AktienSo starten Sie gut vorbereitet in die Dividendensaison

Kurstafel an der Frankfurter Börse
Kurstafel an der Frankfurter BörseDeutsche Börse

Deutsche Firmen haben ihre Aktionäre im vergangenen Jahr geradezu verwöhnt. Insgesamt schütteten sie rund 50 Mrd. Euro aus – mehr als je zuvor. In der diesjährigen Dividendensaison wird dieser Rekord wohl nicht gebrochen, schätzen Anlageprofis. Einige Schwergewichte der deutschen Wirtschaft haben angekündigt, ihre Ausschüttungen zu kürzen. Dennoch dürften Dividendenjäger im laufenden Jahr auf ihre Kosten kommen. „Die meisten Unternehmen, die schon Berichte vorgelegt haben, konnten gute Zahlen vorweisen“, sagt Jürgen Hackenberg, Leiter des Bereichs „Aktien Diversified“ bei der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. Er ist sich sicher: „Wer auf Dividenden aus ist, wird auch 2020 nicht enttäuscht.“

Die Dividendenrendite der Dax-Unternehmen liegt derzeit im Schnitt bei rund drei Prozent. In Zeiten, in denen sich mit Zinspapieren fast gar kein Geld mehr verdienen lässt, ist das ein stolzer Wert. „Dividendentitel bleiben eine gute Alternative zu Anleihen“, sagt Hackenberg. Die Dividendenrendite gibt das Verhältnis der Ausschüttung zum Aktienkurs an. Je höher der Kurs steigt, desto tiefer sinkt – bei gleichbleibender Höhe der Ausschüttung – die Dividendenrendite. Wer enttäuscht ist, dass momentan nicht mehr als drei Prozent drin sind, sollte daran denken, dass sich in dieser Zahl die Kursrally der vergangenen Monate widerspiegelt.

„Wir erwarten vom Versicherungssektor eine gute Dividendensaison mit steigenden Ausschüttungen“

Christoph Ohme

Obwohl deutsche Aktien nicht mehr günstig sind und ein neuer Ausschüttungsrekord unwahrscheinlich ist, ist es nicht zu spät, ein Portfolio aus dividendenstarken Papieren zusammenzustellen. Mit den richtigen Titeln freuen sich Anleger in der kommenden Zeit über steigende Ausschüttungen, statt sich über mickrige Zinsen zu ärgern. Wichtig dabei: eine umsichtige Sektor-Auswahl. „Man muss heute selektiver vorgehen als in früheren Jahren“, sagt Christoph Ohme, Fondsmanager bei der DWS.

Zu den klassischen Dividendenstars gehört unter anderem die Versicherungsbranche. Diese dürfte auch im laufenden Jahr nicht enttäuschen, sagt Ohme. „Wir erwarten vom Versicherungssektor eine gute Dividendensaison mit steigenden Ausschüttungen.“ Zu einzelnen Unternehmen darf sich der Fondsmanager nicht äußern. Insgesamt punkte die Assekuranz aber mit einer soliden Gewinnentwicklung, berichtet er. Was das für Dividendenjäger bedeutet, lässt sich etwa bei der Allianz beobachten: Sie hat ihre Ausschüttung in den vergangenen sechs Jahren stetig gesteigert, zuletzt zahlte sie 9 Euro je Aktie. Der Versicherer will regelmäßig die Hälfte seines Jahresüberschusses an die Aktionäre ausschütten. Im laufenden Jahr könnte die Dividende also weiter steigen.

Daimler und Telekom senken Dividende

Auch Unternehmen aus der Automobilbranche zahlen traditionell hohe Dividenden. Dort ist jetzt allerdings Vorsicht geboten, denn die Branche steht unter Druck. Der Wandel hin zu Elektromobilität und autonomem Fahren macht den etablierten Autoherstellern zu schaffen, auch der Dieselskandal ist noch nicht verdaut. Auf kurze Sicht könnten Umsatzeinbußen durch die Coronavirus-Epidemie hinzukommen. Der Auto-Riese Daimler hat wegen schwächelnder Gewinne bei der Dividende die Axt angesetzt: Statt wie zuletzt 3,25 Euro gibt es dieses Jahr nur noch 90 Cent je Aktie. Damit senkt der Autobauer die Ausschüttung stärker als von Analysten erwartet.

Als zweites Dax-Schwergewicht kürzt in der diesjährigen Saison die Telekom ihre Dividende. Trotz solider Gewinnprognosen soll die Ausschüttung um 10 Cent auf 60 Cent je Aktie schrumpfen. Nicht nur wegen der Hausse des vergangenen Jahres, sondern auch wegen der Kürzungen bei Daimler und der Deutschen Telekom liegt die Dividendenrendite im Dax derzeit etwas niedriger als im Jahr 2019. Anleger, die ein ausschüttungsstarkes Portfolio aufbauen wollen, sollten dennoch in erster Linie Standardwerte wählen und Nebenwerte höchstens als Beimischung einsetzen, rät DWS-Manager Ohme.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden