VersicherungenRisikoschutz: Diese vier Policen sollte jeder haben

Für einen guten Risikoschutz reichen schon wenige Policen
Für einen guten Risikoschutz reichen schon wenige PolicenGetty Images

Es gibt Tage, die man am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Weil etwas Unvorhergesehenes passiert und eine Katastrophe plötzlich alles ins Wanken bringt. So einen Tag hatten zwei Ausflügler erwischt. Als ein Mann bei herrlichem Sommerwetter zu einer Radtour startete und einem Schlagloch auswich, rammte er eine entgegenkommende Radfahrerin, die stürzte und sich so schwer verletzte, dass sie nun querschnittsgelähmt ist. Sie konnte zeitweise nicht mehr arbeiten und musste ihre Wohnung rollstuhlgerecht umbauen. Schaden: 2 Mio. Euro.

Wer so eine Tragödie überstehen will, tut sich leichter, wenn das private Rettungsnetz stimmt. Wenn er Familie und Freunde an seiner Seite weiß und ein solider Risikoschutz wenigstens die finanziellen Folgen abfedert. Denn vor einem Unglück ist niemand gefeit, und jeder kann einen Schaden verursachen: ob als Radfahrer oder weil in einem unbeachteten Moment der Speck in der Pfanne das Haus in Brand setzt oder der Schlüssel für das Büro verloren geht. Für solche Schäden muss man, sagt das Gesetz, bis zum letzten Cent haften.

Solides Risikomanagement ist daher die Basis für jeden Vermögensaufbau. Das beste Anlagekonzept und die gewieftesten Investments nutzen nichts, wenn ein Unglück alle Sparanstrengungen zunichtemacht. Oder gar der persönliche Bankrott droht.

„Es geht darum, die Prioritäten richtig zu setzen – und nicht am falschen Ende zu sparen“

Stefan Albers

Die gute Nachricht ist: Eine tragfähige Absicherung ist eigentlich eine Sache von ein paar Tagen – und häufig nicht mal wirklich teuer. Um existenzbedrohende Gefahren auszuschalten, müssen sich die meisten Deutschen neben dem obligatorischen Krankenschutz höchstens um vier Policen kümmern. Bei Berufseinsteigern genügen oft Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsschutz und – bei Reisen  – eine Auslandsreisekrankenpolice. Für alle, die eine Familie oder einen Partner versorgen, kommt noch eine Risikolebensversicherung hinzu.

„Es geht darum, die Prioritäten richtig zu setzen – und nicht am falschen Ende zu sparen“, sagt Stefan Albers, zugelassener Versicherungsberater in Montabaur. Beim Katastrophenschutz seien hohe Beträge wichtig, unabhängig davon, wie unwahrscheinlich ein Risiko ist. Denn was nutzt eine Erstattung von 1 Mio., wenn der Schaden mehr als 10 Mio. Euro beträgt?

Nur ein paar Policen für den Risikoschutz

So etwas muss nicht passieren, niemandem. Denn eine hohe Deckung über 50 Mio. Euro, die selbst Pessimisten ruhig schlafen lässt, kostet jährlich oft nur ein paar Euro zusätzlich. Das ist kleines Geld für ein großes Plus an Sicherheit.

Viel zu niedrige Summen sind einer der Gründe, warum es sich auch für Kunden mit älteren Verträgen lohnt, die Haftpflicht immer mal wieder zu checken – idealerweise alle zwei bis drei Jahre. „Ich sehe öfter noch alte Verträge über 1 Mio. Euro“, sagt Berater Albers. Als Existenzschutz tauge das nicht. Hinzu kommt, dass moderne Verträge häufig bessere Konditionen bieten. Welche drei Risiken höchste Priorität genießen (Reisepolice siehe unten) und worauf beim Schutz zu achten ist, zeigt der Überblick:

01 Haftung: unvorhersehbar

Ohne diese Police geht gar nichts: Ein Haftpflichtschutz gehört in jeden Haushalt. Die springt ein, wenn der Versicherungsnehmer anderen einen Schaden zufügt – sei es nun einer Person oder einer Sache. In so einem Fall ist Schadensersatz fällig – und zwar der Höhe nach unbegrenzt, im schlimmsten Fall ein Leben lang. Der Versicherer wehrt übrigens auch unberechtigte Ansprüche gegen seine Kunden ab.

  • Für wen? Den Schutz gibt es als Single- oder als Familientarif, der im Beispielfall rund 20 Euro teurer ist und alle Personen im Haushalt umfasst. Schäden, die man sich untereinander zufügt, sind dann allerdings ausgeschlossen. Kinder sind mitversichert, solange sie ledig, noch in der Schule oder in der ersten Ausbildung sind.
  • Worauf achten? Sie sollten klotzen, nicht kleckern: 10 Mio. Euro pauschal dürfen es schon sein, besser (und kaum teurer) sind 50 Mio. Zwei Extras sind wichtig: Der sogenannte Forderungsausfall verschafft Versicherten einen Vollkaskoschutz, der auch einspringt, wenn sie selbst geschädigt werden und der Verursacher pleite ist. Familien stellen zudem unbedingt sicher, dass Schäden durch deliktunfähige Kinder unter sieben (Verkehr: zehn Jahre) mitversichert sind. Sinnvoll ist es zudem, wenn die Police auch bei Gefälligkeiten und beim Verlust von Schlüsseln greift.
  • Was noch? Viele Risiken deckt eine Privathaftpflicht ab, aber nicht alle: Für Spezialrisiken wie Boote, Hunde, Pferde, Grundbesitz oder Öltanks und natürlich Autos sind eigene Verträge notwendig.

