KolumneTrading-Apps: Wo handelt die Republik?

Schon vor der Gamestop-Rally hatten Trading-Apps wie Trade Republic und Robinhood großen Zuwachs
Schon vor der Gamestop-Rally hatten Trading-Apps wie Trade Republic und Robinhood großen ZuwachsIMAGO / Political-Moments

Wer heutzutage noch seine Bankfiliale vor Ort aufsucht, zählt zu einer Minderheit. Inzwischen wickeln rund 75 Prozent der Deutschen ihre Finanzgeschäfte über das Onlinebanking ab. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei den Brokern ab. Die etablierten Direktbanken stehen schwer unter Druck, Neobroker befeuern den Wettbewerb mit sehr geringen Ordergebühren oder Orderflatrates und locken vor allem Neulinge mit spielerisch aufgebauten Apps. Mit Erfolg, wie die Downloadzahlen zeigen.

Ein Blick auf die zehn beliebtesten Finanz-Apps ließ zuletzt keine Zweifel aufkommen: Trading-Apps tummeln sich immer häufiger unter den Bestenlisten. Viele wollen an der Börse schnelles Geld verdienen, der Markt ist heiß gelaufen. Ausgelöst durch den Hype um die Gamestop-Aktien schnellen die Zahlen in die Höhe: Trade Republic liegt bei rund 1,4 Millionen Downloads, dahinter folgt Scalable Capital mit knapp 800.000. Andere Wettbewerber wie Smartbroker erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit und wollen noch in diesem Jahr mit einer App auf Kundenfang gehen. Doch das kostet zunächst viel Geld.

Wachstum ist gefragt

Smartbroker wurde erst 2019 gegründete und gehört zur Wallstreet-Online-Gruppe. Seit Anfang März schwingt der ehemalige Comdirect-Vorstand Matthias Hach das Zepter und gab ehrgeizige Ziele aus. So soll die Zahl der Depots bei Smartbroker in diesem Jahr von 80.000 auf mindestens 200.000 steigen. Im vergangenen Jahr gab Wallstreet-Online für die Neukundengewinnung mehr als 11 Mio. Euro aus, 2021 sind 12,5 Mio. Euro eingeplant.

Während die Kundennachfrage brummt, ist auch ein Run auf die Aktien der Broker entstanden. Die Kurse explodierten in den vergangenen Monaten. Es tobt auch bei der Börsenbewertung ein intensiver Wettbewerb. An der Spitze steht Flatexdegiro mit mehr als 2 Mrd. Euro Börsenbewertung. Die Herausforderer sind neben dem Smartbroker, der auf knapp 300 Mio. Euro kommt, die Baader Bank sowie Lang & Schwarz. Letzterer kommt auf rund 400 Mio. Euro und bei der Baader Bank sind es 350 Mio. Euro. Zahlreiche Neobroker sind noch nicht börsennotiert, so dass die Auswahl in Deutschland recht eingeschränkt ist. Nimmt man alle Perspektiven zusammen und gewichtet Chanen und Risiken, dann scheint die Aktie von Wallstreet Online, sprich Smartbroker, größeres Potenzial zu haben als Flatex oder Tradegate.

Robin Hood steigert Bewertung

Dazu sorgt Robin Hood als größter Neobroker in den USA weiter für Furore. Das Institut hat seinen Börsengang jetzt offiziell beantragt und wird von ersten Analysten allein aufgrund der Börsentransaktionen bei 40 Mrd. Dollar bewertet. Das ist nicht nur deutlich mehr als jedes deutsche Institut, sondern auch sehr viel mehr als die knapp 12 Mrd. Dollar, zu der Robin Hood bei der letzten Finanzierung im vergangenen Jahr bewertet wurde. Für deutsche Anbieter aktuell noch ein Traum, einigermaßen nah dran kommt dagegen Etoro, weltweit agierender Broker aus Israel, der mit mehr als 10 Milliarden zuletzt bewertet wurde.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com