CDU-VorsitzFriedrich Merz, der Aufsichtsrat der Deutschland AG

Friedrich Merz will von der Wirtschaft zurück in die Politik
Friedrich Merz will von der Wirtschaft zurück in die Politik dpa

Seit der Finanzkrise 2008 ist das weltweite Finanzvermögen immens gestiegen, unter anderem Dank der lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken. Das US-Unternehmen Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Schon vor gut zwei Jahrzehnten hat der Konzern beschlossen, zehn Prozent seiner Investorengelder von einem Supercomputer namens Aladdin verwalten zu lassen.

Dieser Mega-Rechner ist einer jener Gründe, warum Pensionskassen und Staatsfonds sowie Stiftungen und Versicherer aus sehr vielen Ländern dem Vermögensverwalter ihr Geld anvertrauen. Aladdin ist ein riesiges Datenanalysesystem, das mit Algorithmen und einer ganzen Schar von Analysten arbeitet. 200 Millionen Kalkulationen pro Woche soll Aladdin ausführen.

Zu den erwähnten zehn Prozent gehören auch wesentliche Anteile an der Deutschland AG, wenn man den Dax so nennen will. Von Aladdin ist es nun nur noch ein Gedankensprung zu Angela Merkel und ihrem von der Wirtschaft gewünschten Nachfolger. Denn Friedrich Merz ist Chefaufseher von Blackrock in Deutschland. Niemand dreht bei Beteiligungen an deutschen Unternehmen ein derart großes Rad wie der amerikanische Vermögensverwalter. Dazu ist Merz in der Atlantik-Brücke aktiv, bessere Verbindungen in die USA kann man sich aus seiner Sicht kaum wünschen.

Merz beaufsichtigt Blackrock Deutschland nunmehr seit zwei Jahren und hat damit Einfluss auf zahlreiche Dax-Unternehmen. So gehören Blackrock beispielsweise jeweils rund fünf Prozent an Lufthansa und K+S, jeweils sechs Prozent an der BASF, Adidas, Allianz und Eon sowie Heidelcement und Merck. Die Liste ließe sich mit anderen Prozentzahlen auf Siemens, Linde und vielen mehr erweitern.

Wer Merz wählt, weiß, was er bekommt

Insgesamt verwaltet Blackrock weltweit 6300 Mrd. Dollar. 4,5 Prozent des Dax sind in den Händen der Amerikaner. Das entspricht selbst bei den momentan gerupften Marktwerten noch rund 50 Mrd. Euro. Dass der Aufsichtsratsvorsitzende eines weltweiten Riesen direkt den Weg an die Spitze der größten Partei Europas sucht, ist daher nicht nur bemerkenswert, sondern in vielerlei Hinsicht mit Interessen belegt. Dies wird bis Anfang Dezember sicher breit diskutiert, doch eines muss man Merz zugestehen. Im Gegensatz zu mehr als zweifelhaften Schritten vieler Berufspolitiker, die nach ihrem Job im Bundeskabinett direkt die Drehtür in den Lobbyismus wählten – wie etwa Eckart von Klaeden und Matthias Wissmann – schlägt Merz den umgekehrten Weg ein. Und sein Vorgehen ist transparent. Wer Merz wählt, weiß mit Sicherheit, was er bekommt.

Auch auf Aladdin dürfte es Einfluss haben, ob die CDU-Mitglieder für Merz die Wunderlampe anknipsen. Denn der Supercomputer dürfte in seinen Algorithmen ebenso wie die menschlichen Analysten von Blackrock auch die politische Lage und Wirtschaftsfreundlichkeit einer Regierung genau einarbeiten. Anleger dagegen sind nicht zwangsweise im ETF-Bereich auf Aladdins Dienste angewiesen. Auch europäische Anbieter wie Lyxor bieten den Einstieg in die Deutschland AG via ETF. Wer seine Geschäfte bei Flatex oder Degiro tätigt, kann sogar die Ordergebühren sparen.

Friedrich Merz – Stationen seiner Karriere