GeldanlageDas Geld liegt auf der Straße

Autobahnbaustelle in NRW
Autobahnbaustelle in NRW
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Manche Osterurlauber oder Familienbesucher haben an den Frühlingsfeiertagen wieder das Vergnügen, stundenlang auf der Autobahn im Stau zu stehen. Sie suchen keine Eier, die irgendjemand für sie ausgelegt hat, sondern versuchen verzweifelt, im Wagen nicht das zu verlieren, was manche ohnehin nicht in Hülle und Fülle besitzen: Geduld und Nerven. Vielleicht könnten Anleger aber so einem Stau auch etwas Gutes abgewinnen, wenn sie einmal über folgende Dinge nachdenken, bis die Warterei ausgestanden ist: Gerade dass so viele Straßen überfüllt sind, oder sogar chronisch verstopft, ist das aus Sicht von Renditesuchern eine gute Nachricht. Es heißt nämlich, dass es zu wenige Verkehrswege gibt in Relation zu den vielen Menschen, die sich gern über sie bewegen würden, und dass das Wegenetz folglich ausgebaut werden müsste. Daran kann man mitverdienen.

Das gilt nicht nur für Straßen, insbesondere Autobahnen und Mautstrecken, sondern auch für Schienennetze und andere Transportwege wie Wasser- und Kanalsysteme, Energie- und Stromnetze oder Pipelines zur Beförderung von Öl oder Gas. Kurzum: Es gibt eine große Masse an Infrastruktur, die viele Länder weltweit in den kommenden Jahren entweder erneuern werden, weil die bisherige Kapazität nicht reicht oder völlig neu aus dem Boden stampfen müssen, weil in vielen Regionen der Erde die Menschen immer dichter aufeinander wohnen.

Es wird im Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten geben, sagen Bevölkerungshochrechnungen, also gut drei Milliarden mehr als zurzeit. Und die allermeisten davon werden in Städten und großen Ballungszentren leben, nämlich rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Nun ist es derzeit so, dass ein Sechstel aller Erdbewohner nicht einmal ans Stromnetz angeschlossen ist und die übrigen fünf Sechstel verlangen nach immer leistungsfähigeren Stromnetzen, Transportwegen, Nahverkehrssystemen und Satellitensystemen. Es gibt also für Unternehmen, die solche Anlagen liefern, noch sehr viel zu tun.

nicht in Einzelprojekte investieren

In Euro und Cent hat die Unternehmensberatung PWC den Bedarf neuer Anlagen mittelfristig auf 78 Billionen Dollar beziffert. So viel soll allein bis 2025 in die Infrastruktur weltweit investiert werden. Allein die Vereinigten Staaten wollen nach Aussagen ihres Präsidenten Donald Trump in diesem Zeitraum rund 1 Billion Dollar in Erde und Schiene pumpen, um sich fit für die Zukunft zu machen. Und auch in Europa müssen noch einige U-Bahnen gebuddelt, Mautstrecken ausgerüstet und Breitbandnetze in ländlichen Regionen geschaffen werden. Und die ersten Unternehmen haben bereits erkannt, dass sich damit viel Geld machen lässt, zumindest aber stabile Erträge erwirtschaften lassen.

Warum sonst sollte ein konservativer Konzern wie die Allianz größere Summen in solche Investments stecken? Der Versicherer mit dem billionenschweren Anlagevermögen ist ja per Gesetz dazu angehalten, das Kapital seiner Kunden vorsichtig anzulegen – muss aber dennoch akzeptable Erträge erzielen, um seine bisherigen Zinsversprechen einhalten zu können. Den Ausweg sucht die Allianz nun, indem sie sich an italienischen Mautautobahnbetreibern beteiligt oder bei Londoner Abwassernetzprojekten mitmischt. Und was so einem Großanleger recht ist, ist auch für Kleinanleger billig, vorausgesetzt sie gehen es richtig an.

Wichtig für Privatsparer: Sie sollten nicht in Einzelprojekte investieren. Denn auch wenn man denkt, hier stecke das Geld in realen Anlagen, die viele Menschen brauchen, die oft von großen, bekannten Firmen auf den Weg gebracht werden und deren Betreiber oft sogar Monopolisten sind, die keinen direkten Wettbewerb zu befürchten haben (bei Mautstreckenbetreibern erliegt man diesem Irrtum am ehesten), so stecken darin doch immer Risiken.

