GeldanlageImpfstoff-Aktien: Booster fürs Depot?

Moderna-Zentrale, Cambridge, MassachusettsIMAGO / AFLO

Europa ist abermals Corona-Hotspot. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt in Deutschland rapide an. Dementsprechend werden bundesweit die Impfzentren wieder geöffnet, Bayern geht in einen halben Lockdown, Politikerinnen und Ärzte debattieren über eine Impflicht. Um der Lage Herr zu werden, empfiehlt das Robert Koch-Institut Drittimpfungen, die sogenannten „Booster“, für alle Erwachsenen ab 18 Jahren. Und seit heute ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer nach einer Entscheidung der EU-Arzneibehörde sogar für Kinder ab fünf Jahren zugelassen.

An der Börse bleibt all das natürlich nicht unbemerkt: Viele Analysten waren ursprünglich von einer Auffrischungsimpfquote von 20 bis maximal 30 Prozent ausgegangen, nun wird deutlich mehr Impfstoff benötigt. Das treibt die Kurse der Biotechnologie-Unternehmen an. Nachdem die beiden mRNA-Impfstoff-Hersteller Biontech und Moderna bereits im August 2021 ihr jeweiliges Allzeithoch erreicht hatten, kam es kurz darauf zu einer deutlichen Korrektur. Viele Anleger nahmen die Gewinne mit. Mit dem Voranschreiten der Booster-Kampagnen geht es nun abermals steil bergauf – der Impf-Booster als Aktien-Booster.

Gut gefüllte Kriegskasse

Dennoch warnt Comdirect-Marktexperte Andreas Lipkow davor, blindlings in Aktien der Impfstoffhersteller zu investieren. Die jetzigen Booster-Impfungen führen zwar zu kurzfristigen Gewinnen, seien auf lange Sicht aber in den Kursen der Impfstoffhersteller bereits eingepreist. Darüber hinaus ist der Markt hart umkämpft, viele weitere Konkurrenten, etwa Novavax, entwickeln eigene Impfstoffe. Und Pfizer hat in den USA erst kürzlich die Zulassung für sein Covid-19-Medikament Paxlovid beantragt. Die Pille soll an Covid-19 erkrankte Risikopatienten zu 89 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen.

Lipkow sieht aber auch Chancen für die Impfstoffhersteller: „Biontech und Moderna haben nun eine gut gefüllte Kriegskasse“, erklärt der Experte. Durch die hohen Einnahmen aus dem Covid-19-Impfstoff könnte die mRNA-Technologie auf weitere Geschäftsfelder ausgeweitet werden. „Vor allem Biontech ist hierbei mit Technologien im Bereich der Krebsforschung oder der Multiplen Sklerose weit fortgeschritten und testet schon für eine Zulassung“, sagt Lipkow.

Dank des mRNA-Impfstoffes erwirtschaftete das Mainzer Unternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Umsatz von 13,44 Mrd. Euro. Der Nettogewinn lag bei 7,13 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum erzielte Biontech noch einen Umsatz von lediglich 137 Mio. Euro und verzeichnete unterm Strich sogar Verluste. Aufgrund dieser starken Entwicklung kletterte die Aktie seit Jahresbeginn um 277 Prozent auf mittlerweile 270 Euro, mit einer Marktkapitalisierung von 67 Mrd. Euro.

Risiken bei Moderna

Biontech entwickelte seinen Covid-19-Impfstoff mit dem Pharmagiganten Pfizer zusammen. Die Aktie des US-Unternehmens mit Sitz in New York notiert zurzeit bei rund 45 Euro und stieg seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent. Pfizer steigerte seinen Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf umgerechnet 51 Mrd. Euro und damit um fast das Doppelte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Covid-19-Impfstoff machte dabei den Bärenanteil von 21,62 Mrd. Euro aus.

Bei Moderna sieht Comdirect-Experte Lipkow gewisse Risiken. Es sei im Gegensatz zu Biontech kein klarer Weg bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder zu erkennen. Lipkow befürchtet daher, dass es zu schnellen Kursverlusten kommen könnte. Bisher entwickelten sich die Anteilsscheine aber prächtig, stiegen seit Jahresbeginn um knapp 170 Prozent an und notieren aktuell bei 245 Euro. Das US-Unternehmen mit Sitz in Massachusetts kommt auf eine Marktkapitalisierung von 100 Mrd. Euro. Moderna erwirtschaftete in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 10 Mrd. Euro. Der Nettogewinn belief sich auf 6,53 Mrd. Euro.