erinnert durchaus etwas an die Zeiten in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als Internet- und Technologieaktien die Börsen nach oben katapultierten.

Sollten die FAANG-Aktien als Motor des Marktes ausfallen, dann müssten andere Sektoren an ihre Stelle treten. Angesichts der enormen Marktkapitalisierungen der FAANGs wird das nicht einfach sein. Sofern das organische Umsatzwachstum der FAANGs tatsächlich nachlässt, muss gefragt werden, ob die hohen Aktienrückkäufe die Einschätzung dieser Aktien als Wachstumstitel mit entsprechenden Bewertungen nach wie vor rechtfertigt.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns