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Dani Parthum Lasst uns über Geld reden (und nicht nur über Yoga, Kinder und Kochen)

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Frauengespräche drehen sich meist um das Wesentliche des Lebens: Gesundheit, Essen, soziale Beziehungen, Kinder, Gefühle. Eines sparen Frauen dabei oft aus: die persönlichen Finanzen. Ein großer Fehler

Meine Kursteilnehmerin war beschwingt und glückselig motiviert. Sie wolle künftig mit ihren Freundinnen und Bekannten viel offensiver über Geld reden, sagte sie mir im Feedbackgespräch. Wörtlich meinte sie: „Das ist mein neuer Anspruch an mich: Ich will mich mit Frauen über Finanzen und ETFs unterhalten wie über Yoga, Kinder und Kochen.” Was für ein Satz! Plakativ und voller positiver Energie.

Eine wundervoller Vorsatz, der hoffentlich Kreise zieht, weil wir Frauen uns viel zu selten über Geld austauschen. Dabei reden Frauen über alles mögliche und das teils sehr intensiv. Über Kinder – stundenlang. Oder die Partner. Den Job. Äußeres wie Mode, Frisur, Kosmetik. Da werden Erfahrungen geteilt, Meinungen eingeholt, da wird zugehört, das Leben reflektiert, getröstet, gemeinsam eine Lösung für ein Problem überlegt. Gespräche mit anderen Frauen bedeuten viel.

Die persönlichen Finanzen tauchen in Frauengesprächen kaum auf. Vielleicht wird mal das geringe Gehalt bemängelt oder der nicht gezahlte Unterhalt. Das war es dann aber auch. Da weiß die Freundin nicht, was ihre Beste verdient oder wie sie mit ihrem Partner die Finanzen regelt, wie die Einkommen verteilt werden, wer welche Ausgaben trägt und wie eine zusätzliche Altersvorsorge aufgebaut wird. Oder das gemeinsame Eigenheim abbezahlt wird. Stehen beide im Grundbuch oder ist die Immobilie als einzige Altersvorsorge gedacht? Was steht im Ehevertrag und gibt es überhaupt einen und warum? Und wie fühlt sich Frau damit? Was ist mit den finanziellen Entscheidungen als Paar? Werden die bewusst getroffen oder automatisch, weil es sich so ergeben hat? So viele, so wichtige Themen, die sehr selten besprochen werden unter Frauen.

Offener Austausch über Finanzen wird gewünscht

Oder haben Sie mal Ihre Kollegin gefragt, welche Haushalts-App sie nutzt, ob überhaupt eine und was sich dadurch bei ihr verändert hat? Welche Spartricks es gibt, wie sie Rücklagen bildet, welche Bank gut ist und warum, wie sie sich Haus und Auto leisten kann und mit dem gerade erhaltenen Erbe umgeht und was es emotional mit ihr macht?

Das Paradoxe daran ist: Ich stelle in meiner Arbeit als Finanzcoach sehr oft fest, dass Frauen sich einen offenen Austausch über finanzielle Themen sehr wünschen. In meinen Kursen bedanken sich die Teilnehmerinnen oft am Ende, dass sie so offen über sich, die eigenen Finanzen, Unsicherheiten damit und generelle Fragen sprechen konnten. Dass sie gesehen wurden mit ihren Sorgen, Ängsten und Wünschen. Und die anderen zuhörten, ihre Erfahrungen teilten und einfach mal da waren und unterstützten. Nicht immer geht es ja sofort um das Finden einer Lösung. Wenn wir über Probleme sprechen, denken wir darüber nach und es tun sich für uns neue Welten und Lösungsansätze azf. Nur, weil wir unverstellt darüber sprechen können, was uns bewegt.

Wir Frauen teilen ähnliche Biografien. Deshalb teilen wir auch ähnliche Finanzfragen, ähnliche Lebensumstände.

Ich lerne immer wieder Frauen kennen, die in der Öffentlichkeit selbstbewusst auftreten, mir im Vertrauen aber später erzählen, dass sie in Partnerschaften nicht so selbstbewusst sind und das Zepter oft an den Partner abgeben (was oft alles Finanzielle beinhaltet). Würden sich Frauen so selbstverständlich über Finanzen und ihre Auswirkungen auf das Leben unterhalten, sich auch hier „Rezepte” an die Hand geben, Erfahrungen teilen, sie gemeinsam bewerten und neu denken – ich bin mir sicher, die persönlichen und vor allem auch partnerschaftlichen Finanzen sähen anders aus. Die Stundenlöhne wären höher, genau wie die Altersvorsorge und Frauen weniger abhängig.

