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Gescheiterter Börsengang Spacs und Krypto: Circle-IPO versinkt im Kryptokrisen-Strudel

Der Stablecoin USD ist das wichtigste Geschäftsmodell von Circle
Der Stablecoin USD ist das wichtigste Geschäftsmodell von Circle
© IMAGO/NurPhoto
Der Betreiber des Stablecoins USD wollte über eine Mantelgesellschaft an die Börse gehen. Doch das schwierige Marktumfeld führte nun zum Platzen des Deals

Der Kryptomarkt kommt einfach nicht zur Ruhe. Nun hat die Stablecoin-Gruppe Circle ihre Pläne für einen 9-Mrd.-Dollar-Börsengang über einen sogenannten Spac gestrichen und zeigt damit, wie sehr der Krypto-Sektor von aufeinanderfolgenden Krisen betroffen ist.

Der geplante Börsengang, der ursprünglich während des Krypto-Bullenmarktes im Juli 2021 geschmiedet und Anfang dieses Jahres erweitert wurde, strebte eine Bewertung von 7,65 bis 9 Mrd. US-Dollar an. Circle und Concord Acquisition, die in den USA börsennotierte Zweckgesellschaft des ehemaligen Barclays-Chef Bob Diamond, erklärten am Montag, dass sie sich „einvernehmlich“ auf eine Beendigung der Fusionspläne geeinigt hätten.

Bei einem Spac wird eine börsennotierte Mantelgesellschaft gegründet. Die Spac hat zum Ziel, innerhalb von zwei Jahren ein Unternehmen zu übernehmen, in diesem Fall Circle. Dann wird die Spac zu einem normalen börsennotierten Unternehmen. Das Instrument war vor allem in Zeiten von Niedrigzinsen beliebt, es ebnete Unternehmen einen deutlich schnelleren Weg an die Börse.

Spacs und Krypto leiden zeitgleich

Das Scheitern des Circle-Deals reiht sich jetzt allerdings in eine Reihe von negativen Meldungen rund um Spacs und Krypto ein. Seitdem die Zinsen steigen, nimmt zum einen die Zahl der Spac-Börsengänge rapide ab. Zudem geraten Digitalwährungen wie Bitcoin, Ether & Co. immer mehr unter Druck. Daran sind auch eine Reihe von Pleiten bei Kryptobörsen schuld, die Angst unter Anlegern schürten. Jüngstes Beispiel ist der Zusammenbruch der Börse FTX, der weltweit für Aufsehen sorgte.

Das Scheitern des Circle-Spac ist zwar weniger dramatisch als FTX, steht aber exemplarisch für die großen Probleme innerhalb der Branche. Concord hatte bis zum 10. Dezember Zeit, um die Übernahme von Circle abzuschließen, die einen Börsengang in New York zur Folge gehabt hätte.

„Wir sind enttäuscht, dass die geplante Transaktion nicht zustande gekommen ist. Der Börsengang bleibt jedoch Teil der Kernstrategie von Circle, um das Vertrauen und die Transparenz zu stärken, was noch nie so wichtig war“, sagte Circle-CEO Jeremy Allaire. Diamond fügte hinzu, dass er sich weiterhin für das Unternehmen einsetzen werde, während es weiter wachse.

Große Bedeutung von Stablecoins

Der USD Coin von Circle ist der zweitgrößte Stablecoin auf dem Kryptomarkt, mit einer Bewertung von rund 43 Mrd. Dollar. Stablecoins spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbindung von traditionellen und Kryptomärkten, wobei die meisten den Wert einer großen Währung wie dem Dollar folgen. Krypto-Händler verwenden sie wie Bargeld, um Wetten abzuschließen. Stablecoin-Betreiber verdienen in der Regel Zinsen auf die traditionellen Vermögenswerte, die ihren Token zugrunde liegen, wobei ein höheres Angebot im Umlauf die Einnahmen erhöht. Die Gruppe teilte am Montag mit, dass sie im dritten Quartal dieses Jahres einen Nettogewinn von 43 Mio. Dollar bei Einnahmen und Zinserträgen von 274 Mio. Dollar erzielt habe.

Bereits im Mai gerieten auch Stablecoins in die Schlagzeilen. Damals zerbrach das Terra/Luna-System. Die Kryptowährung Luna war an den eigenen TerraUSD-Token gebunden. Als Kunden immer mehr Geld aus dem System abzogen, geriet der Terra-Token unter Druck. Eigentlich sollten Schwankungen per Algorithmus ausgeglichen werden, doch das System geriet aufgrund des Bankruns an seine Grenzen. Der USD-Coin von Circle verspricht hier allerdings, sicherer zu sein: Anders als Terra/Luna soll der Token nämlich vollständig mit US-Dollar hinterlegt sein – also durch eine klassische Fiat-Währung und nicht durch eine (eigene oder andere) Kryptowährung. Auch deshalb halten Experten die Auswirkungen nach dem geplatzten Spac  vorerst für gering.

Pleiten und rasante Kursverluste in diesem Jahr

Viele börsennotierte Konzerne in der Kryptoindustrie sind in diesem Jahr stark unter Druck geraten. Die Aktien der in den USA börsennotierten Börse Coinbase gaben im Jahr 2022 um 80 Prozent nach, und die Papiere der Investmentgruppe Galaxy Digital von Mike Novogratz verloren 81 Prozent. Die Marktturbulenzen haben auch andere wichtige Akteure der Kryptobranche getroffen, darunter den Broker Genesis, der im vergangenen Monat die Abhebungen aus seinem Leihsystem gestoppt hat, und die Leihplattform BlockFi, die FTX in den Konkurs gefolgt ist.

Einige Tage nach dem Konkurs von FTX erklärte Circle, dass es nur ein minimales Engagement bei FTX und der Schwesterfirma Alameda Research habe. Anfang 2021 investierte das Unternehmen 10 Mio. Dollar in FTX und 600.000 Dollar in FTX US.

© The Financial Times Limited 2022

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