GeldanlageJapans Aufschwung macht Anlegern Hoffnung

Am 7. November schloss der Aktienindex Nikkei auf dem höchsten Stand seit 1992
Am 7. November schloss der Aktienindex Nikkei auf dem höchsten Stand seit 1992Getty Images

Die wenigsten Menschen hierzulande würden sich freuen, wenn der Bierpreis steigt. In vielen anderen bieraffinen Ländern sieht es nicht anders aus. Doch in Japan wird es derzeit geradezu mit großer Erleichterung aufgenommen, dass die Asahi Brauerei nun die Preise anhebt. Darauf trinken die Japaner sogar gerne einen, genau wie auf die Wiederwahl von Ministerpräsident Shinzo Abe vor wenigen Wochen.

Nun ist selten zweifelsfrei festzustellen, ob oder wann sich die Menschen im Land des Lächelns sonst wirklich freuen. Denn kaum ein Volk kann seine wahren Gefühle so gut verstecken wie die Japaner. Doch die Preiserhöhungen, die derzeit von Genussmittel- und Lebensmittelkonzernen in den Markt gedrückt werden oder von Paketdiensten, sind zurzeit tatsächlich ein Thema, das viele Japaner positiv stimmt. Weil sie nämlich als Zeichen dafür wahrgenommen werden, dass nun endlich wieder die Inflation zurückkehrt. Nach vielen Jahren der Deflation.

Der Preisauftrieb ist für das gebeutelte Land in Fernost ein wahrer Segen, daran lässt sich nicht herumdeuten. Ob eine weitere Amtszeit von Abe den gleichen segensreichen Effekt für Bürger und Anleger haben wird, bleibt dagegen abzuwarten. Derzeit notiert der Nikkei auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren und er sprang erstmals über 23.000 Punkte – woraufhin einige Anleger freilich schon wieder kalte Füße bekamen und aus dem Markt flohen. Abes Coup war zweifelsohne, dass er vorgezogene Neuwahlen ausrief und sie haushoch gewann. Hätte er seine Amtsperiode abgewartet, hätten ihn vermutlich die Zweifel eingeholt, die Zweifel derjenigen Bürger, die nicht glauben, dass Abes Politik langfristig wirkt. Führt sie wirklich zum großen neuen Aufschwung sowohl bei den Preisen als auch bei den Wachstumszahlen?

Nikkei 225 Index

Nikkei 225 Index Chart

Japan geriet in eine Deflationsspirale

Denn viele Jahre taugte Japan nun als abschreckendes Beispiel dafür, wie schwer eine Volkswirtschaft an der Last der Deflation zu tragen hat, wenn sie erst einmal von ihr ereilt worden ist. Deren fatale Folgen führte die einstige führende Volkswirtschaft des Ostens den westlichen und europäischen Staaten vor Augen, vor allem aber auch den Zentralbanken. In Japan lief das so: In den 1980er-Jahren zog das Land unglaublich viel Geld an. Es floss in den Yen, in die Aktienmärkte und in den Immobiliensektor, wo sich gewaltige Blasen aufblähten, die im Grunde jeglicher Grundlage durch Substanzwerte entbehrten. Dann platzte die Spekulationsblase. Sie riss nicht nur Japans Börsenkurse in die Tiefe, sondern stürzte die gesamte Volkswirtschaft in eine schwere Krise. Japan geriet in eine Deflationsspirale. Die sinkenden Preise in vielen Bereichen führten dazu, dass die Bürger ihren Konsum immer weiter einschränkten – in der Hoffnung: Wenn ich heute nicht kaufe, ist es morgen vielleicht noch billiger, dann bekomme ich für mein Geld noch mehr. Ein Satz, den man sich bei Deflation täglich sagen kann. Und täglich stimmt er.

Dieses Denken aber brannte sich nicht nur bei der Bevölkerung ein, sondern auch bei Unternehmen, die sich mit Investitionen immer weiter zurückhielten. Bis sie sich am Ende fast gar keine neuen Geräte und Maschinen mehr zulegten. Warum auch? Die Konsumenten kauften ja ohnehin nichts mehr. Dass sich eine Volkswirtschaft so langsam aber sicher selbst zersetzt, ist klar. Dagegen konnte auch die Zentralbank nichts ausrichten, die mit ihrer jahrelangen Nullzinspolitik versuchte, die Ökonomie dennoch in Schwung zu bringen. Aber die Deflation war einfach zu stark. Dann walzte 1997 auch noch die Asienkrise über das Land hinweg. Sie traf Japan in einer ohnehin schwachen Phase und versetzte ihm noch mal einen Dämpfer. Heute nennt man diese lange Zeit deshalb Japans verlorene Jahrzehnte.