ExklusivLakestar-Spac will Reise-Start-up Hometogo an die Börse bringen

Lakestar-Chef Klaus Hommels auf einer Start-up-KonferenzIMAGO / Fabian Matzerath

Der deutsche Start-up-Investor Klaus Hommels verhandelt mit seiner börsennotierten Firmenhülle Lakestar SPAC I über einen Kauf der Berliner Ferienhausplattform Hometogo. Das hat Capital aus Finanzkreisen erfahren. Durch die Übernahme würde Lakestar das 2014 gegründete Unternehmen an die Frankfurter Börse bringen. Denn bei der Firmenhülle handelt es sich um eine sogenannte Special Purpose Acquisition Company (Spac), die mit dem Zweck an die Börse gegangen ist, ein anderes Unternehmen zu suchen und zu kaufen. Es wäre für Hometogo ein schneller Weg aufs Parkett.

Der Fonds habe schon vor einiger Zeit eine nicht verbindliche Absichtserklärung zum Kauf unterzeichnet, heißt es. Seither würden der Lakestar-Spac und das Start-up-Management über die Konditionen des Zusammenschlusses verhandeln. Die angepeilte Bewertung soll bei rund 1 Mrd. Euro liegen.

Eine ambitionierte Bewertung – schließlich hat die Corona-Pandemie Hometogo wie viele andere Reise-Start-ups in Mitleidenschaft gezogen. Über die Plattform lassen sich Angebote für Ferienwohnungen vergleichen. 2019 erzielte die Firma laut Jahresabschluss einen Umsatz von 73 Mio. Euro. Auch im Corona-Jahr 2020 konnte die Firma leicht wachsen, gerade im vergangenen Sommer sei die Nachfrage nach Ferienwohnungen stark gestiegen, weil die Kunden das Angebot einem Hotel vorgezogen hätten, heißt es aus Finanzkreisen.

Im Vergleich zum allgemeinen Reisemarkt ist das leichte Wachstum ein gutes Ergebnis, die aktuellen Lockerungen könnten zusätzlich für Rückwind sorgen. Zudem genießt das Managementteam um Patrick Andrä, Wolfgang Heigl und Nils Regge in der Szene einen guten Ruf.

Langfristig gibt es für Hometogo aber eine strategische Gefahr: Als Meta-Suchmaschine verbindet es die Portale von Ferienhausanbietern mit den Kunden. Was im schlimmsten Fall passieren kann, zeigt sich am einstigen Vorzeigeunternehmen Trivago, das eine Meta-Suchmaschine für Hotelzimmer anbietet. Weil es auf der Angebotsseite vor allem von den Unternehmen Booking.com und Expedia abhängig ist, kämpft der Düsseldorfer Anbieter seit Jahren mit Problemen. Seit 2017 schrumpft der Umsatz, der Börsenkurs ist eingebrochen.

Der Unterschied bei Hometogo: Mit der Suchmaschine aggregiert die Berliner Firma einen fragmentierten Markt und ist aus diesem Grund nicht von einigen wenigen großen Playern abhängig. „Die größte Gefahr geht von Airbnb aus“, sagt Christian Saller von HV Capital, dessen Firma bei vielen Travel-Start-ups investiert ist und der den Markt gut kennt. Das amerikanische Unternehmen könnte eine zunehmend starke Position im Ferienhausangebot einnehmen. „Doch die Marktkonsolidierung wird nicht so schnell kommen und das Hometogo-Management wird das Produkt in dieser Zeit auch weiter entwickeln“, glaubt der Branchenexperte.

An der Börse wird Hometogo nun stärker im Rampenlicht stehen. Investor Klaus Hommels kennt das Übernahmeziel derweil gut: Mit seinem Fonds ist er selbst an Hometogo mit knapp vier Prozent beteiligt und hat die Aufbauphase finanziert.

Kritiker könnten ihm vorhalten, er sorge auf diesem Weg für einen Exit im eigenen Portfolio. Als Minderheitseigentümer habe Lakestar jedoch nur bedingt Einfluss auf die Entscheidung des Managements, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Die Spac-Aktionäre müssen außerdem dem Deal noch zustimmen. Üblicherweise ist es Teil des Verkaufs, dass institutionelle Investoren weiteres Geld in die Firma schießen, das sogenannte Pipe-Investment. Das Closing wird in den kommenden Wochen erwartet.

Da es sich um den ersten deutschen Spac-Deal handelt, dürfte die Transaktion für Aufsehen sorgen. Hometogo und Lakestar wollten die Pläne auf Anfrage zunächst nicht kommentieren. Am späten Freitagmorgen bestätigte die Lakestar SPAC I SE die Verhandlungen mit dem Reise-Start-up schließlich in einer Adhoc-Meldung.

 


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Transparenzhinweis: Der Artikel wurde um die Information, dass eine Adhoc-Meldung versandt wurde, ergänzt.