02 Invalidität: unterschätzt

Ihren größten Vermögenswert haben viele nicht im Blick: die Arbeitskraft. Wer im Jahr 50.000 Euro verdient, erwirtschaftet in 40 Berufsjahren 2 Mio. Euro. Viel Geld, erst recht, wenn es fehlt. Weil der Wegfall des Verdienstes existenzgefährdend ist und ein Jobausstieg häufiger vorkommt als man denkt, ist ein Berufsunfähigkeitsschutz (BU) für (fast) alle Pflicht. Die Police zahlt eine Rente, wenn man den zuletzt ausgeübten Job etwa aufgrund einer Krankheit aufgeben muss.

  • Für wen? Den Schutz benötigen alle, die von ihrer Arbeitskraft leben – und er sollte früh abgeschlossen werden, spätestens zum Berufsstart. Die BU-Police ist relativ teuer, in jungen Jahren aber günstiger als später. Zudem wird es mit zunehmendem Alter immer schwerer, die heikle Gesundheitsprüfung zu bestehen.
  • Worauf achten? Auf eine ausreichende Rente: 300 Euro im Monat reichen nicht, mindestens 1000 Euro sollten es sein – idealerweise bis zum Alter von 67. Zu den wichtigen Konditionen zählt auch eine sogenannte Nachversicherungsgarantie: Sie bietet die Chance, eine kleine (und günstige) Anfangsrente zu bestimmten Zeitpunkten wie etwa einer Heirat aufzustocken – ohne neuen Gesundheitscheck. Das Ausfüllen der Antragsformulare erfordert viel Arbeit, doch die zahlt sich aus.
  • Was noch? Für Handwerker, Krankenschwestern und körperlich Tätige wird es immer schwieriger, einen bezahlbaren BU-Schutz zu bekommen. Sie sollten es aber versuchen, weil alternative Angebote wie Erwerbsunfähigkeitspolicen nur eine Teilabsicherung bieten.

03 Tod: leider möglich

Um Kunden das Risiko bewusst zu machen, greifen Berater mitunter zur Schocktherapie: „Und wie stellen Sie sich das Leben Ihrer Familie nach der Beerdigung vor?“ Das ist brutal, rüttelt aber auf. Zum Glück lässt sich das Problem günstig lösen: mit einer Risikolebenspolice. Sie sichert Hinterbliebenen nach einem Todesfall eine hohe Geldsumme.

  • Für wen? Familien mit kleinen Kindern benötigen einen Vertrag oder Eheleute, die ihren Partner – etwa wegen Schulden oder fehlendem Einkommen – finanziell ab-sichern wollen.
  • Worauf achten? Bloß nicht knausern. Familien mit Kindern schließen nach einer Faust-regel das vier- oder fünffache Jahreseinkommen ab, am besten bis zum Ausbildungsende des jüngsten Kindes. Klingt viel, aber die Kosten sind hoch, wenn eine Hilfe zur Kinderbetreuung notwendig wird und der Nachwuchs studieren will. Eine grobe Aufstellung der absehbaren Kosten lohnt sich. Ansonsten ist die Police erfreulich schlicht: Es gibt kaum Fallen, der Versicherungsfall ist klar, und geleistet wird ohne Sperenzchen. Bei den Konditionen sollten Kunden auf Flexibilität achten und Preise-
    vergleichen. Die Prämien unterscheiden sich um bis zu 500 Prozent.
  • Was noch? Unverheirateten bietet ein Vertrag zudem die Chance, Erbschaftsteuer zu sparen, wenn sie sich über Kreuz versichern: Partner A ist Versicherungsnehmer und bezugsberechtigt, Partner B die versicherte Person. Stirbt B, kassiert A das Geld aus der Versicherung steuerfrei. Und umgekehrt natürlich.

So ein Sicherheitsnetz gegen Großschäden sollte sich jeder leisten. Anders als die Queen von England können nämlich die wenigsten nach einem Unglück Riesensummen aus ihrer Privatschatulle zuschustern – oder auf Eintrittsgelder hoffen: Damit finanzierte Elizabeth II. nach einem Großbrand im Jahr 1992 den Wiederaufbau von Schloss Windsor, der stattliche 50 Mio. Euro verschlang.


Risiko Reise: Nicht bloß für Weltenbummler

Zusätzlich zum gesetzlichen (und häufig auch zum privaten) Krankenschutz benötigen die meisten eine Auslandsreisekrankenversicherung – jedenfalls wenn sie gern unterwegs sind. Der Schutz füllt zwei gefährliche Lücken:

Lücke 1: Rücktransport

Für die schnell fünfstelligen Kosten von Rücktransporten aus dem Ausland kommen gesetzliche Kassen nie auf, Privatpolicen nicht immer. Am besten sind Klauseln, die schon beim „medizinisch sinnvollen oder vertretbaren“ und nicht erst beim „medizinisch notwendigen“ Transport greifen.

Lücke 2: Behandlung

Weil die gesetzliche Kasse in vielen Reiseländern wie Thailand oder den USA nicht leistet, wird ein Unfall ohne Police schnell zum ruinösen Risiko. Selbst in Europa helfen viele Ärzte nur gegen Bares weiter, oder die Kasse erstattet später lediglich einen Teilbetrag.