Dass wir nicht drüber reden, schadet uns

Dass wir Frauen uns nur so selten über Geld austauschen, schadet vor allem uns selbst. Und was Frauen schadet, schadet der Gesellschaft und den nächsten Generationen. Einfach mal das Thema unter Freundinnen, Kolleginnen oder in der Familie ansprechen – das trauen sich viele Frauen aber nicht. Der Anfang fällt schwer.

Warum? Ich vermute, weil viel Scham im Spiel ist. Statistiken belegen leider eindrucksvoll, dass die wenigsten Frauen — vor allem, wenn sie verheiratet sind — ein Einkommen erzielen, von dem sie leben können. Die Mehrheit der Frauen in Deutschland ist also finanziell abhängig. Von Ehepartnern und Ehepartnerinnen, von Eltern, vom Staat. Diese Abhängigkeit ist den meisten Frauen sehr bewusst, und sie schämen sich dafür. Und sie schämen sich, die Finanzen abgegeben zu haben. So haben es mir viele Frauen schon erzählt. Diese Scham wiegt schwer, nicht für sich selbst finanziell sorgen zu können oder Gesprächen darüber auszuweichen — mit dem Partner, der Partnerin, dem Arbeitgeber etc.

Hier braucht es Mut, die Scham zu überwinden. Diesen Mut können Frauen beispielsweise tanken, indem sie miteinander über Geld reden. Denn dann sehen sie, wie andere Frauen diese Dilemmata lösen, wie sie mit Geld umgehen und sich in der Partnerschaft über die Finanzen auseinandersetzen. Denn wenn eine Partei finanziell von der anderen abhängig ist, verschieben sich die Machtstrukturen in einer Beziehung. Von Gleichheit kann dann nicht gesprochen werden.

Über Geld spricht man nicht, heißt es

Dazu kommt ein geringes Wissen über Finanzen generell, über Vermögen, Börse, Wirtschaft und damit verbunden ein geringes Selbstbewusstsein, sich eine Meinung zu den großen Geldthemen wie Vermögen, Altersvorsorge und Erbe zu bilden. Und dann sind da noch die alten „Gewissheiten”, die uns wie Klötze am Bein hängen und noch nie wahr waren: Rede nicht über Geld, das macht neidisch. Oder: Über Geld spricht man nicht, das hat man, was ja impliziert: Wer über Geld redet, hat es offensichtlich nicht. Und wer will das schon zugegeben!  

Was für alte Hüte, um Menschen bei allem Finanziellen klein zu halten.

Ich finde, das ist ein hervorragender Vorsatz für das nächste Jahr, mit den Frauen um uns herum über Geld ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Wir wachsen daran. Und unsere Männer mit. Denn auch Männer — soviel Ehrlichkeit darf an dieser Stelle auch sein — reden auch sehr selten über diese persönlichen Finanzthemen. Sie protzen eher mit (teils hoch riskanten) Investments, als mit den Kumpels zu besprechen, wie sie ihre Finanzen partnerschaftlich organisieren.

Holen wir das Thema in unser Leben, Frauen! Sparen wir es weiter aus, werden finanzielle Abhängigkeiten und Schieflagen bleiben, in allen gesellschaftlichen Bereichen und damit schaden wir uns selbst. Fassen Sie sich also ein Herz und fragen Ihre beste Freundin, was sie gerade finanziell am meisten belastet, wo sie nach einer Lösung suchen. Oder sagen sie ihr einfach, dass sie sich gern mit ihr über Geld unterhalten möchten — über die Verteilung der Einkommen in der Ehe, über die Rente, die Altersvorsorge, Aktien, ETFs, Geldanlage generell oder ein Erbe, was auch immer. Sie werden erstaunt sein über die Tiefe der Gespräche und emotionale Nähe.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Außerdem ist sie Teil der BRIGITTE Academy Masterclass Finanzen, einem achtwöchigen digitalen Finanz-Intensivkurs, und hilft den Teilnehmerinnen u.a. ihre ganz persönliche Geldbeziehung besser kennenzulernen: Jede Frau kann eine Anlegerin sein und ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen!

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