Dani Parthum Frauen sprechen viel zu selten über Geld, dabei tut ihnen das ausgesprochen gut

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Wir Frauen helfen uns durch Austausch in so vielen Lebensbereichen – bei den Kindern, im Job, unseren Beziehungen, gesellschaftlichen Ereignissen, einer gesunden Lebensweise. Nur beim Geld herrscht oft das große Schweigen.

Es war am Ende des letzten Webseminar in einer meiner achtwöchigen Vermögenskurse. Eine der Teilnehmerinnen meldete sich zu Wort und bedankte sich ganz ausdrücklich bei den anderen 19 Frauen in der Web-Runde.

Sie bedankte sich für den offenen und wertungsfreien Austausch über Geld. In ihrem Umfeld habe sie leider keine Frauen, mit denen sie über Finanzfragen jeder Art reden und sich Rat oder einfach nur Einschätzungen holen könne. Das habe sie als stärkend empfunden und ihr sehr gutgetan, mit ihren Fragen auf Interesse zu treffen und neue Gedanken, Ideen und Lösungen zu hören. Von anderen Frauen mit anderen biografischen Hintergründen, unterschiedlichen Alters und anderer Bildung. Ein starker und bewegender Moment im Kurs.

In diesen Dank stimmten weitere Frauen der Runde ein, und meinten, dass auch sie sich generell kaum mit anderen Frauen über Finanzen austauschten. Warum nicht, war meine Rückfrage. Sie versuchten es ja, aber oft hieß es dann: Ach, Geld interessiert mich nicht; das mit der Altersvorsorge wird schon; Aktien sind nur Zockerei und Geld macht doch nicht glücklich! Statt Erfahrungs- und Wissensaustausch wie auf so vielen anderen Gebieten ziehen sich bei Finanzfragen viele Frauen offenbar auf Glaubenssätze und Mythen zurück, zeigen Desinteresse. Dabei ist Geld natürlich wichtig, Aktien sind langfristig keine Zockerei; Altersvorsorge gerade für uns Frauen existentiell und Geld macht doch glücklich, weil es Möglichkeiten eröffnet. 

Das Interessante ist: Zwei der Hauptfragen, die Frauen an mich herantragen und in Gesprächen viel Raum einnehmen, sind, wie sich Geld sicher für die Rente anlegen lässt und was faire Finanzen in einer Partnerschaft mit Kindern sind. Beide Fragen entspringen der Angst, im Alter mittellos zu sein und dem Wunsch, für sich gut zu sorgen und selbstbestimmt zu leben. Und das ist freilich mit Geld verknüpft. Eine Erkenntnis, die noch zu viele Frauen erst spät im Leben realisieren. Manchmal zu spät.

Reden wir mehr über Geld

Wie schrieb die Soziologin und Finanzfachfrau Dr. Birgit Happel in einer Reflexion zum Frauentag so treffend auf ihrem Instagram-Kanal @geldbiografien – „Gemeinsam an einem Strang zu ziehen, stärkt auch die eigene Selbstwirksamkeit!“ Und genau das ist ein Teil des „Redens über Geld“: Wenn wir Frauen uns über Geld austauschen, Erfahrungen weitergeben, offen, ehrlich, empathisch, unterstützend, nicht wertend, stärken wir nicht nur das Gegenüber, sondern auch uns selbst.

Durch die Kommunikation über Finanzfragen mit anderen Frauen tauschen wir uns gleichzeitig über Lebensmodelle aus, Werte, Ansichten über Rollenerwartungen, Geschlechteransichten, eigene Wünsche und Ängste. Wir können in solchen Gesprächen auch über die Scham reden, nicht genug über Geld, Anlage und ökonomische Zusammenhänge zu wissen.

Finanzen als Gesprächsthema auszuklammern, löst keine Probleme, keine Fragen, keine Unsicherheiten. Die lösen wir nur, wenn wir reden, Wissen und Erfahrungen aufbauen – und sie teilen.

Also Frauen, lasst uns mehr über Geld reden – mit Freundinnen, Arbeitskolleginnen, in der Familie, mit Bekannten und auch Fremden, auf Partys oder Konferenzen. Wie machst du das mit dem Geld in der Partnerschaft? Wie teilt ihr die Elternzeit auf? Und die Ausgaben der angeheirateten Kinder, die eigenen Hobbys, die Kreditraten der gemeinsam bewohnten Eigentumswohnung der Partnerin – wie habt ihr das organisiert? Wie baust du genug Rente mit Teilzeit auf? Könntest du mir bei der Steuererklärung helfen? Welches Finanzbuch hat dich begeistert? Und wie hast du letztens dein Gehalt verhandelt, mit welchen Argumenten? Was spricht für die gesetzliche Rente – und was dagegen?

Fordern Sie sich selbst heraus!

Würden sich mehr Frauen trauen, miteinander ganz selbstverständlich über die finanziellen Aspekte des Lebens zu reden, hätten in Partnerschaften unfaire Finanzen und ökonomische Abhängigkeiten immer weniger eine Chance. Chefs müssten sich in Lohnverhandlungen warm anziehen, Frauen würden gleichziehen als Investorinnen, wir hätten sicherlich mehr Unternehmerinnen und mehr Männer, die länger als zwei Monate Elternzeit nehmen, weil Care- und Hausarbeit partnerschaftlich verteilt wäre. Und Altersarmut wäre nicht mehr weiblich!

Fordern Sie sich selbst heraus und reden Sie heute mit einer anderen Frau über Geld. Über ein Thema verknüpft mit Geld, das Sie schon lange beschäftigt, oder was Sie generell interessiert. Fragen Sie beispielsweise die Lieblingskollegin, wann sie findet, dass Geld glücklich macht. Oder ob sie sich reich fühlt. Woher bei ihr das Geld kommt, wenn sie alt ist und nicht mehr arbeiten kann oder will und wieviel Rente sie dann hat. Oder bitten Sie sie um einen ganz konkreten Rat.

Und auch ich möchte Sie etwas fragen: Was ist Ihr wertvollster Schatz im Leben – und warum genau?

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen.


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