HochzinsanleihenVorsicht auf dem Hochzinsmarkt

Kurschart mit Balken und Linien auf einem Bildschirm
Hochzinsanleihen mit kurzer Laufzeit bieten höhere Kupons als Staats- oder Unternehmensanleihen mit Top-BonitätGetty Images

Die US-Notenbank Fed steht unter neuer Leitung: Janet Yellen hat ihren Platz für Jerome Powell geräumt. US-Präsident Donald Trump hatte Yellens Vertrag als Notenbankchefin nicht verlängert. Powell war zuletzt bereits Mitglied des Fed-Führungsgremiums, er dürfte Yellens moderaten geldpolitischen Kurs fortsetzen, schätzen Ökonomen. Anlageexperten rechnen für das laufende Jahr mit bis zu drei Zinsschritten in den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen wird mit ihrer ersten Leitzinsanhebung voraussichtlich noch bis zum kommenden Jahr warten. Im Fahrwasser des US-Marktes sind die Zinsen festverzinslicher Papiere allerdings auch in Europa bereits leicht angestiegen.

Unter diesen Umständen können Hochzinsanleihen mit kurzer Restlaufzeit für Bond-Investoren interessant sein, sagen Vermögensprofis. Die Papiere bieten höhere Kupons als Staats- oder Unternehmensanleihen mit Top-Bonität. Der höhere Kupon wirkt wie ein Puffer, High-Yield-Bonds leiden deshalb im Fall steigender Zinsen nicht so stark wie andere Festverzinsliche. „Kurzlaufende Hochzinsanleihen sind zudem weniger volatil als langlaufende“, sagt Ulrich Gerhard, Fondsmanager bei der Investmentboutique Insight, die zum US-Anbieter BNY Mellon Investment Management gehört.

Auf Liquidität achten!

In den kommenden Monaten könnten Hochzinsanleihen mit kurzer Laufzeit also ihre Stärken ausspielen. Ein Investment sollte allerdings sorgfältig geplant werden – die höheren Zinsen gibt es schließlich nur, weil High-Yield-Bonds auch höhere Risiken bergen als Anleihen mit hervorragender Bonität. Für ein günstiges Rendite-Risiko-Profil bei der Hochzins-Anlage sollten Investoren auf die Liquidität der Papiere achten und zudem gut überlegen, in welche Branchen sie investieren wollen, raten Vermögensexperten.

Das Thema Liquidität ist unter Hochzins-Anlegern ein Dauerbrenner. In einigen Marktsegmenten wird so wenig gehandelt, dass Investoren in Phasen fallender Kurse Gefahr laufen, keinen Käufer für ihre Papiere zu finden. „Der europäische Hochzinsmarkt ist weniger liquide als der US-Markt. Generell ist es um die Liquidität bei Kurzläufern aber besser bestellt als bei Langläufern“, erklärt Fondsmanager Gerhard.

US-Hochzinsanleihen brachten Anfang des Jahres im Schnitt eine Rendite von 5,5 Prozent, berichtet der Fondsanbieter Columbia Threadneedle. Das waren rund 3,5 Prozentpunkte mehr als US-amerikanische Staatsanleihen. Dieser Risikoaufschlag entschädigt Anleger für eine Ausfallquote von rund einem Prozent, hat Columbia-Anleihespezialist Colin Lundgren ausgerechnet. „Unsere Research-Analysten prognostizieren allerdings eine Ausfallquote von drei bis vier Prozent“, sagt er.

Risiken abschätzen!

Um das Verlustrisiko zu senken, sollten Hochzins-Investoren besonders riskante Branchen meiden. Wie stark ein einzelner Sektor die Wertentwicklung von High-Yield-Portfolios beeinflussen kann, zeigte sich in den Jahren 2015 und 2016. Der Preissturz beim Öl führte damals dazu, dass US-Energiefirmen in Schwierigkeiten gerieten. Viele von ihnen hatten sich zuvor am Kapitalmarkt Geld geliehen und Hochzinsanleihen emittiert. Im Zuge des Ölpreisverfalls konnten zahlreiche Öl- und Gas-Firmen ihre Anleihen nicht mehr bedienen, die Ausfallquoten schossen in die Höhe, Anleger flüchteten aus dem Markt. Weil Öl- und Gas-Titel in vielen Hochzins-Indizes eine große Rolle spielten und Fondsmanager sich bei der Portfolio-Zusammensetzung an solchen Indizes orientieren, wurden auch High-Yield-Fonds in Mitleidenschaft gezogen.

Privatanleger sollten nicht davon ausgehen, dass sie Marktturbulenzen besser vorhersagen können als professionelle Vermögensmanager. Mit etwas Vorab-Recherche und einem Vergleich unterschiedlicher Fondsportfolios können sie aber zumindest grob abschätzen, welche Risiken die Hochzinsmanager eingehen. Momentan seien etwa High-Yield-Bonds aus der angelsächsischen Einzelhandelsbranche riskant, sagt Insight-Manager Gerhard. Die Konkurrenz durch Amazon sowie der anstehende Brexit machten den Unternehmen zu schaffen.