GeldanlageSelbstschutz für Anleger

Lesen Verkaufsprospekt
Ein Verkaufsprospekt gehört zu den selten gelesenen Dokumenten

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Viel hilft viel, so denken manche Menschen und langen noch einmal richtig zu. Egal ob beim Sport, beim Lernen, beim Schenken, bei der Aufnahme von Vitaminen oder Informationen – besser man bekommt vom Guten ein bisschen mehr, als auch nur ansatzweise zu wenig. So dachte es sich auch der Gesetzgeber, als er das Kleinanlegerschutzgesetz auf den Weg brachte. Es soll noch im Frühling in Kraft treten und Privatleuten künftig das Geldanlegen erleichtern. Es will nämlich für eine bessere Information der Kleinanleger bei bestimmten Kapitalanlagen sorgen. Die Idee an sich ist gut, aber das Gesetz höchst umstritten. Denn weniger wäre in diesem Falle mehr gewesen.

Natürlich würden sich viele Beteiligte mehr Information wünschen. Gerade bei komplizierten Beteiligungsmodellen, also auf dem weitgehend unregulierten Grauen Kapitalmarkt. Der vernichtet regelmäßig große Summen, weil Anleger allzu oft in Papiere investieren, deren Konstruktion sie kaum verstehen und deren Risiko sie unterschätzen. Weil sie Firmen glauben, die mit Ertragsprognosen am Markt auftreten, die sie später leider nicht einhalten können. Nun ist die gesamte Finanzbranche zuletzt nicht gerade dadurch aufgefallen, dass sie Produkte für Kunden verständlich konstruierte. Von daher wären genauere Erklärungen durchaus wünschenswert. Doch wie müssten sie aussehen?

„Aktionsplan“ samt „Maßnahmepaket“

Klar ist für viele Beteiligte: Dieses Land braucht mehr Anlegerschutz. Das sagt die Bundesregierung und das bekräftigen auch Verbraucherschützer. Zuletzt zeigte die Großpleite der Windkraftfirma Prokon das wieder einmal eindrucksvoll. Gut 75.000 Anleger können dadurch rund 1,4 Mrd. Euro in den Wind schreiben. Die Prokon-Insolvenz war auch Auslöser für das neue Gesetz, das nun so schnell wie möglich kommen soll.

Sie war aber längst nicht der einzige Fall, bei dem Privatleute viel Geld am unregulierten Kapitalmarkt verloren haben: Rund 450 Schifffonds soffen in den vergangenen Jahren ab, Film-, Medien- und Immobilienfonds bescherten hohe Verluste, Wohnungen entpuppten sich als Schrottimmobilien und Biogasanlagen als Hochrisikoprojekte. Jahr für Jahr, so schätzte eine Studie im Auftrag des Justizministeriums, versenken Anleger rund 20 bis 30 Mrd. Euro, weil sie wegen mangelhafter Information und Beratung die falschen Vermögensanlagen kaufen und diese oft vorzeitig mit Verlust wieder abstoßen. Das ist Grund genug, einen „Aktionsplan“ samt „Maßnahmepaket“ aufzusetzen, um Totalausfälle künftig zu verhindern, meint die Politik.

Die spannende Frage ist nur: Wie lassen sich Anleger besser schützen? Mit mehr Information, glaubt das Gesetz. Künftig müssen alle Anbieter von Beteiligungen, Genussscheinen, Nachrangdarlehen und Crowdfunding einen Verkaufsprospekt vorlegen, egal ob es um die Investition in Teakholzplantagen, Frachtcontainer, Dorfläden oder erneuerbare Energieanlagen geht. Im Prospekt müssen sich Angaben zur Firma, den Finanzdaten und Risiken finden, die mit der Investition verbunden sind.