PreisanstiegSo können Anleger auf Rohstoffe setzen

Gesteinsbrocken mit Kupfer
Gesteinsbrocken mit Kupfer: Das Metall ist wegen des Trends zur E-Mobilität gefragtGetty Images

Was für die Industrie schlecht ist, ist normalerweise auch nicht gut für die Anleger. Zumindest dann, wenn sie stark auf Aktien setzen. Denn natürlich hängen die Kurse in erster Linie vom Unternehmenserfolg ab und davon, ob die Geschäftsergebnisse der Firmen gut oder schlecht sind. Ob sie also viel Gewinn erzielen. Es gibt nun einen Faktor, von dem die Unternehmen fürchten, dass er sich künftig merklich auf ihr Geschäft auswirken könnte, weil er den Gewinn schmälern wird – die Preise der Rohstoffe. Sie werden wohl steigen. Und genau das könnte für Anleger auch eine gute Nachricht sein.

Die Warnzeichen jedenfalls sind eindeutig, findet die Unternehmensberatung Boston Consulting Group: Laut einer Umfrage unter Einkäufern von rund 100 größeren deutschsprachigen Firmen klagt bereits fast jeder zweite Zuständige, dass die Versorgung mit Rohstoffen zuletzt schwieriger geworden sei als in der Vergangenheit. Sie seien einfach nicht mehr so verfügbar wie bisher. Das habe bereits spürbar das Geschäft beeinträchtigt. Drei von vier Beschaffern rechnet daher im kommenden Jahr mit weiter steigenden Preisen für Rohstoffe. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass sie mäßig steigen werden, 14 Prozent befürchten sogar einen starken Anstieg. Und der wirke sich unmittelbar aus: 70 Prozent der Unternehmenseinkäufer geben an, die Rohstoffpreise hätten den höchsten Einfluss auf den Geschäftserfolg. Damit rangierten sie noch weit vor Faktoren wie „steigender Wettbewerbsdruck“ oder „zu wenig Personal“. Lediglich zehn Prozent der Einkäufer sieht keine Versorgungsprobleme in diesem Bereich. Ein Jahr zuvor waren es noch 25 Prozent.

Vor allem die Metalle sind schwerer zu beschaffen. Eisenmetalle und Stahl nennen 40 Prozent der Firmen als Problemwaren. Das Aluminium macht sich ebenfalls rar. Und Kunststoffe sind auch nicht mehr so üppig zu bekommen oder eben teurer. Ganz oben auf der Liste steht aber Kupfer. Jüngst warnten Vertreter vom Bundesverband der deutschen Industrie und die Deutsche Rohstoffagentur, dass vor allem jene Materialien bald nicht mehr ausreichend zu haben sein würden, auf die sich der Hype um die Elektromobilität stützt. Jene Stoffe nämlich, die sich in den Lithium-Ionen-Batterien finden, die nun massenhaft hergestellt werden müssten, wenn die Schar der E-Autos ins Rollen kommen soll: Kobalt, Graphit, Lithium, Mangan. Denn all das müssen deutsche Firmen aus dem Ausland einführen und sie können diese Stoffe kaum aus eigener Kraft ersetzen.

Droht tatsächlich eine Rohstoffknappheit?

Was das für die Elektromobilität heiße – und ob die Fördermengen in diesem Bereich nun wirklich schon auf absehbare Zeit knapp werden – bleibt vorerst Spekulation. Es gibt ebenso gut andere Experten auf dem Gebiet, die das rundweg verneinen und sagen, die Rohstoffe für E-Autos seien bis 2050 reichlich vorhanden. Es gibt jedoch immer zwei Treiber beim Thema Rohstoffe und das bloße Vorkommen solcher Stoffe allein reicht dabei nicht.

Einerseits kommt es natürlich auf die Nachfrage an: Brummt die Weltwirtschaft, wie derzeit, dann verarbeiten die großen Volkswirtschaften enorme Mengen von Rohstoffen. China und die Vereinigten Staaten sind hier sicherlich die größten Verbraucher, die somit auch die Preise stark mitbestimmen. Schwächelt einer von ihnen, so macht sich das sofort in den Preisen bemerkbar.

Andererseits hängen die Kurse der Stoffe aber auch davon ab, wie reichlich gefördert wird, wie groß also das Angebot auf dem Weltmarkt ist. Neue Vorkommen werden immer wieder entdeckt, zum Beispiel auch bei Kupfer. Doch bevor eine Kupfermine sie zutage fördern kann, müssen erst mal Anlagen gebaut und die Stollen erschlossen werden. Das dauert oft viele Jahre und kostet viele Millionen Dollar. Damit ist aber auch klar, dass der Rohstoffmarkt nicht immer nur zeitgleich mit der Konjunktur reagiert, sondern auch einen eigenen Schweinezyklus hat: Läuft die Weltwirtschaft gut, werden neue Vorkommen erschlossen. Doch gelegentlich kommen die neuen Fördermengen erst dann auf den Markt, wenn der Konjunkturzyklus schon wieder abebbt. Oder aber das Wirtschaftswachstum legt rasant zu und die Erschließung neuer Fördergebiete kommt gar nicht schnell genug hinterher. In solchen Fällen kann es also durchaus zu Engpässen kommen.