VG-Wort Pixel

Dani Parthum Investments mit Rohgold – zu schön, um wahr zu sein

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Fehlinvestments gehen meist Hand in Hand mit zwei Gefühlen: Gier und Angst. Beide schalten das Denken aus oder erschweren es zumindest. Aus dieser emotionalen Falle können wir uns aber bei der Geldanlage befreien: In dem wir Verständnis-Fragen stellen, deren Antworten wir nachprüfen können

Die Klientin war aufgeregt, als sie zu mir ins Finanzcoaching kam. Sie wollte meine Meinung zu einer Geldanlage hören, bei der ihr das versprochen wurde, wonach sie sich sehnte: Die Geldanlage würde ihr ein regelmäßiges, hohes und dazu garantiertes Zusatzeinkommen durch Ausschüttungen zu ihrer Rente einbringen, sicher sein und der Wert des angelegtes Geld würde sogar steigen. So die Versprechen. Mindestanlagesumme: 100.000 Euro.

Garantierte Wertsteigerungen und Ausschüttungen

Bei mir schrillten bei diesen Schilderungen sofort die Alarmglocken. Wird eine Geldanlage als „garantiert“, „sicher“, inklusive „Wertsteigerung“, verbunden mit „hohen, laufenden Ausschüttungen“ angepriesen, ist etwas faul. Keine seriöse Geldanlage der Welt liefert solche Ergebnisse. Wenn Sie so eine kennen, melden Sie sich bitte bei mir.

Was war der Klientin angeboten worden? Eine Zufallsbekannte hatte ihr von einem Goldinvestment vorgeschwärmt, in das sie – angeblich – ihr gesamtes Geld gesteckt hatte. Seit sich die westliche Welt im Krisenmodus dreht, schießen vermeintlich sichere Goldanlagen wie Pilze aus dem herbst-feuchten Waldboden. Sie nutzen das richtige Argument, dass Gold als Rohstoff zu einem gewissen Grad ein Wertspeicher ist, als Türöffner für intransparente, komplexe, nicht nachprüfbare und für Geldanleger:innen meist verlustreiche Firmenkonstrukte und Anlagemodelle.

Ausländische Gesellschaften und hohe Kosten

So auch hier. Die Klientin würde bei diesem Goldinvestment für die Mindestanlagesumme Rohgold in ausländischen Minen kaufen. (Welche, wurden nicht verraten.) Dieses Rohgold würde dann bei einer Schweizer Scheideanstalt zu Reingold veredelt und anschließend in einem „Hochsicherheitslager“ verwahrt.

Die beim Scheideprozess zusätzlich gewonnenen seltenen Erden und andere Edelmetalle würden verkauft und zu garantierten, regelmäßigen Ausschüttungen führen, zu so genannten Zusatzerträgen. Geknüpft seien diese an den aktuellen, stets steigenden Goldpreis, so Verkaufspapiere.

Versprochen wurden zudem Wertsteigerungen zwischen 6 und 10 Prozent jährlich. Es gab einen 5-prozentigen Ausgabeaufschlag – bei 100.000 € sind das 5.000 € für Verkäufer und Anlagegesellschaft. Dazu laufende, jährliche Kosten von etwa 2 Prozent. Vertragspartnerin wäre eine Schweizer Gesellschaft. Kein Risiko. Alles garantiert.

Betrugsmaschen entlarven mit nachprüfbaren Tatsachen

Für mich klang das nach einem Schneeballsystem, weil viele der Verkaufsargumente wie der Zusatzertrag für den Verkauf der Scheidereste, deren Höhe sich an den Goldpreis knüpft und nicht an den tatsächlichen Ertrag, unlogisch und ökonomisch unsinnig erscheinen. Dafür sprachen auch die hohe Mindestanlagesumme, das Schweizer Firmenkonstrukt und die vielen Garantien, die so nicht gegeben werden können.

Wir hinterfragten im Wir hinterfragten im Coaching das Konstrukt und seine Versprechungen. Hier meine 8-Punkte-Checkliste, um unseriöse Anbieter:innen und betrügerische Anlagemodelle gleich zu Beginn auszusortieren:

1. Welche belegbaren Qualifikation haben die “Berater:innen”, die die Geldanlage verkaufen?

2. Haben diese eine gültige Zulassung durch die BaFin? 

3. Welche vorgelegten Zahlen und Versprechungen lassen sich selbst und unabhängig durch z.B. veröffentlichte Jahresabschlüsse und öffentliche Informationen und Studien nachprüfen?

4. Haben die beteiligten Firmen Handelsregistereinträge und seit wann?

5. Wie, wann und zu welchen Kosten kommen wir wieder an unser Geld? Stichwort: Exitstrategie.

6. Wenn das Investment schiefgeht oder garantierte Ausschüttungen ausbleiben, wer kann verklagt werden in welchem Land? Spreche ich diese Sprache?

7. Verstehe ich das Geschäftsmodell, ist es logisch und wirtschaftlich und kann ich es anhand belegter, absoluter Zahlen nachvollziehen?

8. Was sagen andere darüber im Internet, wird dort über Erfahrungen mit der Anlageform und der Beratungsgesellschaft geschrieben?

Büroadresse mit hunderten anderen Firmen

Eine kurze Internetrecherche ergab in Fall des Rohgoldinvestments: Die Produktverkäufer mit Vertrauen erweckendem Namen waren lediglich eine Bürogemeinschaft und keine von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zugelassene Beratergesellschaft.

Die Schweizer Anlagefirma firmiert unter an einer Adresse in einem gewöhnlichen Bürohaus, unter der weitere 270 Firmen gemeldet sind. Die Adresse taucht in den Panamapapers auf. Belastbare Zahlen aus einem öffentlich einsehbaren Jahresabschluss der Anlagegesellschaft gibt es nicht.

Skrupellos, Black-Box und ein Lockvogel für Frauen?

Ziemlich viel – zuviel – Black-Box für Geld, das die Klientin als Rentnerin dringend brauchte. Sie hatte überraschend geerbt, was ihr ein klein wenig Sorgenfreiheit bescherte, jetzt im Alter, weil sie nur eine kleine Rente erhielt. Die vermeintlichen Berater wussten das. Mir kam der Gedanke, dass die Zufallsbekannte, die von der Geldanlage in einer Frauenrunde schwärmte, womöglich sogar ein Lockvogel gewesen war, denn nachprüfbare Zahlen-Angaben machte auch sie nicht.

Die Klientin hat ihr Geld schließlich nicht in Rohgold „angelegt“. Mit einer einfachen und alle Manipulationen schlagenden Begründung: Sie verstehe nicht, wie die Geldanlage im  Detail funktioniere, obwohl sie sehr viel nachgefragt habe. (Was ein Hinweis darauf sein kann, dass das Modell gar nicht zu verstehen ist.) Außerdem hatte ihr Bauch – ihre Intuition – ein mulmiges Gefühl ausgesendet.

Damit hat sie alles richtig gemacht. Das Wichtigste ist, wenn wir Geld investieren, dass wir die Geldanlage verstehen. Und nicht glauben, sie zu verstehen. Sonst droht der Totalverlust. Fehlen essentielle Angaben wie in meiner kurzen Checkliste skizziert, ist das angepriesene, todsichere Investment keinen weiteren Gedanken wert. Und schon gar keine Geldanlage als Altersfürsorge.

Wenn wir in Gold investieren, dann am besten physisch und anonym gekauft als Barren, Münzen oder Nuggets.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Ihre gesammelten Kolumnen für Capital finden sich hier.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel