Peter Seppelfricke Schnäppchenjagd: Welche Aktien nun die Profis kaufen

Auch der Dax wird grüner
Bei der Betrachtung des Kursindex verliert der Dax viel von seinem Glanz
© STPP / IMAGO
In den vergangenen Monaten wurden die Kurse von zahlreichen Aktien kräftig zusammengestaucht. Bei einigen Aktien eröffnen sich deshalb schon wieder günstige Einstiegsmöglichkeiten.

Der Dax-Kursindex führt neben den bekannten Indizes der Deutschen Börse ein Mauerblümchendasein. Im Gegensatz zu seinem weltweit bekannten Bruder - dem Dax-Performanceindex – wird der Kursindex von vielen Anlegern kaum beachtet. Der Dax-Kursindex erfasst nur die Kurssteigerungen der im Index enthaltenen Aktien, während der Performanceindex zusätzlich auch die Dividendenzahlungen der Indexwerte abbildet.

Die eingehende Betrachtung des Dax-Kursindex liefert interessante Erkenntnisse. Die Kurse der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben sich seit der Jahrtausendwende kaum verändert. Oder anders formuliert: Mit deutschen Aktien konnten Anlegern in den vergangenen 20 Jahren kaum Kursgewinne erzielen. Die Performance für die Anleger in deutschen Aktien resultierte nahezu ausschließlich aus den gezahlten Dividenden. Während der Dax-Kursindex deshalb auf der Stelle trat, konnte sich der Dax-Performanceindex aufgrund der Dividenden im gleichen Zeitraum in etwa verdoppeln.

Anmerkungen: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ. Es werden jeweils die Mediane für die verschiedenen Indizes angegeben.
Anmerkungen: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ. Es werden jeweils die Mediane für die verschiedenen Indizes angegeben.

Die Stagnation der Aktienkurse auf breiter Front ist besonders erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sich Wirtschaft und Unternehmensgewinne in den vergangenen Jahrzehnten sehr dynamisch entwickelt haben. Allein die Geldentwertung seit der Jahrtausendwende betrug in etwa 55 Prozent, auch bei stagnierenden Absätzen hätten sich die Umsätze der deutschen Unternehmen deshalb im Mittel um etwa 55 Prozent erhöhen müssen. Tatsächlich haben sich die Umsätze jedoch seit der Jahrtausendwende in etwa verdoppelt, die Unternehmen sind deshalb auch real bzw. in konstanten Preisen (nach Abzug der Inflation) kräftig gewachsen. Die Ergebnisse (gemessen an den operativen EBIT-Ergebnissen) konnten sogar überproportional um ca. 200 Prozent gesteigert werden.

Die einfachen Überlegungen machen deutlich, dass die Aktienkurse im historischen Maßstab eher günstig sind. Dies bestätigt auch ein Blick auf verbreitete Bewertungskennziffern. Das KGV der Dax-Unternehmen beträgt aktuell ca. 11, bei den Unternehmen im MSCI-World werden die Unternehmen etwa mit dem 17-Fachen ihrer Gewinne gehandelt. Historisch betrachtet liegen die Kurse deshalb im Mittel etwa 30 bis 40 Prozent unter den durchschnittlichen Bewertungsniveaus der Vergangenheit.

Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
© PR

Die historisch günstigen Bewertungen lassen sich zweifellos auf die zahlreichen Risikofaktoren zurückführen, die derzeit die Märkte belasten. Der anhaltende Ukraine-Krieg, die fortschreitende Deglobalisierung, steigende Rohstoffpreise und absehbar steigende Zinsen verunsichern aktuell sehr viele Anleger. Die Zeitenwenden in der Weltpolitik und in der Weltwirtschaft sollte jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass man Aktien aktuell vergleichsweise günstig erwerben kann. Langfristig orientierte Anleger – die vorübergehende Kurseinbrüche gelassen aussitzen können - sollten sich deshalb schon jetzt auf Schnäppchenjagd begeben.

Die Basis eines gehaltvollen Aktienscreenings sollten eigene Überlegungen zur Beurteilung und Bewertung von Unternehmen sein. Kluge und erfahrene Analysten sind jedoch demütig und wissen, dass man sich bei seinen Analysen auch irren kann. Es ist deshalb sehr hilfreich, auch die Entscheidungen von anderen kenntnisreichen Investoren zu berücksichtigen. Die Finanzmärkte sind sehr transparent und so lassen sich auch die Transaktionsdaten von Insidern (Vorständen, Aufsichtsräten), erfolgreichen Fondmanagern („Gurus“) oder auch von Short-Sellern auswerten.

Die Käufe von Insidern oder bewährten Gurus wie Warren Buffet sind ein deutliches Signal, dass die betreffenden Unternehmen über aussichtsreiche Perspektiven verfügen. Derartige Käufe können eigene, positive Einschätzungen untermauern. Die Verkäufe von Short-Sellern sollten dagegen als Ausschlusskriterium dienen. Short-Seller (z.B. Hedgefonds) verfügen häufig über brisante, nicht-öffentliche Informationen und derartige Leerverkäufe sind deshalb ein deutliches Warnsignal, die entsprechenden Aktien zu meiden.

Die Ergebnisse dieses Aktienscreenings, bei der sowohl eigene Analysen als auch die Käufe/Verkäufe von kenntnisreichen Anlegern ausgewertet wurden, zeigt die folgende Tabelle. Es offenbart sich, dass die Profis mittlerweile auch wieder Tech-Werte wie Apple oder Microsoft kaufen. Aber auch eher unbekannte Unternehmen wie die französische Versicherungsgesellschaft SCOR werden von Insidern gesucht und weisen günstige Bewertungsrelation auf. Pharmawerte wie Roche oder erfolgreiche Banken wie UBS oder Wells Fargo befinden sich ebenfalls auf den Kauflisten von Insidern oder Gurus. Deutsche Unternehmen muss man leider mit der Lupe suchen. Einzig Volkswagen schafft es in dieses aussagekräftige Ranking.

Die Aktien der Profis

Anmerkungen: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ. Die Aktionärsrendite errechnet die Rendite auf das aktuell zu Börsenkursen gebundene Kapital. Eine genaue Berechnung findet man unter https://www.vi-research.com/post/2017/11/07/aktion%C3%A4rsrendite-shareholder-return . Die Transaktionen von Insidern, Gurus oder Short-Sellern werden für die letzten vier Quartale angegeben.
Anmerkungen: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ. Die Aktionärsrendite errechnet die Rendite auf das aktuell zu Börsenkursen gebundene Kapital. Eine genaue Berechnung findet man unter https://www.vi-research.com/post/2017/11/07/aktion%C3%A4rsrendite-shareholder-return . Die Transaktionen von Insidern, Gurus oder Short-Sellern werden für die letzten vier Quartale angegeben.

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