MärkteESG-Fonds bleiben auf Wachstumskurs

In Erwartung einer steigenden Nachfrage bringen Investmentgesellschaften immer mehr Fonds für das gute Gewissen auf den Markt.imago images / Panthermedia

Die grüne Welle rollt und rollt: Fast die Hälfte des Geldes, das europäische Anleger im dritten Quartal 2020 in Fonds investierten, floss in Nachhaltigkeitsprodukte. Unterm Strich, also nach Verrechnung der Abflüsse, sammelten ESG-Fonds von Juli bis September 40 Prozent des neu investierten Fonds-Kapitals ein, berichtet das Analysehaus Morningstar. Insgesamt flossen damit europaweit fast 53 Mrd. Euro in grüne Portfolios. Im September konnte ESG-Produkte sogar zwei Drittel des Fonds-Neugeschäfts in Europa auf sich vereinen, sagt Morningstar-Expertin Hortense Bioy.

Der Boom grüner Fonds dürfte davon befeuert werden, dass die sogenannte EU-Präferenzabfrage vor der Tür steht. Ab kommendem Jahr müssen Finanzberater ihre Kunden verpflichtend danach fragen, ob sie bei der Geldanlage ökologische, ethische oder soziale Kriterien berücksichtigen wollen. In der Branche geht man offenbar davon aus, dass viele Anleger diese Frage mit „ja“ beantworten werden – und positioniert sich entsprechend.

Beeindruckendes Wachstum, aber Luft nach oben

In Erwartung einer steigenden Nachfrage bringen Investmentgesellschaften immer mehr Fonds für das gute Gewissen auf den Markt. Europaweit kletterte ihre Zahl im dritten Quartal von 2781 auf 2898 Produkte. 105 ESG-Fonds wurden neu aufgelegt, 31 konventionelle Portfolios auf Nachhaltigkeit gedreht. Es sei vor allem dem Wachstum des ESG-Sortiments zu verdanken, dass nachhaltige Fonds immer mehr Geld einsammeln, sagt Bioy. Denn je größer ihr Anteil am gesamten Fondsuniversum wird, desto mehr Geld fließt ihnen zu. So spülten allein die im dritten Quartal neu lancierten Öko-Fonds 3,6 Mrd. Euro frisches Kapital ins nachhaltige Fondssegment.

Das Wachstum von ESG-Anlagen ist zwar beeindruckend, mit Blick auf ihren Anteil am Gesamtmarkt gibt es aber durchaus noch Luft nach oben. So verwalteten Fonds mit ESG-Fokus Ende September 9,3 Prozent des gesamten europäischen Fondsvermögens. Damit machen sie noch immer einen vergleichsweise kleinen Teil des Marktes aus, wenn auch einen mit wachsender Bedeutung.

Blackrock besonders erfolgreich

Vor allem im Anleihebereich haben Nachhaltigkeitsprodukte einiges aufzuholen. So sammelten grüne Aktien- und Mischfonds zuletzt mehr Geld ein als ihre herkömmlichen Pendants – auf der Rentenseite fielen die Zuflüsse in nachhaltige Produkte dagegen mau aus. Im vergangenen Quartal investierten Anleger in Europa laut Morningstar rund 13 Mrd. Euro in grüne Rentenfonds. Traditionelle Anleihefonds konnten mit rund 60 Mrd. Euro deutlich mehr Geld anziehen. Dieses Ungleichgewicht dürfte in erster Linie darauf zurückzuführen sein, dass es bislang viel weniger nachhaltige Renten- als Aktienfonds gibt. Zwar hat die Einführung von Green Bonds, mit denen Staaten und Institutionen Öko-Projekte finanzieren, nachhaltigen Rentenportfolios Rückenwind verschafft. Bislang gibt es allerdings nur vergleichsweise wenige solcher grünen Anleihen, das Segment steckt noch in den Kinderschuhen.

In den kommenden Monaten dürften Investmenthäuser weiter neue ESG-Fonds auf den Markt werfen. Ein Anbieter war damit zuletzt – gemessen an den Zuflüssen – besonders erfolgreich: Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sammelte mit seinen Nachhaltigkeitsfonds im dritten Quartal unterm Strich 7,7 Mrd. Euro ein. Auf Rang zwei folgt, abgeschlagen, der französische Anbieter Amundi mit Nettomittelzuflüssen in Höhe von rund 3,2 Mrd. Euro. Auf Rang drei liegt die Schweizer Großbank UBS mit 2,7 Mrd. Euro an ESG-Zuflüssen. Die Zahlen zeigen: Nachhaltigkeit ist in der Fondsbranche endgültig zum Mainstream-Thema avanciert.