ETF nicht die beste Wahl

Denn die politischen und regulatorischen Bedingungen können sich ändern, dadurch können zum Beispiel die Zusagen von Mindestpreisen wegfallen. Die Solarindustrie erlebte es bei der Einspeisevergütung, die von der Bundesregierung über die Jahre immer weiter gekappt wurde. Erst recht in Ländern wie Griechenland ist Vorsicht geboten, wo zurzeit eine Milliardensumme an EU-Geldern in U-Bahnen, Frachthäfen und das Breitbandnetz verbaut werden soll. Angesichts des krisengeschüttelten griechischen Staates können vielleicht nicht alle Projekte tatsächlich realisiert werden. Auch nicht jede Mautstrecke ist automatisch rentabel. Zudem können Naturkatastrophen die gebauten Straßen, Brücken oder Stromleitungen zerstören. An Flughäfen oder großen Bahnhöfen ist zudem die Terrorgefahr real, das mussten Brüssel und Istanbul bereits leidvoll erfahren. Eine sichere Sache ist das Investment in Infrastruktur daher beileibe nicht.

Aber immerhin sind solche Investments eine gute Möglichkeit für Sparer, das Geld am Bau arbeiten zu lassen und mit etwas Glück und Geschick auch Renditen dabei zu erzielen. Ein Indexfonds wäre in diesem Fall jedoch nicht die allerbeste Wahl. Zwar gibt es Indizes wie den World Infrastructure oder Infrastruktur-ETFs etwa von DB X-Trackers, Ishares oder der BNP Paribas, doch sie laufen in der Regel nicht viel besser als der Gesamtmarkt, also als globale Aktienindizes. Das Problem dieser Infrastruktur-ETFs ist nämlich: Sie sind zu weit gefasst und beziehen nicht nur die Kernfirmen ein, die tatsächlich Betreiber von Anlagen sind, sondern auch viele Ausrüster und Zulieferer oder große Unternehmen wie etwa Telekommunikationsfirmen oder Zementhersteller, deren Geschäft sehr konjunkturabhängig ist und von vielen Wettbewerbern beeinflusst wird.

Kleinere Fonds sind agiler

Besser ist daher die Wahl eines speziellen Infrastrukturfonds, der gezielt die Hauptfirmen der Branche bündelt. Bei denen stellt sich zuerst eine Frage: Soll man zu einem breiten globalen Fonds greifen – und damit die Outperformance-Chancen schmälern wie beim breiten ETF? Oder einen eher regionalen Fonds wählen, etwa einen Infrastrukturfonds, der speziell auf China, Indien oder den Ausbau der Schwellenländer setzt? Der könnte sich deutlicher vom Gesamtmarkt abheben – aber eben im positiven wie im negativen Bereich. Wer das Risiko eingehen will, eine begrenzte Region zu favorisieren, der sollte das durchaus wagen. Der Amundi Infrastructure India erzielte zum Beispiel als Klassenbester Infrastrukturfonds eine Performance von satten 72 Prozent in drei Jahren. Unentschlossene fahren aber nicht schlecht mit globalen Infrastrukturfonds, denn in denen sind vor allem viele US-Unternehmen vertreten. Oft sind sogar über 50 Prozent der Papiere amerikanische Werte und die sollen ja durch die Trump-Politik demnächst eine Sonderkonjunktur erleben.

Es gibt sehr große Fonds wie den First State Global Listed Infrastructure, der immerhin über 2 Mrd. Euro an Anlegergeldern verwaltet oder den Morgan Stanley Global Infrastructure. Je größer der Fonds ist, desto stärker gilt normalerweise: Er wird etwas schwerfälliger agieren und eher indexnahe Renditen erwirtschaften. Für den First State gilt das in diesem Falle aber nicht, er lieferte auf drei Jahre eine Wertentwicklung von 66 Prozent, also 22 Prozent im Jahr. Damit rangierte er unter den besten Fonds seiner Klasse. Kleinere Fonds sind nämlich nicht immer agiler. Der Credit Suisse Infrastructure Equity ist zum Beispiel nur 72 Millionen schwer, kam aber auf eine vergleichsweise schlechte Performance von sieben Prozent in drei Jahren. Viele Amundi Fonds, der Veritas Listed Infrastructure Fonds und Franklin Global Infrastrukturfonds schafften dagegen über 50 Prozent auf drei Jahre.

Wie viel das aufs Jahr gesehen ist und wann Anleger damit Ihr Kapital verdoppelt haben, können Sie ja mal im nächsten Stau durchrechnen oder an der Warteschlange bei der italienischen Autobahnmaut.


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen