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Dani Parthum Lieber früh planen als bis 67 arbeiten

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Eine Studie hat herausgefunden, dass ein höheres Renteneintrittsalter bei Frauen zu einer schlechteren gesundheitlichen Verfassung führt. Ein Grund mehr, den Vermögensaufbau für das Alter strategisch anzugehen

In jungen Jahren ist das Alter weit weg. Gesellschaftlich hat sich die Definition ohnehin aufgelöst, wann jemand ins „Alter“ kommt. 50 sei heute das neue 30, lese ich auf Life-Style-Seiten. Und Menschen jenseits der 60 sind „Best Ager”. Es stimmt ja auch: Die heute 50-Jährigen in wohlhabenden Ländern leben gesünder und sind fitter als die Generationen vor ihnen. Dennoch hat mich das Studienergebnis des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom Oktober 2022 aufhorchen lassen.

Das DIW hatte untersucht, wie sich ein höheres Renteneintrittsalter auf die Gesundheit von Frauen auswirkt. Dabei ging es nicht um die Anhebung von 65 Jahren auf 67 Jahre, sondern um die sogenannte Altersrente für Frauen. Diese konnten Frauen unter bestimmten Voraussetzungen bis zu den Geburtsjahrgängen 1951 in Anspruch nehmen und bereits mit 60 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Dieses Frühverrentungsalter wurde mit der Rentenreform 1992 stufenweise angehoben – von 60 Jahren auf 63 zu heute 65 Jahren. In der DIW-Studie wurden Frauen der Jahrgänge 1951 und 1952 befragt, also die, die mit 60 noch abschlagsfrei in die Altersrente gehen, und diejenigen, die erst mit 63 ohne Abzüge eine Altersrente beziehen konnten. Welche gesundheitlichen Spuren die drei Jahre längere Erwerbstätigkeit hinterließ, war Gegenstand der Studie.

Der gesundheitliche Vergleich ist bemerkenswert: So häuften sich bei den älteren Frührentnerinnen die psychischen und stressbedingten Krankheiten sowie Stimmungsstörungen. Auch seien die Frauen, wenn sie bis 63 arbeiten müssten, häufiger übergewichtig und litten eher an Arthrose oder Rückenbeschwerden, heißt es im Bericht des DIW. Und das bei nur drei Jahren längerer Erwerbstätigkeit! Wie ist das dann, wenn Frauen bis 67 arbeiten müssen, weil sonst die Rente zum Leben nicht reicht?

Schon früh sich fragen: Wie will ich später leben?

Die Studienergebnisse sind ein Alarmzeichen und ein weiterer Grund, das mit der Rente nicht hängen zu lassen nach dem Motto: „Das hat Zeit, das gehe ich später an.“ Wir Frauen dürfen Rente, Geldanlage, Vermögensbildung nicht hängen lassen. Das schadet langfristig nicht nur unseren finanziellen Resesourcen – auch für das Alter. Es schadet unserer Gesundheit, wenn wir länger arbeiten müssen, weil uns Geld fehlt.

Sicher kommt es auf die jeweilige Erwerbstätigkeit an, die Abwechslung im Beruf, ob bewegungsarm oder -reich, ob psychisch herausfordernd oder voller Freude, körperlich anstrengend oder eher mäßig anstrengend und freilich die Anzahl der gearbeiteten Stunden.

Die Studie des DIW stupst uns aber sehr deutlich auf eine Frage, die die meisten von uns lange verdrängen: Wie lange will ich für Geld arbeiten? Vollzeit oder Teilzeit, jedenfalls täglich. Wirklich bis 67, bis die Regelaltersrente abschlagsfrei gezahlt wird? Oder doch lieber nur bis 63 oder sogar 60, damit ich noch zwei oder drei Jahrzehnte gesund leben kann?

Optionen schaffen, um eine Wahl zu haben

Natürlich könnten wir so hineinstolpern ins Alter und dann sehen, wie körperlich und psychisch belastbar wir noch sind und es weitergeht im Job. Geht auch. Klüger ist aber, sich Optionen zu eröffnen, um sich in die Lage zu versetzen, die Wahl zu haben. Die Wahl aus: Möchte ich weiter arbeiten? Und wenn ja, in welchem Umfang? Oder muss ich berufstätig sein, länger als 67 Jahre, eventuell sogar Vollzeit, weil sonst mein Geld – und die Rente – viel zu knapp sind?

Solche Optionen eröffnen wir uns nicht mit Abwarten oder Ausreden oder Versicherungslösungen à la Riester oder kapitalgebundenen Rentenversicherungen, sondern mit Handeln und dem eigenverantwortlichen Aufbau einer zusätzlichen Rente zum Beispiel über Aktienvermögen oder den Kauf von Immobilien, die wir vermieten. Das Wissen dazu lässt sich aneignen.

Natürlich können wir in unseren 30ern oder 40ern nicht sicher beantworten, wie lange wir arbeiten wollen, möchten, können. Deshalb ist es ja so wichtig, an Optionen bereits in jungen Jahren zu denken und strategisch Vermögen aufzubauen – für was dieses Vermögen dann auch immer verwendet wird. Für die Rente brauchen wir auf jeden Fall einen Lückenschließer, weil die gesetzliche Rente nicht ausreicht, um den Lebensstandard der Berufstätigkeit zu halten.

Eine existentielle Frage, freilich nicht nur für Frauen

Die Winterzeit ist eine gute Zeit, sich genau mit solchen Fragen zu beschäftigen: mit den Optionen für das eigene Leben. Entwerfen Sie einen Lebensplan, einen langfristigen Finanzplan für Ihr Leben. Das kann so früh wie möglich sein. Je jünger wir sind, desto niedriger sind die Investitionsbeträge, die wir einsetzen müssen, um nach 30, 40 Jahren ein stattliches Vermögen aufgebaut zu haben. Eine Lebensplanung werden Sie zwar immer wieder umwerfen und an Ihr Leben anpassen. Das spricht aber in keiner Weise gegen sie.

Ein Vermögen entlastet von der Bürde, für Geld arbeiten zu müssen. Wir können dann arbeiten, weil uns unser Beruf begeistert, weil wir gern mit jungen Menschen zusammen sind oder für andere da sind. Dann können wir auch soviel arbeiten, wie es uns gut tut. Erst mit 55 oder gar erst 60 darüber nachzudenken, wie lange Frau noch erwerbstätig sein will und kann, wenn im Zweifel schon die Kräfte schwinden, lässt dann meist nur noch wenig Spielraum.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Außerdem ist sie Teil der BRIGITTE Academy Masterclass Finanzen, einem achtwöchigen digitalen Finanz-Intensivkurs, und hilft den Teilnehmerinnen u.a. ihre ganz persönliche Geldbeziehung besser kennenzulernen: Jede Frau kann eine Anlegerin sein und ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen!

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