NeuwahlenAnleger setzen auf Abes Wiederwahl

Auf einem Bildschirm ist ein Aktienchart zu sehen
Ein Wahlsieg Shinzo Abes könnte der Börse in Tokio einen Schub gebenGetty Images

Ob es ein Signal der Stärke an den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un sein sollte oder politischer Opportunismus – fest steht: Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat für Oktober vorgezogene Neuwahlen anberaumt. Der Zeitpunkt scheint günstig für Abe, der lange wegen der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und verschiedener Skandale in der Kritik stand. Eine aufgehellte Konjunktur gibt dem amtierenden Staatschef Rückenwind, zudem sortiert sich die Opposition gerade neu und geht allenfalls mit geringen Aussichten auf einen Sieg ins vorgezogene Rennen.

„Abe will die Chance auch dazu nutzen, sein neues wirtschaftspolitisches Paket durchzubekommen“, sagt Kwok Chern-Yeh, Leiter Aktien Japan beim Fondsanbieter Aberdeen Standard Investments. Die Märkte blicken durchaus wohlwollend auf Abes Ansinnen: „Investoren würden die relative Stabilität begrüßen, welche eine dritte Amtszeit bis 2021 bringen könnte“, sagt Chern-Yeh. „Eine ordentliche Mehrheit würde es ihm ermöglichen, das immense japanische Haushaltsdefizit zu reduzieren und die geplante Erhöhung der Verbrauchssteuer im Jahr 2019 durchzudrücken.“

Japans Wirtschaft wächst

Viele Investoren blicken derzeit nach langer Abstinenz mit wachsendem Interesse nach Japan. Vor etwas mehr als einem Jahr begannen das billige Geld der Notenbank und die expansive Staatsnachfrage endlich, zu wirken und weckten die japanische Wirtschaft aus ihrem jahrelangen Dornröschenschlaf. Das Bruttoinlandsprodukt ist in den vergangenen sechs Quartalen stets gestiegen, zuletzt fiel das Wachstum mit einem Prozent über dem Vorquartal besonders stark aus. „Auch im dritten Quartal deutet sich an, dass die Wachstumsstory erhalten bleibt“, sagt Stefan Große, Analyst bei der Nord LB. Jüngste Bestätigung für den Aufschwung ist der Anstieg des wichtigsten japanischen Konjunkturindikators „Tankan“, der mit plus fünf Punkten deutlich stärker zulegte als erwartet und mit 22 Indexzählern den höchsten Stand seit zehn Jahren erreichte. „Der japanischen Wirtschaft geht es blendend“, sagt Nord-LB-Analyst Große. Vor allem die exportorientierten Sektoren trügen zur Stimmungsaufhellung bei.

Nikkei 225 Index

Nikkei 225 Index Chart

Welchen Beitrag Abes neues Reformpaket zum Aufschwung leisten wird, bleibt derweil abzuwarten. Er plant, die Mehrwertsteuer von derzeit acht auf zehn Prozent anzuheben, ab Oktober 2019. Die Mehreinnahmen wollte Abe ursprünglich größtenteils zum Abbau des exorbitanten Schuldenbergs verwenden, der derzeit rund 240 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes ausmacht und damit so hoch ist wie in keinem anderen Industrieland. Zuletzt hatte Abe seine Planung allerdings revidiert und angekündigt, weniger Schulden abbauen zu wollen als geplant – und dafür massiv in Pflege und Bildung zu investieren. „Einige Sektoren im Bereich der Kinderbetreuung und des Pflegedienstes könnten bei Annahme der geplanten Konjunkturpakete überproportional stark wachsen“, sagt Reiko Mito, Portfoliomanagerin bei der Vermögensverwaltung GAM. „Deren Größe ist allerdings überschaubar. Für die meisten anderen Sektoren dürften die Auswirkungen zumindest in absehbarer Zeit gering sein.“

Der drohende Konflikt mit Nordkorea hingegen zeigt seine Wirkung und stellt die guten Fundamentaldaten Japans in den Schatten: „Der Aktienmarkt stagnierte in den vergangenen Monaten trotz hoher Unternehmensgewinne“, sagt Mito. Die Portfoliomanagerin hofft, dass Abes Manöver einen positiven Impuls in die Region sendet: „Die bevorstehende Wahl könnte zu mehr politischer Stabilität für Japan führen und die angespannte geopolitische Situation etwas mildern.“ Davon könnte auch der japanische Aktienmarkt profitieren.