FAANG-AktienWarum Tech-Aktien massiv schwächeln

Unter Druck: Die Apple-Aktie stand im November auf der Verkaufslisten der Investoren
Unter Druck: Die Apple-Aktie stand im November auf der Verkaufslisten der InvestorenGetty Images

Besitzer von Tech-Aktien haben derzeit wenig Grund zur Freude. Das gilt vor allem dann, wenn sie in die großen US-Stars der Branche investiert sind. Die Rede ist von den sogenannten FAANG-Aktien, den Papieren von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und der Google-Muttergesellschaft Alphabet. Lange Zeit waren die Schwergewichte die Taktgeber für den Aufwärtstrend am US-Aktienmarkt. Derzeit durchleben sie allerdings eine Schwächephase: Seit September sind die Kurse von jedem der fünf Vorzeige-Giganten um mehr als 20 Prozent unter die Räder gekommen. „Wir sehen deutliche Anzeichen dafür, dass dieser Ausverkauf eine eigene Dynamik entwickelt”, sagt Neil Wilson, Chefanalyst der Finanzplattform markets.com.

Auch wenn der Ausverkauf alle großen Tech-Konzerne erfasst hat, sind die einzelnen Aktien unterschiedlich stark unter die Räder gekommen. Google steht mit einem Minus von rund 20 Prozent noch relativ gut da. Diese Robustheit spiegelt die Einschätzung der Analysten wider, was das Geschäftsmodell des Unternehmens betrifft: Google ist im Vergleich zu anderen Tech-Giganten breit diversifiziert und gerade in Bereichen großem Wachstumspotenzial wie dem autonomen Fahren stark vertreten. Obendrein ist das Unternehmen vergleichsweise gering verschuldet. „Wir glauben, dass Googles Underperformance weniger mit dem Unternehmen selbst als mit einer Rotation der Anleger weg von Wachstumstiteln zu tun hat”, sagt Rob Sanderson, Analyst bei MKM Partners. Für Sanderson bleibt Google deshalb trotz reduziertem Kursziel ein klarer Kauf.

Weniger optimistisch sind Experten bei Facebook. Der Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken hatte den sektorweiten Kursrutsch mit ausgelöst, als seine Aktie im Umfeld einer Analystenkonferenz Ende Juli im Tagesverlauf um 20 Prozent einbrach. Grund für die Strafaktion der Investoren: die Aussicht auf steigende Kosten für Sicherheit sowie ein verlangsamtes Wachstum bei Nutzerzahlen und Werbegeldern und damit eine sinkenden Umsatzrendite. Mittlerweile liegt das Minus bei 35 Prozent. „Das Unternehmen investiert derzeit massiv in Sicherheit. Wir glauben, dass das dauerhaft auf Kosten der Margenstruktur geht”, sagt Sanderson. Zudem wendeten sich immer mehr Nutzer von der Facebook-Kernplattform ab und den übrigen Diensten des Unternehmens wie Whatsapp und Instagram zu. Deren Angebot lasse sich schwerer zu Geld machen.

Facebook A Aktie

Facebook A Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Apples Aktionäre durchleben in diesem Jahr ein wahres Wechselbad der Gefühle. Noch Anfang August waren die Anleger in Feierlaune: Apple hatte als erstes Unternehmen überhaupt den Börsenwert von 1000 Mrd. US-Dollar überschritten. Danach ging es allerdings steil bergab. Nach einem Minus von rund 25 Prozent und rund 300 Mrd. Dollar musste Apple die Krone des wertvollsten Unternehmens der Welt abgeben – ausgerechnet an den Erzrivalen Microsoft, der deutlich weniger unter der High-Tech-Verkaufswelle leidet. Das Hauptproblem bei Apple liegt bei seiner wichtigsten Gelddruckmaschine, dem iPhone. Dessen Verkäufe sind zuletzt spürbar gesunken. Zudem hat der Konzern seine Aktionäre auf schwächere Umsätze im Ende Dezember ablaufenden ersten Geschäftsquartal vorbereitet. Für Analysten ist ein schwacher Endspurt ein schlechtes Omen fürs kommende Jahr. „Das Weihnachtsgeschäft ist auch für Anleger wichtig, da es ein Indikator für die Geschäftsentwicklung im Folgejahr sein kann“, erklärt Brian O’Rourke von der Vermögensverwaltung Gamax.

Des einen Leid, des anderen Freud: Gerade der Blick aufs Jahresendgeschäft half Amazon zuletzt wieder auf die Sprünge. Nach Rekord-Verkaufszahlen am Black Friday und am Cyber Monday, den traditionellen Shopping-Feiertagen in den USA, stieg der Aktienkurs des weltgrößten Einkaufsladens binnen eines Tages um fünf Prozent – Balsam für die Seele der Amazon-Aktionäre, die in den Wochen zuvor ein Minus von mehr als 20 Prozent verkraften mussten. Ob das Tal damit durchschritten ist, bleibt angesichts der negativen Marktdynamik zwar abzuwarten. Mittelfristig bleibt Amazon für Analysten aber dank seiner Marktmacht sowie wachsender Marktanteile im wichtigen Lebensmittelsektor ein klarer Kauf.

Amazon Aktie

Amazon Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Und Netflix? Der Aktienkurs des Streaming-Dienstes verdoppelte sich in der ersten Jahreshälfte, gab aber einen großen Teil des Gewinns beim folgenden Kursrutsch von fast 40 Prozent wieder ab. Grund: Netflix-Chef Reed Hastings konnte zwar mit Millionen neuer Nutzer aufwarten – aber mit nicht ganz so vielen wie erwartet. Bei einem derart auf Wachstum getrimmten Wert reagieren Anleger auf schlechte Nachrichten allergisch. Die Analysten der australischen Investmentbank Macquarie empfehlen die Netflix-Aktie zwar weiter zum Kauf, haben das Kursziel aber deutlich gesenkt. MKM-Analyst Sanderson gibt sich dagegen optimistisch und hat das Kursziel zuletzt sogar leicht angehoben: „Netflix ist für uns das stärkste Unternehmen der Medien-Branche und zählt zu den wachstumsstärksten Firmen des gesamten Internetsektors.”