Konjunktur Risiko Omikron-Rezession

Fast leeres Einkaufszentrum in Leipzig
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© Jan Huebner / IMAGO
Ist die Corona-Variante Omikron ein Risiko für Wirtschaft und Kapitalmärkte? Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater will zunächst die Ergebnisse der Wissenschaft abwarten, hat sich aber schon einmal Gedanken gemacht, was im Fall einer Omikron-Rezession drohen könnte

Eigentlich wollte Ulrich Kater an diesem Morgen einen Ausblick auf Wirtschaft und Kapitalmärkte geben. Doch plötzlich ist alles anderes, hinter den Prognosen des Deka-Chefvolkswirts für 2022 steht ein großes Fragezeichen. Die Unsicherheit trägt den Namen Omikron, die neueste Variante des Corona-Virus. „Wir müssen abwarten, bis wir genügend über die Gefährlichkeit von Omikron wissen“, mahnt Kater, spricht zugleich jedoch von „einer neuen Schreckensnachricht von der Virus-Front“.

Möglicherweise ist Omikron harmlos, möglicherweise aber auch nicht. Für den zweiten Fall hat Kater sich Gedanken über die Konsequenzen für Wirtschaft und Kapitalmärkte gemacht. Sollte es zu erneuten Kontaktbeschränkungen in großem Stil in den nächsten Wochen kommen, würde die Wirtschaft „zurückgeworfen auf den Beginn der Pandemie“. Deutschland könnte dann wieder in die Rezession abrutschen. Kater prognostiziert in diesem Fall einen Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung in 2022 um 1,1 Prozent. In seinem Hauptszenario, in dem Omikron die wirtschaftliche Erholung kaum berührt, geht er hingegen von einem starken Wachstum von 3,7 Prozent aus. Eine „Omikron-Rezession“ ist also eindeutig ein Risikoszenario, das in Deutschland wegen der niedrigen Impfquote besonders durchschlagen würde.

Jahresendstillstand statt Jahresendrally

Die US-Wirtschaft hält Kater selbst für den Fall von schwerwiegenden Problemen mit Omikron für deutlich robuster. Sie würde dann wohl noch immer um 2,5 Prozent wachsen statt 3,9 Prozent in seinem Hauptszenario.

Für die Aktienmärkte wäre ein Omikron-Risiko nach Katers Einschätzung eindeutig negativ. „Wir erleben statt der Jahresendrally dann einen Jahresendstillstand.“ Zum Jahresende hin drohten gar „deutliche Kurseinbrüche“. Es könnte also zu einer Korrektur der Kurse kommen, dann aber wohl mit einer langsameren Erholung als im Frühjahr 2020. Allerdings: Ein Omikron-Einbruch biete Anlegenden die „Gelegenheit Positionen aufzubauen“.

Stützend könnte für die Aktienmärkte allerdings auch wirken, dass die Notenbanken die Geldpolitik weniger schnell straffen als es bisher erwartet wird – oder die Straffungsprogramme sogar sofort gestoppt würden. Das Zinsniveau bliebe dann Kater zufolge wohl auf dem aktuellen Niveau. Allerdings sind die Renditen am Rentenmarkt jüngst schon gefallen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell mit minus 0,35 Prozent, zu Monatsbeginn waren es noch minus 0,11 Prozent. Ein Zeichen für nachlassende Zinserhöhungsfantasien.

Auswirkungen sind schwer zu beziffern

Andeutungen in Richtung weniger Straffung machte am Montag bereits US-Notenbankpräsident Jerome Powell. „Der jüngste Anstieg der Covid-19-Fälle und das Auftreten der Omikron-Variante stellen Abwärtsrisiken für die Beschäftigung und die Wirtschaftstätigkeit dar und erhöhen die Unsicherheit für die Inflation“, erklärte der Fed-Chef. „Größere Besorgnis über das Virus könnte die Bereitschaft der Menschen verringern, persönlich zu arbeiten, was den Fortschritt auf dem Arbeitsmarkt verlangsamen und Unterbrechungen in der Versorgungskette verstärken würde.“

Welche Auswirkungen eine Omikron-Krise auf die Inflation hätte, ist Kater zufolge derzeit schwer zu beziffern. Sollte es erneut zu einer Art Lockdown kommen und die Produktion eingeschränkt werden, würde dies die Verspannungen in den Lieferketten verschärften. Die Folge wären steigende Preise. Zugleich seien die Energiepreise bereits „empfindlich zurückgezuckt“. Im Fall von Beschränkungen des öffentlichen Lebens und der Industrieproduktion würde sich dies weiter verstärken, der jüngste Einbruch des Ölpreises zeige dies bereits.

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